© Sean MacEntee, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
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Klimaschutz im Luftverkehr zu schwach

  • Cécile Villiger
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Die International Civil Aviation Organization (ICAO), eine Sonderorganisation der UNO, hat an ihrer Konferenz in Montreal diese Woche entschieden, wie der Luftverkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll. Leider ist die Regelung viel zu schwach und kommt zu spät, findet der WWF. Deshalb muss die Schweiz nun eine eigene nationale Klimaschutzmassnahme für den Flugverkehr einführen.

Gemäss Beschluss der International Civil Aviation Organization (ICAO) müssen Fluggesellschaften die Treibhausgasemissionen gewisser Flüge künftig mit dem Kauf von Klimazertifikaten kompensieren. Das verabschiedete Abkommen hat jedoch zahlreiche Mängel: Erfasst werden nur zusätzliche Treibhausgasemissionen nach 2020, obwohl schon die heutigen Emissionen viel zu hoch sind. Die Qualität der Kompensation ist noch offen und die Teilnahme für die Länder freiwillig. Eine Reduktion der Emissionen wird gemäss ICAO nicht erfolgen. Damit liefert das Abkommen ein völlig ungenügendes Resultat, gerade auch für Länder wie die Schweiz, wo heute schon sehr viel geflogen wird.

Schweizerinnen und Schweizer heben doppelt so häufig ab wie ihre Nachbarn und liegen damit an der Weltspitze. Der Luftverkehr macht derzeit 16% der Schweizer Klimabelastung aus, Tendenz stark steigend. Bis 2030 dürfte er gar der klimaschädlichste Sektor überhaupt sein. Anders als der Strassenverkehr oder die Gebäudeeigentümer leistet er bisher überhaupt keinen Beitrag an den Klimaschutz.

«Es darf nicht sein, dass die Luftfahrt als einziger Sektor in der Schweiz nichts für den Klimaschutz unternimmt und zudem auch noch weitgehend von Steuern befreit ist», sagt Philip Gehri, Projektleiter Klima und Energie beim WWF Schweiz. «Eine Ticketabgabe nach dem Vorbild zahlreicher europäischer Ländern ist überfällig. Nur so wird das Verursacherprinzip und Kostenwahrheit wirkungsvoll umgesetzt». Die Abgabe müsste beispielsweise für die Economyklasse je nach Strecke zwischen 20 und 100 Franken betragen und könnte an die Bevölkerung rückverteilt oder für die internationale Klima-Finanzierung eingesetzt werden. Auch KLUG – die neue Koalition Umwelt, Luftfahrt und Gesundheit – fordert eine solche Ticketabgabe. KLUG bündelt die Kräfte von Politik und Zivilgesellschaft, damit die Anliegen von Umwelt und Gesundheit nicht wie bisher völlig untergehen.

Aga - Trigon Film

2 Kommentare

  • Lorenz Keysser

    Vielen herzlichen Dank für den Artikel! Sehr würde ich mich über eine genaue Quellenangabe zu den 16 % Flugemissionen der Schweiz freuen. Da diese nicht im Kyoto-Protokoll integriert sind, ist es nicht einfach dazu verlässliche Quellen zu finden. Haben Sie herzlichen Dank dafür!

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    • Cécile Villiger

      Die Meldung ist vom WWF. Am besten fragen Sie bei: Philip Gehri, Projektleiter Klima und Energie WWF Schweiz, philip.gehri@wwf.ch, 079 699 65 84, nach.


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