Wanderfalke (Foto: Mathias Schäf)
Wanderfalke (Foto: Mathias Schäf)

Krimi um vergiftete Wanderfalken    

  • Benjamin Kämpfen
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Ein live im Internet übertragener Vergiftungsmord, eine international vernetzte Täterschaft und Ermittlungen, die nur durch Zufall vorankommen. Das sind die Zutaten in einem Krimi rund um den Wanderfalken. Dank einer vom SVS/BirdLife Schweiz koordinierten Arbeitsgruppe verdichten sich aber inzwischen die Hinweise auf die Täterschaft.

Der SVS/BirdLife Schweiz, die Stiftung Paneco und die Stiftung für das Tier im Recht machen sich Sorgen um den Brutbestand des Wanderfalkens. Seit dem totalen Zusammebruch der Brutbestände vor drei bis vier Jahrzehnten ging es mit dem Brutbestand langsam aber stetig aufwärts. Ob das so bleibt, ist aber unsicher. Denn Meldungen von vergifteten Wanderfalken sowie Verdachtsmomente auf illegale Handlungen häufen sich, wie die Organisationen heute mitteilen.

So haben unbekannte Täterschaften an mehreren Orten in der Schweiz mehrfach Wanderfalken vergiftet. Die Greifvögel sind geschützt, und vorsätzliche Vergiftungen entsprechen einem Offizialdelikt, das von Amtes wegen geahndet werden muss. Inzwischen sind die Polizei und eine vom SVS/BirdLife Schweiz koordinierte Arbeitsgruppe der Täterschaft auf der Spur. Zu Verurteilungen ist es jedoch noch nicht gekommen. Seit mehreren Jahren läuft ein eigentlicher Krimi um die grausamen Taten.

Vergiftete Tauben, um Falken zu töten

Schon ab 2009 zeigte sich, dass mehrere Brutplätze von Wanderfalken an verschiedenen Orten der Schweiz scheinbar grundlos verwaist blieben. Ein erster Beweis für eine Vergiftung erfolgte am 9. Mai 2011, als ein Wanderfalken-Weibchen an seinem Brutplatz an einem Hochkamin in Zürich vor laufender Webcam qualvoll verendete (die Filmsequenz ist hier zu sehen). Die drei noch schneeweissen Jungen kamen sofort aus dem Brutkasten, und auch das Männchen flog an den Brutplatz. Helfen konnten sie nicht mehr. Analysen zeigten, dass der Vogel an einem Nervengift gestorben war. Eine Taube, die vom Wanderfalken gerupft worden war, war mit dem Gift präpariert worden.

Nach diesem Vorfall, der viele Naturfreunde schockierte, begann eine vom SVS/BirdLife Schweiz koordinierte Arbeitsgruppe zu recherchieren. Bald stiess sie auf weitere Vergiftungsfälle: Bereits 2009 waren zwei weitere tote Wanderfalken in Zürich gefunden worden, die vermutlich vergiftet worden waren. Tote Falken, die Tauben gerupft hatten, wurden auch bei einem Rupfplatz an einem Kamin ebenfalls in Zürich entdeckt.

Verdächtiger Blog

Kommissar Zufall war im Spiel, als die Arbeitsgruppe von Vogelschützern aus Serbien kontaktiert wurde, weil diese auf Internet-Blogs von serbischen Taubenzüchtern, die in der Schweiz leben, auf sehr Verdächtiges gestossen waren: Die Blogger berichteten in ihren Einträgen wiederholt vom Einsatz von sogenannten Kamikaze-Tauben, welche mit Gift präpariert waren. Die Einträge, die zuerst übersetzt werden mussten, lauteten zum Beispiel so:

«11. April: Die ersten Kamikazen sind geflogen und haben offensichtlich einen Falken zu Boden gebracht. 12. April: Zweiter Flug eines Weibchens und wieder jagt sie. Morgen wieder Kamikazen und Krieg bis zur Ausrottung.»

Der Grund für diese unhaltbaren Delikte liegt wohl darin, dass die Wanderfalken manchmal auch Zuchttauben schlagen. Die Greifvögel ernähren sich von Vögeln, die sie im Flug erbeuten.

Anzeige gegen Unbekannt

Auf Grund der Recherchen der Arbeitsgruppe erstattete der SVS/BirdLife Schweiz im Herbst 2013 Anzeige gegen Unbekannt im Kanton Zürich. Gleichzeitig reichte die Stiftung für das Tier im Recht im Kanton St. Gallen eine Strafanzeige gegen einen der Blogger ein. Umfangreiche Ermittlungen durch die Polizei führten anscheinend zu dringendem Tatverdacht, doch kam es bisher zu keinen Verurteilungen.

Der Brutplatz am Hochkamin, wo das Wanderfalken-Weibchen vor vier Jahren starb, blieb seither verwaist, wie auch mehrere andere langjährige Brutplätze in anderen Gegenden der Schweiz. Und die Täterschaft schlug erneut zu: Ein vergiftetes Wanderfalken-Männchen wurde am 4. März 2014 an einem anderen Hochkamin in Zürich gefunden. Zwischen 2011 und 2014 gab es zudem Wanderfalken-Vergiftungen in Bregenz (A), Kassel (D), Freudenstadt (D) und im Siegerland (D).

Vergiftungen müssen sofort aufhören

Diesen Vorfrühling nun hat sich erneut ein Wanderfalkenpaar auf dem Hochkamin in Zürich eingerichtet und kann manchmal auf der Webcam von Grün Stadt Zürich beobachtet werden. Der SVS/BirdLife Schweiz und die anderen Beteiligten (Stiftung Paneco, Schweizerische Vogelwarte, Stiftung Tier im Recht) wollen alles daran setzen, dass es erfolgreich zur Brut schreiten kann. Auch wenn für die Organisationen die Bestrafung der Täter nicht im Vordergrund steht, ist klar:

„Das grausame Vergiften von Wanderfalken muss sofort aufhören“,

sagt Werner Müller vom SVS/BirdLife Schweiz und Koordinator der Arbeitsgruppe. Der SVS/BirdLife Schweiz ruft daher alle auf, wachsam zu sein und Vorfälle oder einen Verdacht umgehend der Polizei unter Tel. 117 zu melden. Die Polizei ist verpflichtet, sofort Ermittlungen aufzunehmen und hat im Bereich Tier und Umwelt in allen Kantonen besonders geschulte Fachpersonen.

Besondere Aufmerksamkeit ist nötig, wenn langjährige Brutplätze plötzlich verwaist sind. Wer einen toten Wanderfalken in der Nähe einer toten Taube findet, sollte die Polizei informieren. Die Vögel sollen liegengelassen und nur in dringenden Fällen mit einem sauberen Plastiksack aufgegriffen werden. Dies einerseits zur Spurensicherung, aber auch deshalb, weil das Nervengift für Menschen, insbesondere für Kinder, sehr gefährlich sein kann.

SVS/BirdLife Schweiz

1 Kommentar

  • Ferdi Proyer

    zu wünschen wäre dass die Täter gefunden werden.
    ich vermute dass der Aufwand zu gross ist und wie beim geschossenen
    Wolf die Ermittlungen eingestellt werden.

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