Wird die Weisstanne die Fichte angesichts des Klimawandels als ein der wichtigsten forstwirtschaftlich genutzten Baumarten ablösen? | © Juan de la Cruz Moreno Balboa [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Wird die Weisstanne die Fichte angesichts des Klimawandels als ein der wichtigsten forstwirtschaftlich genutzten Baumarten ablösen? | © Juan de la Cruz Moreno Balboa [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Klimawandel – Tanne ist Trumpf      

  • Mélanie Guillebeau
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Der Klimawandel wird Fichten und Buchen in Zukunft an den Rand ihrer „Komfortzonen“ bringen. Tannen hingegen wird die vermehrte Wärme und Trockenheit weniger anhaben können, weshalb sie als Alternative für den bisherigen „Brotbaum“ – die Fichte – hinhalten könnten. Diese Erkenntnisse haben Forscher der WSL aus einer soeben veröffentlichten Studie gewonnen.

Das Tempo, mit welchem der Klimawandel voranschreitet, lässt für Tiere und Pflanzen kaum Zeit, sich den veränderten Lebensbedingungen anzupassen. Insbesondere Bäume haben aufgrund ihrer langen Generationszeit Schwierigkeiten, sich in nützlicher Frist auf das wärmere und trockenere Klima einzustellen. Sie laufen in der Folge Gefahr, in einer Umgebung festzusitzen, der sie nicht gewachsen sind – sprich an die sie nicht gut angepasst sind. Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL haben untersucht, ob dieses Szenario in unseren Wäldern Wirklichkeit werden könnte.

Lokale Anpassungen auf Kosten von Flexibilität

Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler des WSL 16’000 Fichten-, Tannen- und Buchenpflanzen untersucht. Die Pflanzen stammten ursprünglich aus verschiedenen Klimaregionen der Schweiz und besassen unterschiedliche, dem Herkunftsort entsprechende Anpassungen. In die Höhe gewachsen sind sie im Rahmen des Experiments aber unter denselben lokalen Begebenheiten. Unterschiede, die nach dem Wachstumsexperiment bestehen blieben, wiesen auf starke lokale Anpassungen an die ursprüngliche Klimaregion hin – und in der Folge eine geringere Flexibilität, um sich an zukünftig veränderte Klimabedingungen anzupassen.

© Aline Frank / WSL
Die Forscher des WSL haben für die Studie 16’000 Baumpflanzen ausgemessen. | © Aline Frank / WSL

Fichten und Buchen verlieren…

Die Untersuchungen zeigten, dass die Fichte solch starke lokale Anpassungen besitzt. Bei diesem Kieferngewächs besteht also die Gefahr, dass es sich nur schlecht mit den zu erwartenden Klimaveränderungen abfinden kann. Vor allem vermehrte Wärme und Trockenheit im Mittelland dürften der Fichte schwer zusetzen. Ein ähnliches Schicksal – wenn auch in abgeschwächter Form – dürfte die Buche ereilen.

Fichten, die bisher intensiv forstwirtschaftlich genutzt wurden, werden sich voraussichtlich nur schlecht an die voerhergesagten Klimaveränderungen anpassen können. | © abejorro34 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Fichten, die bisher intensiv forstwirtschaftlich genutzt wurden, werden sich voraussichtlich nur schlecht an die vorhergesagten Klimaveränderungen anpassen können. | © abejorro34 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch Buchen werden es im Falle von vermehrter Trockenheit und Wärme schwerer haben. | © Markus Trienke [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch Buchen werden es im Falle von vermehrter Trockenheit und Wärme schwerer haben. | © Markus Trienke [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

…und Tannen gewinnen

Die „Gewinnerin“ des Klimawandels steht, ganz zum Überraschen der Forscher, ebenfalls fest: Es ist die Tanne, die mit wenigen Anpassungen an das lokale, ursprüngliche Klima besticht. Dies erlaubt ihr, flexibel mit zukünftigen Klimaveränderungen umzugehen.

„Dass die Fichte so stark und die Tanne fast gar nicht an die lokalen klimatischen Bedingungen angepasst ist, hat uns sehr überrascht“, betont Aline Frank, Wissenschaftlerin an der WSL und Erstautorin der durchgeführten Studie.

Ist die Tanne die neue Fichte?

Fichten sind relativ anspruchslos beim Aufforsten und liefern gleichzeitig viel Holz, weshalb sie auch als „Brotbaum“ der Schweizer Waldwirtschaft bekannt sind. Angesichts der Studienergebnisse muss jedoch damit gerechnet werden, dass sich dieser Umstand gegen Ende des 21. Jahrhunderts ändern könnte. Dementsprechend sollten beim Waldmanagement bereits jetzt die nötigen Massnahmen eingeleitet werden.

„Wenn wir Saatgut von Bäumen aus wärmeren und trockeneren Regionen verwenden, haben wir mindestens für eine weitere Waldgeneration die Chance, dass die Baumart weiter gedeiht. Die Wälder bleiben damit stabil und schützen vor Naturgefahren“, folgert Ko-Autorin Caroline Heiri vom WSL aus den Forschungsergebnissen.

Ein Lösungsansatz ist gemäss der Forscher, Fichten an kühleren Standorten anzupflanzen und somit den Temperaturanstieg in naher Zukunft auszugleichen. Alternativ könnte die Tanne als neue „Brotbaum“-Art nachgezogen werden. Schliesslich hat sie sich in der Studie als wahre „Allrounderin“ herausgestellt.

Weitere Informationen können Sie der zugehörigen Studie Risk of genetic maladaptation due to climate change in three major European tree species von Frank et al. (publiziert in Global Change Biology) oder der originalen Medienmitteilung des WSL entnehmen.

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