Klimawandel beschert Europas Vögeln eine ungewisse Zukunft

  • Redaktion Naturschutz
  • -

Ohne Massnahmen gegen den Klimawandel dürfte sich der Verbreitungsschwerpunkt der Vogelarten Europas bis Ende dieses Jahrhunderts um durchschnittlich 550 Kilometer nach Nordosten verschieben. Die Verbreitungsgebiete der Arten könnten sich gegenüber heute um rund einen Fünftel verkleinern. Bei einigen Arten würden sich das heutige und das zukünftige Verbreitungsgebiet gar nicht überschneiden. Arktische, subarktische und iberische Arten werden vermutlich am stärksten unter dem Klimawandel leiden. Einige Arten, die ausschliesslich oder vorrangig in Europa leben, wie etwa der Rotmilan, haben ein erhöhtes Risiko auszusterben.
Dies sind Ergebnisse des neuen Klimaatlas der Brutvögel Europas, der von den Universitäten Cambridge und Durham und der RSPB (BirdLife-Partner in Grossbritannien) mit Unterstützung von BirdLife International erarbeitet worden ist. Für die Schweiz haben der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte Sempach die Studie analysiert.
Am gravierendsten sind die Auswirkungen des Klimawandels auf Vogelarten der Alpen: „Das Alpenschneehuhn könnte im späten 21. Jahrhundert nur noch in Reliktvorkommen im südwestlichsten und östlichsten Zipfel der Schweiz überleben. Ähnlich könnte es dem Zitronengirlitz ergehen; da er ausschliesslich in wenigen Berggebieten Europas vorkommt ist sein Aussterberisiko gross“, sagt Niklaus Zbinden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.

Der neue Atlas zeigt nicht nur die möglichen Veränderungen, sondern auch Wege, wie Entscheidungsträger am besten auf diese Herausforderung für die Biodiversität reagieren sollten: „In Ergänzung zu den dringenden Schritten, den Klimawandel so weit wie möglich aufzuhalten, braucht es zusätzliche Massnahmen für die Sicherung unserer Biodiversität“, sagt Werner Müller, Geschäftsführer des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz. „Die genetische Vielfalt innerhalb der Arten ist dabei von entscheidender Bedeutung. Dafür braucht unser Land genügend grosse Lebensräume mit hoher Qualität.“
Doch momentan sei der Schutz der Biodiversität bei weitem nicht gewährleistet, wie der Umweltprüfbericht der OECD für die Schweiz vom Mai 2007 zeige. Es brauche ein schweiz- und europaweites Netzwerk von Lebensräumen, das Wander- und Ausbreitungsmöglichkeiten garantiere. In der EU sei der Aufbau der Natura 2000-Schutzgebiete, die im Mittel 20 Prozent der Landesfläche umfassten, in vollem Gang. Die Naturschutzgebiete der Schweiz umfassten hingegen weniger als 4 Prozent der Landesfläche.
Für Müller zeigt der Klimaatlas der Brutvögel Europas, „dass die Schweiz ihre Hausaufgaben im Naturschutz noch längst nicht gemacht hat, sondern dass sie endlich die überfällige Biodiversitäts-Strategie erarbeiten muss.“ (sb)

Links zum Beitrag
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Schweizerische Vogelwarte Sempach

Beitrag kommentieren