© Universität Bern
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Keine Verbesserung für den Schutz der Artenvielfalt

  • Nicole Wabersky
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Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union wird den Schutz der biologischen Vielfalt nicht verbessern, sondern sogar weiter verschlechtern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Bern.

Die Europäische Union hat zwar verschiedenste Gesetze und Richtlinien für den Habitat,- Vogel- oder Wasserschutz erlassen, aber keine davon hat so grossen Einfluss auf die Ökosysteme wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Im Dezember 2013 verabschiedete die EU deren Reform, die für die Jahre 2014 bis 2020 gilt.

Mit einem Gesamtbudget von rund 360 Milliarden Euro wirkt sich die GAP auf rund die Hälfte der Landfläche der EU aus und damit auf unzählige Arten, die sich im Laufe der Jahrhunderte an diese Kulturlandschaften angepasst haben.

Nun kommt eine internationale Forschergruppe mit Schweizer Beteiligung – unter anderem von Prof. Raphaël Arlettaz vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern und Schweizerischen Vogelwarte Sempach – zum Schluss, dass die Reform aber dieses Ziel verfehlen wird.

Die Forschenden haben die Änderungen in der Gesetzgebung analysiert sowie mit Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) verglichen, um herauszufinden, was die reformierte Agrarpolitik tatsächlich bewirken wird. Die Studie wurde im Fachjournal «Science» publiziert.

«Die aktuelle GAP-Reform hat das ursprüngliche Ziel, 10 Prozent der Agrarfläche für den Erhalt der Artenvielfalt und von Ökosystemdienstleistungen vorzuhalten, weiter reduziert und viele Ausnahmeregelungen geschaffen, die zu einem weiteren Verlust wertvoller Kulturlandschaften führen werden», sagt Arlettaz. Laut Mitteilung der Universität Bern bezeichnen die Autoren der Studie diesen Verlust und die zunehmende Intensivierung der Agrarlandschaften als lebensfeindlich für viele Arten.

In der Schweiz sind seit langem 7 Prozent der Fläche eines Bauerbetriebs als Schutzzone für die Artenvielfalt eine strikte gesetzliche Verpflichtung, was sich auf die Biodiversität relativ positiv auswirkt. «Ursprünglich wollte die EU dem Schweizer Beispiel folgen – hat es aber schlussendlich nicht getan. Das ist schade», sagt Arlettaz.

Die Studie zieht ein ernüchterndes Fazit: Die neue Reform der GAP hat wenig Chancen, diese Trends aufzuhalten und wird somit das Ziel einer «grüneren Landwirtschaft» («Greening») verfehlen, wie die Autoren anhand europaweiter Statistiken aufzeigen konnten. Ursache dafür sind die vielen Ausnahmeregeln: So müssen Betriebe mit einer Fläche unter 10 Hektar keine Fruchtfolgen anbauen.

Der Leiter der Studie, Dr. Guy Pe’er vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, fordert ein Engagement von den einzelnen Mitgliedsstaaten: «Sie müssen Umsetzungsstrategien entwickeln, die erheblich über die verbindlichen Verpflichtungen hinausgehen – dann kann ein Greening erreicht werden.» Die Botschaft der Autoren der Studie ist daher: Die von der EU vorgegebenen Mindestziele werden nicht ausreichen, aber die Mitgliedstaaten haben selbst 2014 immer noch genügend Spielraum, um mehr zu tun, als in der Reform gefordert ist.

 

 

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