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Jeder neunte Mensch leidet Hunger

  • Judith Schärer
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Der Welternährungstag am Freitag, 16. Oktober 2015 ruft ins Gedächtnis, dass nach wie vor jeder neunte Mensch Hunger leiden muss. Längst ist bekannt, dass Fleischkonsum und Welthunger in engem Zusammenhang stehen. Auch andere Faktoren führen dazu, dass weltweit immer noch knapp 800 Millionen Menschen an Hunger leiden.

250 Steaks pro Jahr

Abwechslung – das ist es, was für den menschlichen Körper in Punkto Eiweisszufuhr das Beste wäre. So wird von Experten empfohlen, täglich eine Portion Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan, Käse oder Quark zu essen. Viele Personen nehmen es mit der Abwechslung jedoch nicht so genau und setzen vor allem auf den beliebtesten aller Proteinlieferanten: Fleisch. Daraus resultierte in der Schweiz 2014 ein Pro-Kopf-Konsum von über 50 Kilogramm Fleisch. Das entspricht rund 250 Steaks, welche ein durchschnittlicher Schweizer pro Jahr verzehrt. „Was wir essen, hat grosse Auswirkungen – auf das Tierwohl, unsere Umwelt und, nicht zuletzt, auf uns selbst“, erklärt Julie Stillhart, Landeschefin VIER PFOTEN Schweiz. Auch wenn immer mehr Menschen auf vegane oder vegetarische Ernährung umsteigen, nimmt der weltweite Fleischkonsum weiter zu: Über 60 Milliarden Tiere werden jährlich geschlachtet und verzehrt. Prognosen lassen befürchten, dass sich der weltweite Fleischkonsum in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Dass auch in Entwicklungsländern immer mehr Fleisch konsumiert wird, verstärkt den Trend zu Massentierhaltung noch weiter.

Fischbestand auf die Hälfte geschrumpft

Auch der Konsum von Fisch wird immer mehr zum Problem. Der WWF warnt im Zuge des Welternährungstages vor den Auswirkungen überfischter Meere auf Mensch und Natur. „Wir essen die Meere leer. Der weltweite pro Kopf Fischkonsum hat sich seit 1960 verdoppelt, gleichzeitig sind die globalen Populationen von bewirtschaften Fischarten auf die Hälfte geschrumpft“, warnt Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF. Der WWF  unterstreicht, dass Verbraucher in Deutschland und Europa mit ihrer Fischwahl einen großen Unterschied machen können.

„In Zeiten steigender Weltbevölkerung und einer global wachsenden Mittelschicht und ihrer Fisch-Nachfrage ist der nachhaltige Konsum von Meeresprodukten unumgänglich. Nur bewusste Kaufentscheidungen sichern Fisch als Nahrungsmittel, Einkommensquelle und Wirtschaftsfaktor für die Zukunft.“

Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF

Das Problem bei der Wurzel packen

Zu den Schwierigkeiten, welche aus Fleisch- und Fischkonsum entstehen, gesellen sich Probleme wie beispielsweise die Herstellung von Treibstoff aus potentiellen Nahrungsmittel, die ungleiche Verteilung der Ressourcen weltweit, die Spekulation auf dem Weltmarkt, die industrielle Herstellung von Lebensmitteln und die monopolistische Herrschaft darüber.

Eine Studie von Caritas Internationalis macht drei wesentliche Faktoren für den Welthunger und den Mangel an Nahrungsmitteln verantwortlich: Das sind 1.) der Mangel an Ressourcen, wie Saatgut, Boden, Märkte und Kredite 2.) die geringe Produktivität der Kleinbauern und 3.) die Auswirkungen des Klimawandels. Der beste Weg, um den Hunger zu beenden, liegt für Caritas in der Unterstützung von Kleinbauern weltweit. Denn diese produzieren in den Entwicklungsländern bis zu 70 Prozent der Nahrungsmittel. Mit einem besseren Zugang zu Saatgut, Boden, Krediten, Infrastrukturen und Werkzeugen könnten die Kleinbauern mehr produzieren, ihre Überschüsse verkaufen, ein Einkommen und zudem Nahrungsmittel für einen Grossteil der Bevölkerung erwirtschaften.

Trotz den scheinbar düsteren Umständen soll der Welternährungstag auch auf bereits erzielte Erfolge im Kampf gegen den Hunger aufmerksam zu machen – und darauf, wie jeder dazu beitragen kann, sie zu vermehren! Dabei gilt: Der erste Schritt im Kampf gegen den Hunger ist Wissen. Verschaffen Sie sich zuerst ein Verständnis für die Zusammenhänge rund um den Welthunger. Dies ermöglicht Ihnen beispielsweise das informative Video weiter unten. Informieren Sie sich dann beispielsweise auf der Seite des World Food Programmes, was Sie persönlich unternehmen können.

Die Zahl der Hungernden sank in den letzten 10 Jahren um rund 100 Millionen Menschen. Helfen Sie mit, damit wir zum nächsten Welternährungstag wieder zahlreiche Erfolgsgeschichten schreiben können.

 

 

 

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