Weiher im Eigental | © naturschutz.ch
Weiher im Eigental | © naturschutz.ch

Kompromiss im Eigental gefunden

  • Judith Schärer
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Seit Jahren wird über die Zukunft der Verbindungsstrasse zwischen den Regionen Embrach und Nürensdorf diskutiert. Nun ist eine Lösung gefunden: Die Strasse wird saniert, nach zehn Jahren gehört sie dann aber nur noch Velofahrern und Amphibien.

Seit bald drei Jahren ist die Eigentalstrasse im Zürcher Unterland gesperrt. Hin und her wurde diskutiert, was mit ihr in Zukunft geschehen soll. Der Streitpunkt: Die Strasse müsste dringend saniert werden, nur führt sie direkt durch ein Moor- und Amphibienschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Würden die Belagsschäden repariert, müssten damit auch aufwändige und entsprechend teure Massnahmen für die Frösche und Kröten ergriffen werden, so zum Beispiel Tunnels unter der Fahrbahn hindurch. Die Sperrung dagegen bedeutet für die umliegenden Gemeinden eine unerwünschte Verkehrsverlagerung. In diesem Spannungsfeld hat nun ein runder Tisch von Gemeinde- und Kantonsvertretern sowie Mitgliedern von Interessengruppen einen Massnahmenplan präsentiert.

Temporäre Sperrungen

Der Grundsatzentscheid, dass die Eigentalstrasse irgendwann definitiv für Autos und Lastwagen gesperrt werden soll, wurde bereits im Sommer gefällt (wir berichteten). Die detaillierte Umsetzung dieses Entscheides war jedoch noch nicht ausgereift, weshalb sich verschiedene Interessenvertreter zu einer Ausarbeitung trafen. Nun stellte die Kerngruppe des Runden Tischs Eigental vor, wie es im Detail mit der Eigentalstrasse weitergehen soll. Am Runden Tisch nahmen die Vertreter von sechs Gemeinden, vier kantonalen Amtsstellen und acht Interessengruppen teil. Der Kerngruppe gehören Behördenvertreter der drei Standortgemeinden Kloten, Nürensdorf und Oberembrach, Vertreter der involvierten kantonalen Ämter und Fachstellen (Fachstelle Naturschutz, Amt für Verkehr, Amt für Raumentwicklung, Kantonspolizei) sowie ein externer Moderator an.

Man einigte sich darauf, dass die Strasse noch während 10 Jahren befahrbar sein soll. Dazu wird sie «mit einfachsten Mitteln» saniert, wie es in der Medienmitteilung heisst, und danach wieder für den Verkehr geöffnet.

Einschränkungen im Interesse der Natur

Um den Naturschutzinteressen Rechnung zu tragen, werden auf der Eigentalstrasse aber diverse Einschränkungen gelten: Während der Frühlingswanderung der Amphibien, die in der Regel vier bis sechs Wochen dauert und zwischen Mitte Februar und Mitte April stattfindet, wird die Strasse über Nacht nicht befahrbar sein. Die Dauer der Sperrung wird noch von der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich festgelegt. Im Juni und Juli wird die Strasse ganztags gesperrt und im Herbst (Oktober/November) während maximal eines Monats von 19 Uhr bis 7 Uhr. Für Lastwagen gilt ein ganzjähriges Fahrverbot und ein Durchfahrtsverbot in Oberembrach. Für die anderen Verkehrsteilnehmer gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Radfahrern steht die Strasse ebenfalls offen, es wird allerdings kein separater Radstreifen eingerichtet.

In den zehn Jahren, in denen die Strasse noch geöffnet ist, haben die Gemeinden Zeit, die Probleme, die sich durch die Verkehrsverlagerung wegen der gesperrten Eigentalstrasse ergeben, anzupacken. Nach Ablauf der Frist wird die Eigentalstrasse geschlossen und die Gemeinden übergeben ihre Teilstücke des Strassenlands dem Kanton zur Realisierung eines Radwegs. Land, das nicht mehr benötigt wird, wird an die Organisation Birlife Zürich abgegeben, soweit das Gebiet bereits an das Grundeigentum von Birdlife anstösst. Veloverkehr und Zubringerdienst sind weiterhin gestattet.

Gemischte Reaktionen

In einer ersten Stellungnahme zeigen sich die Umweltverbände zufrieden mit der Lösung. Der Verein «Pro Eigental» dagegen spricht von einem faulen Kompromiss. Die Sperrung zu beschliessen, noch bevor man wisse, wie man die Verkehrsprobleme lösen wolle, gleiche einem Schildbürgerstreich. Zurecht schreibt daher SRF, dass gemäss dem altbekannten Sprichwort auch im Fall der Eigentalstrasse alle Interessengruppen „Kröten schlucken mussten“, damit der nun gefundene Kompromiss zustande kommen konnte. Die Teilnehmenden des Runden Tisches haben nun bis am 20. November Zeit, um ihre Meinung zu den Massnahmen abzugeben.

1 Kommentar

  • Erwin

    Die Umwelterroristen schlagen wieder zu.Schön noch 100 fr garnieren für ihren Mafiaverein. Sämtliche Spenden unsrerseits für WWF etc wurden eingestellt. Wir werden kein einziges Umweltprojekt mehr unterstützen im gegenteil.

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