Hallers Apfelmoos (Bartramia halleriana) hat typische rundliche Kapseln auf kurzem Stiel. An diesen ist es schon im Feld zu erkennen | © Michael Lüth
Hallers Apfelmoos (Bartramia halleriana) hat typische rundliche Kapseln auf kurzem Stiel. An diesen ist es schon im Feld zu erkennen | © Michael Lüth

Klein, attraktiv und voller Potenzial für Neuentdeckungen

  • Redaktion Naturschutz
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Obwohl die Schweiz ein europäischer Hotspot für Moose ist und es bei den ältesten Landpflanzen noch viel zu entdecken gibt, beschäftigen sich hierzulande nur relativ wenige Spezialistinnen und Spezialisten mit dieser Artengruppe. Der Zugang zu den Moosen ist in den letzten Jahren aber leichter geworden, denn seit 2011 entsteht im Internet eine neue «Moosflora der Schweiz». Wir laden Sie ein zu einem Besuch auf www.swissbryophytes.ch und dem Betreten neuer Territorien.

Der Artikel von Heike Hofmann informiert im aktuellen Magazin „info flora plus„, der botanischen Zeitschrift der Schweiz, über die Bestimmung von Moosen und die Moosflora der Schweiz, eine Webseite, die bei der Moosbestimmung hilft.

Hochzeit im Verborgenen

Moose zu bestimmen ist kein ganz leichtes Unterfangen. «Was blüht denn da?» hilft nicht weiter, denn da blüht nichts. Moose gehören zu den Kryptogamen, das heisst, sie «heiraten im Verborgenen», wir sehen ihre «Blüten» nicht. Was gelegentlich auffällt, sind die Sporenkapseln. Sie sind das Resultat dieser Hochzeit im Verborgenen und enthalten grosse Mengen von Sporen, mit denen sich die Moose verbreiten. In dieser Hinsicht entsprechen die Kapseln den Früchten der Blütenpflanzen. Sie können ganz verschieden aussehen und bieten gute Bestimmungsmerkmale. Wenn sie fehlen, bleibt jedoch nichts anderes, als die feinen Unterschiede in den Blatt- und Zellformen zu beurteilen. Das ist durchaus eine Herausforderung.

Die Kapseln der Frauenhaarmoose sind durch eine Haube aus feinsten Haaren bedeckt (hier das Schöne Frauenhaarmoos, Polytrichum formosum). | © Heike Hofmann
Die Kapseln der Frauenhaarmoose sind durch eine Haube aus feinsten Haaren bedeckt (hier das Schöne Frauenhaarmoos, Polytrichum formosum). | © Heike Hofmann

Neuer Zugang durch Bilder

Auf der Webseite der Moosflora der Schweiz werden daher viele Bilder zur Verfügung gestellt, nicht nur vom Habitus der Pflanzen, sondern auch Bilder der mikroskopischen Merkmale. Sie sind ein sehr wichtiges Hilfsmittel für die Artansprache. Um einen ersten Hinweis zu erhalten, welches Moos man vor sich haben könnte, kann man den Bildbrowser verwenden. Mit diesem Werkzeug lassen sich Bilder bestimmter Merkmale von allen Arten einer Gattung, Familie oder Klasse im Vergleich nebeneinander anschauen. Findet man nicht, was man sucht, wählt man ein anderes Merkmal oder eine andere Artengruppe. Auch wenn bisher erst gut ein Viertel der 1100 einheimischen Arten vollständig illustriert ist, kann man sich mit dem Bildbrowser bereits jetzt einen ausgezeichneten Überblick über die Merkmale der Moose verschaffen.

