Klimawandel und Raumplanung

  • Gavino Strebel
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siedlungsentwicklung_pro_naturaSelbst bei sofortigen Massnahmen gegen den Klimawandel muss mit einer Erderwärmung gerechnet werden. Neben Anstrengungen zur Reduktion klimarelevanter Gase wird deshalb die Anpassung an die Folgen der Klimaänderung immer wichtiger. Bisher hat sich die Raumplanung mit dem Thema Klimawandel vor allem unter dem Aspekt  «Prävention vor Naturgefahren» auseinandergesetzt. Gemäss dem Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), muss aber eine breitere Palette an Massnahmen ergriffen werden.

Zu den Folgen des Klimawandels gehört unter anderem ein sommerlicher Temperaturanstieg, der Hitzewellen mit höheren Extremtemperaturen auslösen wird, als wir sie bis heute kennen. Bei den Niederschlägen ist mit einer Zunahme um rund acht Prozent im Winter und einem Rückgang um 17 Prozent im Sommer zu rechnen. Starkniederschläge, wie sie bisher nur alle acht bis 20 Jahre zu beobachten waren, werden alle fünf Jahre vorkommen. Entsprechend muss sich die Planung auf die zu erwartenden Hochwasser und drohenden Murgänge ausrichten. Betroffen werden auch die Städte sein.

Die Schweiz versucht mit zahlreichen direkten und indirekten Massnahmen, die Auswirkungen des Klimawandels zu vermindern. Das ARE nimmt insbesondere anhand der Richt- und Sachpläne Einfluss und versucht, mit den Agglomerationsprogrammen einen haushälterischen Umgang mit dem Boden voranzutreiben. Das vom ARE unterstützte, alpenweite Projekt CLISP setzt sich mit der «Anpassung an den Klimawandel durch Raumplanung im Alpenraum» auseinander. Im Interview erklärt der auf kantonaler Ebene involvierte Projektpartner Boris Spycher vom Amt für Raumplanung Graubünden, welche Hoffnungen er in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzt. Am Schluss des CLISP-Prozesses sollen Handlungsempfehlungen stehen, die lokal und regional umgesetzt werden können, womöglich aber auch in die «Nationale Anpassungsstrategie» einfliessen. Eine solche plant der Bund bis Ende 2010. Sie soll neben der Risikoanalyse auch Anpassungsziele und Grundsätze enthalten, die auf übergeordneter Ebene breit abgestützt sind. Die Absicht ist, die prioritären Handlungsfelder zu definieren und aufzuzeigen, wie die darauf basierenden Ziele mit Teilstrategien erreicht werden können. Der Bundesrat schätzte die Kosten der Anpassung kürzlich auf 500 Millionen Franken jährlich. Die volkswirtschaftlichen Kosten hingegen, die der Klimawandel auslösen wird, dürften wesentlich höher liegen.

Besondere Beachtung gebührt dem Berggebiet; ein sensibles Ökosystem, welches von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen ist. Dazu kommt eine vielfältige Nutzung: Der Wintertourismus ist auf gute Schneeverhältnisse, die Elektrizitätswirtschaft auf stabile Wasserverhältnisse und der Verkehr auf verlässlichen Untergrund angewiesen. Die Alpenkonvention könnte als multinationales Rahmenabkommen im Zusammenhang mit Anpassungs- und Verminderungsstrategien eine bedeutende Rolle spielen. Dies macht insbesondere der Aktionsplan Klimawandel in den Alpen deutlich, der im März 2009 an der 10. Alpenkonferenz in Evian verabschiedet wurde.

BAFU

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