© www.bernardfoto.ch
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Kiebitz: Begeisterte Helfer ermöglichen Brut-Erfolg

  • Kathrin Ruprecht
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Auch dieses Jahr war der Gossauer Maisacker „Tirbel“ wieder Schauplatz des grössten Kiebitz-Brutgeschehens des Kantons. Der Kiebitz ist äusserst selten und geniesst schweizweit höchste Schutzpriorität. Erstmals ist eine Umsiedlung von Kiebitzküken von einem Flachdach gelungen. Die insgesamt 19 flüggen Gossauer Jungvögel haben die Umgebung inzwischen verlassen.

Das Gossauer Kiebitz-Projekt wird von BirdLife Zürich bereits im fünften Jahr geleitet. Ziel ist die Sicherung der kleinen, aber konstanten Kiebitz-Kolonie auf den Ackerflächen in Gossau. Der Einsatz des ehrenamtlichen Kiebitz-Teams ist für den Erfolg des Projektes zentral, schreibt BirdLife Zürich. Dieses hatte im Lauf des Frühjahrs in aufwändiger Geduldsarbeit insgesamt 13 Nester identifiziert und unauffällig markiert. Gemeinsam mit Zivildienstleistenden wurde der Maisacker mit einem Weidenetz eingezäunt und unter Strom gestellt. Der Zaun hält frei laufende Hunde ab und schützt vor nächtlichen Nesträubern wie Fuchs und Marder. Ein unabdingbarer Schutz für ein erfolgreiches Brutgeschäft, wie Erfahrungen aus anderen Kiebitz-Projekten zeigen.

Das Kiebitz-Team deckte während der Mais-Ansaat die markierten Nester mit Eimern ab, während Bewirtschafter Winkler die Nester umkurvte. Alle so geschützten Nester wurden von den Altvögeln nach der Ansaat weiter bebrütet. Dasselbe Prozedere führte das Team beim Spritzen und Düngen der Maispflanzen durch. Der Aufwand hat sich gelohnt, die Kiebitze liessen sich beim Brutgeschäft nicht stören. Die 11 Brutpaare brachten mindestens 19 Jungvögel hoch, knapp zwei Flügglinge pro Paar. Das ist ein Wert, der in Gossau zum ersten Mal erreicht wurde und weit über dem kritischen Mass liegt. Inzwischen haben alle Kiebitze das Gebiet verlassen und werden sich nach der Mauser im Herbst allmählich auf den Weg in den Süden in die Mittelmeerländer machen.

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Umsiedlung von Kiebitzküken erstmals geglückt

Anfang Mai kam die Meldung, dass auf einem Flachdach in der Industriezone mehrere Jungkiebitze geschlüpft seien. Flachdächer sind Fallen für Kiebitzküken, wenn längere Trockenheit herrscht oder die Dachbegrünung zuwenig Nahrung bietet. Die Küken mussten auf den Tirbel zügeln und wurden eingefangen. Die Umsiedlung glückte: Kurz nach Freilassen auf dem Maisacker wurden die vier Küken von den Elternvögel entdeckt und wieder in Obhut genommen. Dies ist die erste gelungene Umsiedlung von Kiebitzküken von einem Flachdach in der Schweiz. Zu verdanken ist dies auch der tatkräftigen Unterstützung durch die Herren des Werkhofs Gossau.

© Mathias Ritschard
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Finanziert wird das Projekt von der Fachstelle Naturschutz. Als einer der seltensten Brutvögel geniesst der Kiebitz höchste Schutzpriorität im Kanton. 2015 brüteten total rund 20 Paare des Watvogels an vier Standorten im Kanton Zürich. Aber nur in Gossau und Winkel wurden Jungvögel flügge. Das Gossauer Projekt von BirdLife Zürich ist eines von vier Kiebitzprojekten des nationalen Dachverbands SVS/BirdLife Schweiz im Mittelland.

2 Kommentare

  • Ferdi Proyer

    Super Einstellung und Einsatz für die Vögel.
    Es gibt sie doch noch Leute die sich für die Natur einsetzen.

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  • Markus Leutwyler

    Herzliche Gratulation zu diesem Erfolg. Es ist schön, solche Meldungen lesen zu dürfen. Sehr ermutigend! Toll, wenn alle so zussammenspannen!

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