Ein leicht zu erkennenden Moosart ist das Fels-Rosenmoos (Rhodobryum roseum). Auf der Webseite der Moosflora der Schweiz steht, wie man die beiden Arten unterscheidet. | © Heike Hofmann
Eine leicht zu erkennende Moosart ist das Fels-Rosenmoos (Rhodobryum ontariense). Es kann nur mit dem Rosettigen Rosenmoos verwechselt werden (Rhodobryum roseum). Auf der Webseite der Moosflora der Schweiz steht, wie man die beiden Arten unterscheidet. | © Heike Hofmann Auf der Website der Moosflora der Schweiz steht, wie man die beiden Arten unterscheidet. (Foto: Heike Hofmann)

Jedem Moos sein Lebensraum

Einen anderen Einstieg bieten die Listen der Moosarten verschiedener Lebensräume. Viele Moose kommen nur in bestimmten Lebensräumen vor und darüber hinaus oft auch auf bestimmten Substraten. An Mauern in Städten trifft man beispielsweise nur 13 Moosarten regelmässig an. Das ist eine überschaubare Gruppe, bei der es möglich ist, die eine oder andere Art am Bild zu erkennen. Für die Moosflora der Schweiz wurden bebilderte Listen der häufigsten und der typischen Moosarten für 35 Lebensräume erstellt. Mit Klick auf den Artnamen kommt man zum Porträt der jeweiligen Art. Dort sollte man dann die Bilder und alle Angaben zu Merkmalen, Verbreitung und Ökologie sorgfältig prüfen, bevor man sich für einen Namen entscheidet.

Unter dem Mikroskop eröffnet sich eine ganz neue Formenvielfalt. Ein Blattquerschnitt von Hornschuchs Scheinfransenmoos (Pseudocrossidium hornschuchianum) mit stark zurückgerollten Blatträndern. | © Heike Hofmann
Unter dem Mikroskop eröffnet sich eine ganz neue Formenvielfalt. Ein Blattquerschnitt von Hornschuchs Scheinfransenmoos (Pseudocrossidium hornschuchianum) mit stark zurückgerollten Blatträndern. | © Heike Hofmann
Die «römischen Münzen» sind die Sporen des Kleinmündigen Glockenhutmooses (Encalypta microstoma). Sie sind etwa 40 μm gross und enthalten alle Informationen für die Bildung neuer Pflanzen.. | © Heike Hofmann
Die «römischen Münzen» sind die Sporen des Kleinmündigen Glockenhutmooses (Encalypta microstoma). Sie sind etwa 40 μm gross und enthalten alle Informationen für die Bildung neuer Pflanzen. | © Heike Hofmann

Bestimmen mit digitalen Schlüsseln

Nun wäre es nicht ganz ehrlich, zu behaupten, dass Moose einfach nach Bildern bestimmt werden können. Was für einzelne Arten funktioniert, ist nicht die Regel. Meist braucht es Bestimmungsschlüssel, ein Mikroskop und geduldiges Beobachten. Bisher gab es jedoch keine Moosflora der Schweiz, und man musste für die Bestimmung auf Floren anderer Länder zurückgreifen. Nun werden neue digitale Schlüssel entwickelt, die alle Arten der Schweiz enthalten und einen Zugang über beliebige Merkmale ermöglichen. Damit wird auch das Bestimmen einfacher. Und wer den Aufwand der Bestimmung nicht scheut, wird nicht selten mit der Entdeckung einer seltenen Art belohnt, denn bei den Moosen gibt es noch immer Neuland zu erkunden.

Von Aloemoos bis Zottige Zackenmütze

Ob man nun einfach zwischen Aloemoos und Zottiger Zackenmütze ein wenig lustwandeln möchte oder detaillierte Informationen zur Unterscheidung bestimmter Arten sucht, ein Besuch auf der Webseite der Moosflora der Schweiz ermöglicht beides. Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Entdeckungsreise durch eine wenig bekannte Artengruppe.

An diesem Projekt haben bisher über 20 Personen direkt mitgewirkt und zahlreiche weitere indirekt. Die Realisierung war nur möglich dank der finanziellen Unterstützung mehrerer Stiftungen, Institutionen und Einzelpersonen. Vollständige Listen finden sich auf www.swissbryophytes.ch unter «Mitarbeiter» und «Dank».
An diesem Projekt haben bisher über 20 Personen direkt mitgewirkt und zahlreiche weitere indirekt. Die Realisierung war nur möglich dank der finanziellen Unterstützung mehrerer Stiftungen, Institutionen und Einzelpersonen. Vollständige Listen finden sich auf www.swissbryophytes.ch unter «Mitarbeiter» und «Dank».

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