Grauhörnchen

Krieg der Hörnchen

  • Nora Kieselbach
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Wie im aktuellen Alpenmagazin nachzulesen ist, befindet sich das verglichen mit dem einheimischen roten Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) deutlich schwerere und durchsetzungsfähigere amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) in Europa weiter auf dem Vormarsch – In Grossbritannien ist das europäische Eichhörnchen bereits weitgehend verschwunden. Und nun macht sich der Konkurrent auf, auch Kontinentaleuropa zu erobern. Die letzte grosse Hürde: die Alpen.

Von Tierfreunden vor rund 100 Jahren in Grossbritannien als „Bereicherung“ der Natur ausgesetzt, hat sich das Grauhörnchen inzwischen zu einem echten Problem gemausert: Wo immer es auftaucht, setzt es sich rasch gegen den roten Artgenossen durch und verdrängt ihn aus den angestammten Lebensräumen, denn der Einwanderer hat ein paar entscheidenden Vorteile im Konkurrenzkampf auf seiner Seite.

So hat der Einwanderer den robusteren Magen und kann unreife Haselnüsse fressen und Eicheln besser verdauen; obendrein ist er auch aggressiver, kommt mit rauen Wintern besser zurecht und pflanzt sich öfter und zahlreicher fort. Der entscheidende Vorteil aber: Das Grauhörnchen überträgt den Parapox-Virus, gegen den es selbst immun ist. Für das europäische Eichhörnchen hingegen – ohnehin gestresst durch die starke Konkurrenz – ist er meist tödlich.

Aufgerüttelt von den Erfahrungen in Grossbritannien, wappnet sich inzwischen das europäische Festland gegen die „amerikanische“ Invasion. Zwar gibt es in Mittel- und Nordeuropa noch keine Grauhörnchen, in Norditalien hingegen hat es nach Freisetzungen mit rund 12’000 Exemplaren bereits Fuss gefasst. Eines der Vorkommen liegt dabei nur noch 50 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, und die weitere Besiedelung verläuft rasant: In Norditalien erobert das Grauhörnchen mehr als 17 Quadratkilometer pro Jahr, so dass es innerhalb von zehn Jahren das Tessin und später auch andere Schweizer Landesteile besiedeln wird. Die Fachleute sind besorgt. „Wenn die Grauhörnchen erst einmal die Alpen überquert haben, gibt es keine echte Barriere mehr,“ erläutert Stefan Müller-Kroehling, Spezialist für eingeschleppte Arten bei der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Und haben sich die grauen Nager erst einmal festgesetzt, hält sie fast nichts mehr auf. Die flinken Baumbewohner mit dem Gewehr zu bejagen, ist beinahe unmöglich. Bleibt noch, sie mit Käfigen zu fangen und anschliessend zu töten. Ein extrem mühsames und teures Unterfangen, das zudem schnell die Tierschützer auf den Plan ruft. Die Hoffnungen vieler Spezialisten ruhen deshalb auf einer Art „Pille“ für das Grauhörnchen, an der Wissenschaftler zurzeit arbeiten. Ausserdem versucht die Europäische Union mit einem neuen Projekt (www.rossoscoiattolo.eu) die weitere Ausbreitung der Grauen einzudämmen.

Weitere Informationen

Bild: David Iliff

1 Kommentar

  • bernd

    Sie haben etwas wichtiges vergessen.Aufgrund der vielen Nager sind ganze Wälder in GB abgestorben!Sie fressen die Rinde und ein paar & reichen schon und der Baum stirbt ab.

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