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Kehrseiten der Biotreibstoffe

  • Monika Jung
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rapsDie Umwandlung natürlicher Biotope und extensiv bewirtschafteter Flächen in intensiv bewirtschaftetes Ackerland sind laut UN-Bericht zum Zustand der globalen Biodiversität (GBO 3) Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt an Land. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung trägt der aus Klimaschutzgründen geförderte Biotreibstoff-Boom.

Energiepflanzen sollen die Kohlenstoffemissionen der Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Abhängigkeit von knapper und damit teurer werdenden Ölvorkommen verringern. Weltweit nimmt der Anbau von Ölsaaten wie Palmöl sowie Zuckerrohr, Mais und Getreide für die Bioäthanolproduktion rasant zu. Doch diese vermeintlichen Errungenschaften haben ihre Kehrseiten: Ackerpflanzen, wie Mais und Raps, die direkt für die Erzeugung für Biotreibstoffe eingesetzt werden, konkurrieren die Nahrungsmittelproduktion. Laut Professor Bernhard Lehmann von der ETH Zürich zeigen zahlreiche Studien, dass die Hilfsstoffe bei der Produktion die Umwelt belasten und dass die CO₂-Bilanz bei weitem nicht so vorteilhaft ist wie angepriesen. Oft wird zudem wertvolles Grünland und wichtige Lebensräume mit einer hohen Artenvielfalt hochsubventioniert in Raps- und Maisäcker umgewandelt. Wie der Informationsdienst Wissenschaft schreibt, sind die Folgen fatal: Steigerung der Lebensmittelpreise, Erhöhung des Pestizid- und Düngemitteleinsatzes sowie des Wasser- und Flächenverbrauchs im Zuge einer Intensivierung der Landwirtschaft, Feinboden- und Humusschwund, Zerstörung wertvoller Ökosysteme, Biodiversitätsverlust und eine effektive Steigerung statt Verminderung der Treibhausgas-Emissionen, insbesondere wenn für den Anbau von Energiepflanzen Wälder abgeholzt oder Grünlandflächen umgebrochen werden.

An der Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya kam es, nach langer Weigerung der Profiteure des Biotreibstoss-Booms, am Ende noch zu verbindlichen Regelungen. Im Beschlusspapier zu Biokraftstoffen werden die Staaten „gedrängt“, die Auswirkungen auf Nahrungssicherheit lokaler Gemeinschaften zu berücksichtigen. Auf Drängen der EU wurde festgelegt, dass Biotreibstoffe in ihrer Ökobilanz nicht nur an Klimaauswirkungen gemessen werden, sondern nun die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau bis Verbrauch bewertet werden muss.

Weitere Informationen

ETH-Klimablog: Sind Biotreibstoffe sinnoll?

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