MM131105_kranich_02

Kraniche ziehen durch die Schweiz

  • Sophie Ryser
  • -

Am letzten Samstag hat eine Rekordzahl von Kranichen die Schweiz überflogen. Wie die Schweizerische Vogelwarte berichtet, waren einige Tausend dieser eleganten Vögel in Keilformation am Schweizer Himmel unterwegs. Die Herbstfeststellungen dieses grossen Schreitvogels sind in starker Zunahme begriffen. Sie lassen auf eine neue Zugroute schliessen.

In den letzten Tagen wurden in der Schweiz ungewöhnlich viele ziehende Kraniche beobachtet. Dabei überflogen die Vögel das Land mit lauten, trompetenartigen Rufen – ein Teil tagsüber, ein Teil nachts. Früher waren diese Vögel bei uns eine Ausnahmeerscheinung. Seit den Achtzigerjahren hat ihre Zahl stetig zugenommen. In den letzten Jahren nun ist ihre Zahl geradezu sprunghaft angestiegen. „Allein am letzten Samstag haben unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden mehrere tausend Vögel beobachtet“, erklärt Hans Schmid von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. „An rund 150 Orten sah man Kraniche, oft 100 und mehr in einem Flug“.

Die Kraniche stammen aus Nord- und Nordosteuropa. Jetzt sind sie auf dem Zug in die Winterquartiere. Diese lagen bislang zumeist in Spanien, doch nun überwintern immer mehr Vögel auch in Südfrankreich. Die meisten Kraniche folgen einem relativ engen Korridor quer diagonal durch Deutschland. Der immer stärkere Zug bei uns lässt auf eine neue Zugroute schliessen. Diese führt von Rastplätzen in Ungarn über Tschechien, Österreich und Bayern westwärts zum Bodensee und von hier durch das Mittelland und den Jura nach Südfrankreich. Allerdings können auch starke Winde die Deutschland querenden Vögel von ihrer Route abbringen und in die Schweiz verdriften.

Seit den Achtzigerjahren wird in Europa generell eine deutliche Zunahme der Kranich-Bestände registriert. Ein besserer Schutz dieses Vogels und seiner Lebensräume in Skandinavien, Finnland, Polen und Deutschland sowie in seinen Winterquartieren hat diese Zunahme möglich gemacht.

Weitere Informationen

Bild: © Marcel Burkhardt

Beitrag kommentieren