Der Kolkrabe verhandelt gemäss einer neuen Studie nur mit "fairen" Testpersonen. | © Ingrid Taylar [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Der Kolkrabe verhandelt gemäss einer neuen Studie nur mit "fairen" Testpersonen. | © Ingrid Taylar [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Kolkraben setzen auf Fairtrade        

  • Mélanie Guillebeau
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Dass Kolkraben schlau sind, ist mittlerweile weitum bekannt. Eine österreichische Studie zeigt nun, dass sie zudem „unfaire“ Menschen aufgrund vorhergehender schlechter Erfahrungen entlarven können und in der Folge nicht mehr mit ihnen kooperieren.

Kolkraben – die grössten Singvögel – sind schlau, verspielt, wahre Luftkünstler und gelten heutzutage als „Gesundheitspolizisten“, da sie sich vor allem von Aas ernähren. In früheren Zeiten war das Bild des Kolkraben jedoch äusserst negativ geprägt. Sie galten als Schädlinge in der Landwirtschaft, wurden für Ernte- und Viehverlust verantwortlich gemacht und daher rücksichtslos verfolgt. Die Folge war verheerend: Ende des 19. Jahrhunderts waren nur ein Bruchteil der ehemaligen Verbreitungsgebiete besiedelt. Mit seinem Ansehen stieg Mitte des letzten Jahrhunderts zum Glück der Bestand des schwarzen Rabenvogels an und mittlerweile ist der Standvogel wieder europaweit anzutreffen.

Der Tausch von Brot gegen Käse muss geübt sein

Wie das Online-Portal treehugger berichtet, haben österreichische Wissenschaftler nun das unglaubliche Erinnerungsvermögen und den Gerechtigkeitssinn von Kolkraben gegenüber Menschen zutage gebracht, und zwar mit folgendem Experiment: Die Forscher haben den Kolkraben gelehrt zu handeln. So konnten sie ein Stück Brot bei einer Testperson gegen ein – für sie weit schmackhafteres – Stück Käse eintauschen. Dazu mussten sie aber zuerst vom Brot ablassen und darauf vertrauen, dass die Testperson fair handelt und ihnen im Austausch ein Käsestückchen geben wird. Dieses Vorgehen wurde im Vorfeld der Studie mit den Raben eingeübt.

Erste Erfahrungen mit „Fairen“ und „Unfairen“

Im eigentlichen Experiment machten die Raben nun Erfahrungen mit „fairen“ und „unfairen“ Testpersonen: Die „Faire“ hielt sich an den Deal und tauschte das dargebotene Brot des Kolkraben gegen ein Stück Käse ein. Die „Unfaire“ hingegen nahm zwar das Brotstück an, ass den Käse aber selbst – vor den Augen des Kolkraben. Dieser Deal-Bruch lies die hintergangenen Vögel keineswegs kalt, wie deren Reaktionen vermuten lassen: „Sie begannen zu rufen, zeigten eine erhöhte Aktivität und versteckten oder assen die übrig bleibenden Stücke der qualitativ minderen Belohnung [sprich das Brot]“, beschreiben die Wissenschaftler die Situation.

Kolkraben wählen „fair“

In einer nächsten Runde durften die Vögel frei wählen, mit welcher Testperson sie den Handel abschliessen möchten: Zur Auswahl standen die „unfaire“, die „faire“ sowie eine neutrale – den Vögeln nicht bekannte – Testperson. Und siehe da, die Kolkraben konnten sich durchaus an die schlechten Handelspartner erinnern und wählten durchs Band die „fairen“ Testpersonen für den Tausch. Selbst nach weiteren 30 Tagen verschmähten sie die „unfairen“ Testpersonen.

Damit Kolkraben zwischen „fairen“ und „unfairen“ Testpersonen diskriminieren können, müssen sie einerseits fähig sein die Gesichter der Tester erkennen zu können; andererseits müssen sie der Testperson eine negative bzw. positive Erfahrung zuschreiben können.

Kooperation nur mit „Auserlesenen“

In früheren Experimenten konnte bereits festgestellt werden, dass Kolkraben sich selbst nach Jahren an den Wert der Beziehung mit anderen Artgenossen erinnern und bei einem Aufeinandertreffen entsprechende Rufe ausstossen. Ausserdem kooperieren sie bevorzugt mit befreundeten Artgenossen, wenn sie die Wahl haben. In dieser Studie wurde nun zum ersten Mal aufgezeigt, dass Kolkraben sich auch an Menschen, sowie deren Handlungen erinnern und diesbezüglich verhandeln – oder eben nicht.

Weitere Informationen können Sie der kompletten Studie entnehmen, die in Animal Behaviour veröffentlicht wurde: Ravens remember the nature of a single reciprocal interaction sequence over 2 days and even after a month von Müller et al. 

3 Kommentare

  • eurojus

    Nur der Mensch kann das nicht. Er wählt die Politiker nach deren Wahlversprechen – und bei der nächsten Wahl wählt er sie wieder!

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  • Yannick

    Danke für den Artikel. M.E. wird hier nicht Gerechtigkeit und Erinnerung getestet, sondern Opportunismus und Erinnerung. Käse ist nahrhafter als Brot.

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    • Kurt Schneeberger

      Oohhh, Ihres Erachtens…. interessant..!


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