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Kirschessigfliege war 2015 kein Problem im Rebberg

  • Judith Schärer
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Im Herbst 2014 verursachte die Kirschessigfliege grosse Unruhe bei den Schweizer Winzerinnen und Winzern. Das Insekt war so häufig wie noch nie. Zudem vernichtete die Essigfäule bis zu 10 % der Ernte. Dieses Jahr blieb es rund um die Kirschessigfliege ruhig. Agroscope konnte in den verschiedenen Rebbergen nur ganz vereinzelt Eiablagen des Schädlings beobachten. Dank des sonnigen und warmen Wetters konnten daher gesunde Trauben von bester Qualität gelesen werden.

2015 wurden mehr als 90‘000 Beeren auf Eiablagen durch die Kirschessigfliege kontrolliert, wie Agroscope mitteilt. Insgesamt ein Befall von lediglich 0.5 % festgestellt. Der Befall in den drei Sprachregionen war im Tessin am niedrigsten und in der Deutschschweiz am höchsten. Die ersten infizierten Trauben wurden in der zweiten Augusthälfte beobachtet. Mit der Reife des Lesegutes stieg der Anteil befallener Beeren bis zur Ernte stetig an und flachte dann ab Ende September wieder ab.

Sortenunterschiede

Auch wenn sich die Befallskontrollen häufig auf rote, frühreife Rebsorten konzentrierten, so hat sich doch gezeigt, dass es grössere Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten gibt. Den besonders anfälligen, oftmals roten Rebsorten sollte auch zukünftig ein besonderes Augenmerk geschenkt werden.

Bekämpfung

Gewarnt durch die Essigfäuleschäden im letzten Jahr haben die Winzer und Winzerinnen die vorbeugenden Pflanzenschutzmassnahmen gegen die Kirschessigfliege diesen Sommer konsequent umgesetzt: Die Ertragsregulierung wurde früh durchgeführt und die Traubenzone gut entlaubt. Diese präventiven Bekämpfungsmassnahmen haben neben dem aussergewöhnlich heissen Sommer stark dazu beigetragen, dass Trauben kaum befallen wurden. Nur in wenigen Einzelfällen wurde der Schwellenwert von 4 % befallenen Beeren erreicht, ab dem sich eine zusätzliche Insektizidbehandlung zum Schutz des Traubenguts aufdrängt.

Ausblick

Über die ganze Schweiz verteilt wurden diesen Sommer verschiedene Wirkungsversuche eingerichtet, doch wegen des schwachen Befalls konnten kaum neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit der einzelnen Verfahren gewonnen werden. Neben den vorbeugenden Massnahmen beurteilt Agroscope den Einsatz von Netzen und des Gesteinsmehls Kaolin jedoch als besonders interessant. Agroscope wird deren Schutzwirkung im nächsten Jahr sicherlich erneut testen. Ausserdem möchte Agroscope langfristig die Rolle der Kirschessigfliege für die Entwicklung und Ausbreitung der Essigfäule besser verstehen. Auch wenn die Kirschessigfliege letztes Jahr sicherlich ihren Beitrag zur Entwicklung der Essigfäule geleistet hat, so wäre es falsch, sie für den gesamten Schaden im 2014 alleine verantwortlich zu machen. Erklärtes Ziel der Bemühungen ist es daher, die Biologie der Kirschessigfliege und die daraus entstehenden Probleme für den Rebbau zu begreifen und gemeinsam mit der Praxis nachhaltige Lösungen zu finden. Doch fürs erste gilt es, sich über den diesjährigen Weinjahrgang zu freuen und seine Früchte zu geniessen.

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