Klimawandel und Jagd bedrohen Kanadas Robben

  • Dominique Haiden
  • 1

Sattelrobben HeulerDer Osten Kanadas erlebt einen der wärmsten Winter seit Messbeginn. Entlang der Küste hat sich das Eis nur spärlich gebildet. Robbenmütter finden kaum solide Schollen, auf denen sie ihren Nachwuchs gebären können. Viele Jungtiere kommen im Wasser zur Welt und ertrinken. Grund genug, die Jagd zu verbieten. Doch das Töten auf dem kanadischen Packeis geht weiter. Für dieses Jahr wurde die Jagdquote sogar auf unglaubliche 400’000 Tiere erhöht!

Rund 250’000 trächtige Robbenweibchen schwimmen jedes Jahr nach Süden. Im März bringen sie an den Küsten von Neufundland und Labrador sowie im Sankt-Lorenz-Golf ihre Jungen zur Welt. Doch das Eis an der kanadischen Ostküste wird seit siebzehn Jahren immer spärlicher. Der Sankt-Lorenz-Golf, der in der kalten Jahreszeit normalerweise zu 80 bis 90 Prozent zugefroren war, ist derzeit nur gerade zu fünf Prozent mit Eis bedeckt. Vielerorts suchen Robbenmütter darum vergebens eine geeignete Eisscholle für die Geburt. Zwei Wochen können sie ihre Jungen übertragen, doch dann müssen sie gebären. Einige tun dies inzwischen an Land, was für die Art unüblich ist. Die meisten Robben bringen ihre Jungen aber im Wasser zur Welt. Kanadas Fischereibehörde schätzt, dass 2010 allein im Sankt-Lorenz-Golf 90 Prozent aller Jungtiere so ertranken.

Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, ist deswegen sehr besorg. Rund ein Drittel der jährlichen Quote wird im Sankt-Lorenz-Golf ausgeschöpft. Es steht zu befürchten, dass die Jäger dort die gesamte Jungpopulation des Jahres auslöschen werden. Bedenkt man, dass die Sterblichkeitsrate der Jungrobben bereits in früheren Jahren enorm hoch war, wird die Sattelrobben-Population durch Klimawandel und Jagd nachhaltig geschwächt.

Fehlende Absatzmärkte und sinkende Pelzpreise sollen den Jägern den Anreiz nehmen. Deshalb machten sich OceanCare, der International Fund for Animal Welfare (IFAW) und die Fondation Franz Weber (FFW) für ein EU-Embargo für kanadische Robbenprodukte stark, welches 2010 in Kraft trat. In der Schweiz sind sie mit ihren Bemühungen für ein Import- und Handelsverbot von Robbenprodukten jedoch bislang nicht weiter gekommen. Im Oktober 2010 lancierten OceanCare und Fondation Franz Weber darum eine Petition für ein Verbot von Robbenprodukten in der Schweiz. Die Unterschriftensammlung wurde bis Mitte Juni 2011 verlängert.

Weiter Informationen

OceanCare

Fondation Franz Weber

Bild: Matthieu Godbout (Wikimedia)

1 Kommentar

  • Gallati

    Alle Jahre wieder… Es ist eine Schande für Kanada mit welcher unglaublichen Brutalität Jahr für Jahr unschuldige Robben niedergemetztelt werden. Dass dies im 21. Jahrhundert noch gemacht wird ist für mich nicht verständlich. Dass die Schweiz nicht schon längstens ein Einfuhrverbot für solche „Produkte“ hat ist ebenfalls zum schämen!

    Antworten

Beitrag kommentieren