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Das Wattenmeer, eines der bedrohten Weltkulturerben.

Jedes dritte Weltnaturerbe gefährdet

  • Judith Schärer
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Rund ein Drittel aller Unesco-Weltnaturerben sind von Bergbau und der Förderung fossiler Energieträger bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des WWF, welche die wirtschaftlichen Aktivitäten in und um die weltweit insgesamt 229 Weltnaturerbestätten untersucht.

70 von 229 Unesco-Weltnaturerben seien akut in Gefahr, da entweder bereits Bergbauaktivitäten sowie Öl- und Gasförderung stattfänden oder aber entsprechende Konzessionen vergeben worden seien, wie der WWF berichtet. Besonders dramatisch sei die Situation in Afrika, wo mehr als 60 Prozent aller Welterbestätten bedroht seien. In Lateinamerika und Asien liege der Anteil mit 31 und 34 Prozent in etwa im globalen Durchschnitt. Weltnaturerben sind Orte von herausragender Bedeutung für den Naturschutz wie zum Beispiel der Grand Canyon, das Great Barrier Reef oder das Selous-Reservat in Tansania. Der WWF drängt Unternehmen, auf Aktivitäten wie Bergbau oder Ölförderung in und um Weltnaturerben grundsätzlich zu verzichten. „Die Profitgier der Industrie macht auch vor den schönsten Naturparadiesen nicht Halt. Öffentlichkeit und Politik müssen diesen Plänen einen klaren Riegel vorschieben“, fordert Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. Alle Weltnaturerbestätten zusammen umfassen weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, sind aber Lebensraum für viele der seltensten Tierarten, wie zum Beispiel Berggorillas, Schneeleoparden oder Meeresschildkröten.

In Europa und Nordamerika muss laut WWF jedes zehnte Weltnaturerbe als gefährdet gelten, darunter mit dem Wattenmeer auch ein deutsches. Hier kritisieren die Umweltschützer die Ölförderung und den damit zusammenhängenden Bau einer Öl-Insel und Pipelines. Seismische Untersuchungen hätten das sensible ökologische Gleichgewicht gestört. Sollte die Förderung ausgeweitet werden, wie vom Unternehmen Dea anvisiert, drohten weitere Explorationsbohrungen und damit massive Lärmbelästigungen für die Tierwelt. Nicht zuletzt schwebe über dem Gebiet stets das Damoklesschwert eines Unfalls mit anschließender Ölkatastrophe. „Das Beispiel Wattenmeer zeigt, dass Weltnaturerben auch in Deutschland nicht sicher sind. Es ist auch Aufgabe der Politik, für klare Verhältnisse zu sorgen. Sämtliche Aktivitäten, die Welterben und Naturschutzgebiete gefährden, müssen unterbunden werden.“

1 Kommentar

  • Einar Sagtwas

    Viele arme Länder leisten Ungeheuerliches beim Schutz ihrer Natur, doch fehlt es ihnen an finanziellen Mitteln diesen auch wirksam umzusetzen. Die reichen europäischen Länder müssten mehr unternehmen, damit die letzten intakten Ökosysteme der Welt erhalten werden können. Sie sollten uns auch aus eigenem Interesse am Herzen liegen. Stattdessen beuten einige unserer grössten Firmen die Ressourcen dieser Länder schamlos aus. Anstatt die Firmen in ihre Schranken zu weisen gewähren wir ihnen Steuervergünstigungen. Diese Steuervergünstigungen bedeuten für den Staat weniger Einnahmen, was wiederum zu Sparpaketen führt. Solche Sparpakete sorgen dafür, dass alle paar Jahre an der Bildung und im Sozialwesen gespart wird. Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher. Weshalb sind die verantwortlichen Parteien trotz verfehlter Steuerpolitik am Ruder? Weil sie (1) von den entsprechenden Firmen mitfinanziert werden und (2) es verstehen die abstrakten Ängste des Volkes geschickt zu nutzen. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Volkes auf einen Feind an der Grenze (Migranten) während sie den Staat mit ihrem Treiben zugrunde richten. Es ist immer praktisch mit dem Finger auf irgendeine Minderheit zeigen zu können. Besonders traurig, dass diese Menschen oftmals zu uns kommen, weil unsere Firmen in ihren Ländern Raubbau betreiben. Deshalb…

    … sollten die Parteien offen legen müssen, wer ihren Wahlkampf sponsert.
    … sollten wir von der Politik verlangen, dass sie verbindliche Regeln für die Grosskonzerne aufstellt. (http://konzern-initiative.ch/)
    … sollten wir Parteien, welche an der Leine von Grosskonzernen gehen, nicht wählen.
    … uns beim Einkauf fragen wie die Ware, welche sich in unserem Korb befinden, hergestellt wurde.

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