Fisch-Farm (Shrimps)

Kritik an Ökosiegeln für Fischprodukte

  • Dominique Haiden
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Fisch-Farm (Shrimps)Zu Beginn der zweiten „European Fish Week“ kritisiert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife die niedrigen Standards bei Ökosiegeln für Fischereiprodukte. 82 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände sind nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO bereits maximal ausgeschöpft, überfischt oder schon kollabiert. Der Fang aus dem Meer geht seit Jahren zurück, Fischfarmen sollen dies kompensieren. Doch was ursprünglich dazu gedacht war, die Fischbestände zu entlasten, entpuppt sich ebenfalls als enorme Belastung für die Umwelt. Initiiert wurde die Europäische Fischwoche von Ocean 2012, einer Meeresschutzinitiative, die von über hundert europäischen Organisationen unterstützt wird.

„Fischfarmen sind meist Massentierhaltung im Wasser – mit viel zu hohen Besatzdichten und rücksichtslosem Einsatz von Hormonen und Antibiotika“, kritisiert Dr. Sandra Altherr. Jährlich werden bereits mehr als 55 Millionen Tonne Speisefische und Meeresfrüchte in Farmen produziert – das ist fast die Hälfte der weltweit verkauften Menge. Mittlerweile sind die ökologischen Schäden durch Aquakultur unübersehbar: Küstennahe Lebensräume wie Mangroven werden großflächig zerstört; der Einsatz von Hormonen und Antibiotika belastet die Gewässer.

1999 schufen der WWF und der Konzern Unilever das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council). Der blaue Fisch prangt inzwischen auf vielen Fischprodukten und soll eine nachhaltige Fischerei garantieren. Doch die Kritik am MSC-Siegel häuft sich (siehe Artikel im Beobachter Natur). Derzeit ist ein eigenes Siegel für Aquakulturen, das ASC (Aquaculture Stewardship Council) in Vorbereitung. Für die derzeit boomenden Fischarten Pangasius und Tilapia liegen bereits Zertifizierungsstandards vor, die jedoch erneut enttäuschen: „Der Einsatz von Chemikalien und Medikamenten ist nicht ausreichend geregelt, ebenso kann während mehrjähriger Umstellungszeiten Fischmehl aus Raubbau verfüttert werden“, kritisiert Altherr.

„Verbrauchern wird mit marinen Ökosiegeln suggeriert, sie schonen die Meere, indem sie ein zertifiziertes Produkt kaufen – doch das funktioniert leider nicht“, sagt die Biologin Altherr. „Es hilft alles nichts, wenn die Menschen nicht weniger Fisch essen. Denn die aktuelle Nachfrage lässt sich nicht ökologisch nachhaltig decken. Den Ozeanen zuliebe empfehlen wir deshalb: Nur weniger ist MEER.“

Weitere Informationen

Pro Wildlife

Ocean 2012

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