© Wandervogel [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia commons
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Keine neue Bewässerungsanlage ohne Abklärung der Umweltauswirkungen

  • Kathrin Ruprecht
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Die Bewässerungsgenossenschaft Bibertal plant die Vergrösserung der bewässerten Landwirtschaftsflächen um 20 Prozent. Nun reicht die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva Einsprache ein. Denn die Auswirkungen auf die Bestände von Kulturlandvögel, Tagfalter und Heuschrecken sind unklar.

Aqua Viva reicht eine Einsprache gegen die neu geplante Bewässerungsanlage im Bibertal (SH) ein. Für die Gewässerschutzorganisation ist jetzt, bei der Neuprojektierung der Anlage, eine Prüfung der Auswirkungen wichtig. Die Bewässerungsgenossenschaft muss abklären, ob der Sprühregen eine Gefahr für die Bewohner des Kulturlandes darstellt. Die Bedenken von Aqua Viva gründen auf dem Wissen, dass die Beregnung von landwirtschaftlichen Flächen die vorkommende Fauna und die Flora verändern kann. Insbesondere typische Arten der Kulturlandschaft wie zum Beispiel die Schafstelze können darunter leiden. Auswirkungen auf weitere Kulturlandvögel, Tagfalter, Heuschrecken und Pflanzenarten sind nicht auszuschliessen, schreibt Aqua Viva.

„Es ist dringend nachzuweisen, dass die Vielfalt im Bibertal erhalten bleibt und die Bewässerung diese nicht negativ beeinflusst“ fordert daher Stefan Kunz, Geschäftsführer von Aqua Viva.

Ebenfalls sind mögliche Auswirkungen auf betroffene Schutzgebiete wie das BLN-Gebiet Untersee – Hochrhein abzuklären.

Heute wird der Biber an 15 Stellen Wasser entnommen, dazu kommen 4 Entnahmestellen am Rhein. Das von der Bewässerungsgenossenschaft Bibertal geplante Projekt sieht die Aufhebung aller Entnahmestellen an der Biber vor. Der kleine Fluss bleibt damit künftig von der Wasserentnahme verschont, dies begrüsst Aqua Viva sehr. Durch die vorgesehene Entnahmestelle am Rhein sollen anfänglich 467 Hektare Kulturland bewässert werden. Es ist aber eine Beregnung von bis zu 520 Hektare möglich. Heute werden mit den 19 bestehenden Entnahmestellen 390 Hektare beregnet. Das neue System würde also eine Zunahme der bewässerten Fläche von mindestens 20 Prozent erlauben.

Sollten sich die Auswirkungen für die Kulturfolger als vernachlässigbar herausstellen, kann das neue Bewässerungsprojekt für die Biber zu einer Chance werden. Dass keine Tiergruppen und schützenswerten Lebensräume unter der Bewässerung leiden, gilt es aber erst noch nachzuweisen. Wird das Projekt zusätzlich mit Anstrengungen für Revitalisierungen verbunden, können das ganze Gebiet und die Biber doppelt profitieren.

Neues Bewässerungskonzept als Chance für Biber

Gemäss der Revitalisierungsplanung des Kantons soll die Biber auf rund 1500 Metern aufgewertet werden. Gerade in diesem Zusammenhang befürwortet Aqua Viva die vorgesehene Aufhebung der 15 Wasserentnahmestellen an der Biber. Der kleine Fluss wird dadurch stark entlastet. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, in Koordination mit dem Rückbau der Entnahme-stellen die Revitalisierungsplanung umzusetzen und die Biber nachhaltig aufzuwerten. Stefan Kunz dazu: „Es bietet sich die einmalige Chance zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – zu revitalisieren und die Wasserentnahmesituation zu verbessern“. Unverständlich für die Gewässerschutzorganisation ist, dass der Kanton diese Möglichkeit nicht wahrnimmt. Aqua Viva ist entschieden der Meinung, dass die Projektsynergien im Sinne der Biber und des Gewässerschutzes genutzt werden sollte.

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