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Klimapolitik braucht lokale Lösungen

  • Eliane Küpfer
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Der Klimawandel und seine Folgen sind in aller Munde. Ein koordi- niertes Vorgehen zum Schutz des globalen Klimas und Anpassungen an die Auswirkungen ist politisch und gesellschaftlich gewollt.

Das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) erstellte im Rahmen von PROGRESS drei sozialwissenschaft- lichen Untersuchungen zur Klimapolitik und –kommunikation im Ostseeraum in der Themen, Akteure und Positionen in ihrer zeitli- chen Entwicklung analysiert wurden.

 Den mitunter hochtrabenden Zielen der nationalen und interna- tionalen Klimapolitik steht jedoch eine mangelhafte Umsetzung auf lokaler Ebene gegenüber“, bilanziert Thorsten Heimann vom ISR. Nicht zuletzt liefert eine umfassende Befragung von Akteur- en aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und NGOs ein detailliertes Bild darüber, welche Strategien zum Umgang mit dem Klima wandel lokal als notwendig gelten – und welche nicht.

„Am gravierendsten stellt sich der Mismatch zwischen nationaler und internationaler Klimapolitik und der lokalen Ebene dar“, so Heimann. Lokale Differenzierung sei ein notwendiger Weg, um substantiell voranzukommen. Der Grund dafür liege vor al- lem darin, dass sich Wahrnehmungen und damit auch Problempriorisierungen und Maßnahmenpräferenzen lokal sehr unter- scheiden können. Ob Klimawandel überhaupt als Problem wahrgenommen wird, sei nicht flächendeckend gegeben, berichtet Nicole Mahlkow vom IRS. Auch die Bedrohung durch Binnenhochwasser führt nicht immer zu denselben Strategien, ergänzt Heimann. In Deutschland sei es derzeit ein Tabu, Siedlungen für natürliche Überflutungsflächen aufzugeben. In den Nieder- landen oder Frankreich gebe es hingegen einzelne Landstriche, für die es zur Strategie wurde, dort dem Wasser mehr Raum zu geben. „Wir müssen davon wegkommen, für alle Probleme dieser Art einen überall gültigen Standard finden zu wollen. Wenn lokale Unterschiede missachtet werden, wird fehlender Konsens zum Scheitern der Bemühungen führen.“

Eine weitere Empfehlung der Sozialwissenschaftler ist, Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung nicht gegen- einander auszuspielen. Es gebe keinen Widerspruch zwischen der Installation einer Solaranlage zur CO2-Minderung und einem durchdachten regionalen Flussmanagement zur Eindämmung von Überflutungsschäden. Genauso wie Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel lokal differenziert sein müssen, sollten auch die Menschen mit dem Bezug zu konkreten lokalen Problemlagen angesprochen werden. Alltagskontexte spielen für die Akzeptanz von Klimapolitik eine große Rolle.

Bild: Sensenmann [Public domain], via Wikimedia Commons

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