Jeder dritte gefangene Fisch geht zur Sau

  • Nora Kieselbach
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Zum heutigen Welttag der Meere informiert der SAVE Wildlife Conservation Fund, dass rund 80 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte jährlich in den Weltmeeren gefangen werden. Und das, obwohl die Bestände kurz vor dem Kollaps stehen: Rund 80 Prozent sind überfischt bzw. bis an die Grenzen befischt; bei den grossen Raubfischen wie Thunfisch sind es sogar 90 Prozent. Und trotzdem endet jeder dritte wild gefangene Fisch nicht einmal beim Menschen auf dem Teller, sondern wird als Fischmehl oder Futteröl an Schweine, Hühner oder in Aquakulturen verfüttert.

Diese Verschwendung kritisiert der SAVE Wildlife Conservation Fund, der sich für das Überleben des Ökosystems Meer einsetzt. Dass Fisch aus Aquakulturen nachhaltig und Ressourcen schonend sein soll, ist somit ein Mythos. Für ein Kilogramm gezüchteten Lachs beispielsweise müssen bis zu fünf Kilogramm wild gefangener Fisch als Fischmehl verfüttert werden; bei der Thunfischzucht sind es sogar 20 Kilogramm pro Kilogramm Thunfisch. Der Fisch, der eigentlich vor allem in Entwicklungsländern eine wichtige Proteinquelle darstellt, wird dadurch enorm verschwendet.

All das geht einher mit einer massiven Umweltzerstörung: Die Lachsindustrie im Süden Chiles hat ganze Küstenstriche samt ihrer Gewässer zerstört, da Medikamente gegen Fischparasiten und Antibiotika, die in der Marikultur (Fischzucht in Käfigen im Meer) verwendet werden, ungefiltert ins Meer fliessen. Für die Garnelenfarmen in Ecuador wurden Mangrovenwälder abgeholzt. Antibiotika verseuchte Gewässer, zerstörte Landstriche, Verlust einzigartiger Ökosysteme – das ist die (negative) Bilanz der Aquakultur.

Auch in der Nutztierhaltung wird Fischmehl und Fischöl als Futtermittel verwendet. Doch hier kommt zum ökologischen Aspekt noch ein gesundheitlicher hinzu: Fleisch und Eier von Tieren, die mit Fischmehl gefüttert wurden, ist häufig mit Dioxin und Methylquecksilber belastet.

SAVE weist daher noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass weder die Fischzucht in Aquakulturen der richtige Weg ist, die Überfischung zu stoppen, noch die Entscheidung, Fleisch statt Fisch zu essen. Wer wirklich einen effektiven Beitrag zum Schutz der Meere leisten will, sollte eine Zeitlang sowohl auf Fisch, als auch auf Fleisch verzichten – zumindest so lange, bis sich die Bestände erholt haben und das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt wurde. Gleichzeitig, so SAVE, ist die Rückkehr zu traditionellen, fischschonenden Methoden unverzichtbar. Das heisst vor allem: weg von kilometerlangen Schleppnetzen, die auch unzählige Tiere wie Delfine und Schildkröten das Leben kosten!

SAVE Wildlife Conservation Fund

Bild: NOAA Photo Library (Wikimedia Commons)

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