Kormoran

Kormoran ist kein Schädling!

  • Dominique Haiden
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KormoranDas Bundesverwaltungsgericht  macht mit seinem Urteil klar, dass Eingriffe in die Kormoranpopulation in dem international bedeutenden Wasservogelschutzgebiet Fanel unzulässig sind. Es hebt damit die davor erlassene Verfügung des BAFU auf, welche den Kantonen Neuenburg, Waadt und Freiburg erlaubte, Massnahmen zur Regulierung der Kormoranpopulation zu ergreifen. Das Bundesverwaltungsgericht gibt mit diesem Urteil dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und Helvetia Nostra recht. Die Umweltschutzorganisationen hatten Beschwerde gegen die Verfügung des BAFU eingereicht.

Die Verfügung des Bundesamts für Umwelt wurde erlassen, nachdem Berufsfischer sich über Schäden beschwert hatten, die durch Kormorane entstanden sein sollen. Das Bundesverwaltungsgericht kam aber zum Schluss, dass diese Schäden nicht ausreichen um Regulierungsmassnahmen zu rechtfertigen.

Die Aufhebung der vom BAFU erteilten Bewilligung zur Regulierung der Kormorankolonie in einem der wichtigsten Vogelschutzgebiete der Schweiz hat auch grundsätzliche Bedeutung. Jahrelang hatten Fischereikreise den Kormoran als Schädling hingestellt – damit hat das Bundesverwaltungsgericht jetzt aufgeräumt. Denn die Fakten zeigen, dass nicht einmal die grösste Brutkolonie des faszinierenden Fischfressers in der Schweiz untragbare Schäden verursacht.

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt klar, dass der Kormoran in der Schweiz ein einheimischer Brutvogel ist, der zwar im Winter gejagt werden kann, der aber während der Fortpflanzungszeit geschützt ist, wie alle anderen Brutvogel unseres Landes. Nur wenn eine Tierart während der Schonzeit untragbare Schäden verursachen würde, dürfte in ihr Brutgeschäft eingegriffen werden. Da es im Falle der Kormorankolonie am Fanel keine untragbaren Schäden gibt, sind Eingriffe in das Naturschutzgebiet weder nötig noch zulässig.

Das Urteil des schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts ist nicht das einzige in diesem Sinn. Bereits im März hatte das Verwaltungsgericht im deutschen Baden-Württemberg Eingriffe in eine Kormorankolonie am Untersee, wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, aus den gleichen Gründen als nicht rechtmässig beurteilt.

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz erwartet nun, dass die ungerechtfertigten Angriffe gegen den Kormoran und andere Fischfresser aufhören und einer auf fachlichen Grundlagen basierenden Diskussion um den Schutz der Gewässer Platz machen. Es gibt zwischen Fischerei und Naturschutz  so viele gemeinsame Anliegen, deren Lösung durch die nun vom Bundesverwaltungsgericht entschiedene Frage allfälliger Schäden von Brutkolonien des Kormorans überschattet wurde. Es ist Zeit, diese Anliegen nun zusammen anzugehen.

Weitere Informationen

Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

Pro Natura

Helvetia Nostra

Bild: Eva-Maria Kintzel (Wikimedia Commons)

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