Klimaproblematik in Landwirtschaft

  • Gavino Strebel
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landwirtschaftDer Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Stürme, Überflutungen und Dürren sowie der Anstieg des Meeresspiegels vernichten bereits heute weltweit Ernten und fruchtbares Ackerland. In Zukunft werden sich die Schäden durch die Folgen des Klimawandels selbst bei drastischen Emissionsminderungen noch weiter verschärfen. Die Ernährungssicherung wird hierdurch zunehmend gefährdet. Schon heute hungert jeder sechste Mensch auf der Erde. Im Hinblick darauf sind Strategien der Anpassung an den Klimawandel in der Landwirtschaft zwingend notwendig. Derzeit werden jedoch vor allem technische Lösungen ins Feld geführt, wie der verstärkte Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden, die Anlage großflächiger Bewässerungssysteme sowie die Konzentration auf Förderung einzelner dürreresistenter und fluttoleranter Sorten.

Selten wird auf Massnahmen geschaut, die Bäuerinnen und Bauern vielerorts schon seit Jahrhunderten erfolgreich betreiben: Sie nutzen die landwirtschaftliche Vielfalt an Arten, Sorten und nicht-homogenen Linien in unterschiedlichen Anbausystemen, die auch die langfristige Fruchtbarkeit des Bodens berücksichtigt. Denn eine große Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass nicht die gesamte Ernte durch Extremwetterereignisse und die Verschiebung von Regenzeiten zerstört wird, sondern nur ein Teil. Agrobiodiversität wirkt wie eine Versicherung, die für Kleinbauern günstig und selbstbestimmt nutzbar ist und somit ein entscheidendes Element der Ernährungssicherung darstellt.

Zum gegenwärtigen Klimagipfel in Kopenhagen hat in Deutschland eine Koalition von Organisationen, die sich mit Agrobiodiversität und Landwirtschaft befassen, ein Positionspapier zu Landwirtschaft und Klimawandel verfasst. Das Positionspapier wird auch von SAVE Foundation mitgetragen. Das Positionspapier mit dem Titel „Vielfalt als Anpassungsstrategie der Landwirtschaft im Klimawandel“ hat als zentrales Anliegen die Anerkennung von Agrobiodiversität als Anpassungsstrategie zum Klimawandel im Bereich der Landwirtschaft. Weiter gefordert wird der freie Zugang zu genetischen Ressourcen und die Einbeziehung von Kleinbauern und ihrem Wissen in der Pflanzenzüchtung.

In den kommenden Jahrzehnten sieht sich die Landwirtschaft mit zwei grossen Herausforderung in Zusammenhang mit dem Klimawandel konfrontiert: Auf der einen Seite steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln (gemäss UNO-Welternährungs­organisation FAO um 70% bis 2050 verglichen mit 2000), auf der anderen Seite ist es eine vordringliche Notwendigkeit, die globalen Treibhausgasemissionen substanziell zu reduzieren und die Reduktionspotenziale auch in der Landwirtschaft längerfristig auszuschöpfen. Gegenwärtig ist die Landwirtschaft für 14 % des weltweiten Treibhausgasausstosses verantwortlich. Als Folge der zunehmenden Nachfrage und der sich ändernden globalen Konsum­gewohnheiten werden die globalen landwirtschaftlichen Emissionen jedoch bis 2050 um rund 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 ansteigen. An der Klimakonferenz in Kopenhagen wurde deshalb eine globale Forschungsallianz zur Reduktion der landwirtschaftlichen  Treibhausgase gegründet, derer die Schweiz am Mittwoch beigetreten ist. Die Allianz wurde im Herbst von Neuseeland lanciert und umfasst neben der Schweiz inzwischen 15 Länder, darunter die USA, Deutschland, Frankreich, Holland, Dänemark, Irland, Japan, Vietnam, Uruguay und Ghana. Sie hat zum Ziel die Forschungsressourcen und -aktivitäten bzgl. Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft und die Förderung des internationalen Informationsaus­tausches zwischen Forschungsinstitutionen und zwischen Forschenden zu verstärken und zu koordinieren.

SAVE Foundation

BAFU

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