Biopiraterie

Kampf der Biopiraterie

  • Gavino Strebel
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BiopiraterieWeltweit wird dieser Tage das UNO-Jahr der Biodiversität eingeläutet. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist auch eine entwicklungspolitische Knacknuss. In ihrer neuen Publikation „Wir Biopiraten“ zeigen die Erklärung von Bern und Pro Natura, warum sich viele Länder des Südens bei der Nutzung biologischer Ressourcen betrogen fühlen und was es zur wirksamen Umsetzung der Biodiversitätskonvention braucht.

Die von über 190 Staaten ratifizierte Konvention soll helfen, die für die Menschheit existentielle Biodiversität zu erhalten. Das Abkommen fordert „die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile“. Nicht nur bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt, sondern besonders bei der Umsetzung „der gerechten Aufteilung der Vorteile“ hapert es jedoch gewaltig. Noch immer schlagen Unternehmen aus Industrieländern gewaltigen Profit aus der biologischen Vielfalt von Entwicklungs- und Schwellenländern, ohne diese jedoch am Nutzen zu beteiligen. Diese Biopiraterie wird von den Betroffenen nicht mehr toleriert. Deshalb soll an der nächsten Vertragsparteienkonferenz Ende Oktober 2010 ein Protokoll verabschiedet werden, das Biopiraterie wirksam verhindert.

Auf der Website der Erklärung von Bern (EvB) finden sie Beispiele von Biopiraterie. Ein bekanntes Beispiel ist das Erkältungsmitel „Umckaolabo“, desen Basis Pelargonium ist. Mit dieser Arznei erwirtschaftet die Firma Schwabe seit Jahren Gewinne, ohne diese gemäss UN-Biodiversitätskonvention mit der lokalen Gemeinschaft in Südafrika zu teilen. Die Erklärung von Bern erhob beim Europäischen Patentamt Einspruch gegen das Pelargonium-Patent der Firma Schwabe, welches der Biodiversitätskonvention widerspricht. Kürzlich hat das Europäische Patentamt nachgegeben und das Patent der Firma Schwabe widerrufen, ein grosser Erfolg im Kampf gegen Biopiraterie und insbesondere ein Erfolg für die lokale Gemeinschaft in Südafrika. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten des EvB-Einspruchs war die fehlende Erfindungshöhe. Die deutsche Pharmafirma Schwabe hatte ein Patent auf die Wirkstoffextraktion aus der Pelargoniumwurzel für die Herstellung des Bronchitismittels Umckaloabo angemeldet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Erfindung Schwabes, sondern um ein bekanntes Verfahren, das schon in einschlägigen Handbüchern beschrieben wurde. „Das Patent hätte nie erteilt werden dürfen“, sagt François Meienberg von der Erklärung von Bern. Werden genetische Ressourcen ohne Zustimmung des Geberlandes genutzt und wird der Nutzen nicht mit ihm geteilt, sollen die Ressourcen weder patentiert noch kommerzialisiert werden können. Dies fordern Entwicklungsländer im Rahmen der WTO und der Biodiversitätskonvention.

Erklärung von Bern
Was ist Biopiraterie?
Europäisches Patentamt widerruft Biopiraterie-Patent
Dokumentation „Wir Biopiraten“ von EvB und Pro Natura

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