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Mahd im Untersuchungsgebiet in Thüringen (D). Die Menge und Qualität des Aufwuchses sind wichtige Kenngrössen für die Grünlandnutzung. Darüber hinaus ist die Diversität der Pflanzen eines Grünlandbestandes wichtiger Prädiktor für viele Ökosystem-Dienstleistungen. | © WWU/Valentin Klaus

Je grösser die Artenvielfalt, desto besser für den Menschen

  • Amanda Buol
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Je mehr es wimmelt, kreucht und fleucht, desto besser ist es für den Menschen. Dieser profitiert von den vielfältigen, kostenlos erbrachten Dienstleistungen der Natur. Das ist das Ergebnis einer Studie von über 300 Forschenden, unter anderem des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit zum Erhalt artenreicher Ökosysteme zum Wohl des Menschen. 

Ein artenreiches Ökosystem bringt nicht nur ästhetische Werte, sondern liefert auch kostenlose, handfest Dienstleistungen für den Menschen, schreibt die Universität Bern in ihrer Mitteilung. Dazu zählen unterstützende Leistungen, wie beispielsweise Bodenbildung, Lebensmittelproduktion oder Schädlingsbekämpfung um nur einige zu nennen. Dieses komplexe Ökosystem setzt sich aus verschiedenen sogenannten trophischen Gruppen, respektive Gliedern, in der Nahrungskette zusammen.

Ein 300-köpfiges internationales Forscherteam um Dr. Santiago Soliveres von der Universität Bern hat erstmals alle Gruppen entlang einer Nahrungskette in einer natürlichen Graslandschaft auf ihre Bedeutsamkeit untersucht. Sie sammelten dazu Daten von insgesamt 4’600 Tier- und Pflanzenarten aus neun Gruppen der Nahrungskette, darunter auch vernachlässigte Arten, wie Mikroorganismen. Die Daten wurden auf 150 Grünlandflächen quer durch Deutschland für vierzehn Ökosystemdienstleistungen erhoben.

Jede Dienstleistung sei von mindestens drei Gruppen abhängig. Je vielfältiger die Arten innerhalb der Gruppe sei, desto zuverlässiger werde die Ökosystemdienstleistung erbracht, erklärt Soliveres, Erstautor der Studie, welche im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde.

Das bedeutet, dass die Artenvielfalt in mindestens drei der untersuchten Gruppen der Nahrungskette sichergestellt werden müssten. Es sind aber nicht immer die gleichen drei Gruppen, die massgeblich sind, sagt Dr. Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Deshalb müsse der Artenreichtum in allen Gruppen der Nahrungskette erhalten bleiben, damit das Ökosystem zuverlässig funktioniere. Auch die vermeintlichen Schädlingen und unscheinbaren Dienstleister sind wichtig. Bisher wurde die Bedeutung biologischer Vielfalt über alle Gruppen einer Nahrungskette hinweg unterschätzt. Es besteht deshalb Handlungsbedarf zum Schutz des Ökosystems.

Häufig wird der Boden gedüngt, um die Bodenfruchtbarkeit und damit das Wachstum von Pflanzen zu erhöhen. Kurzfristig hilft Dünger zwar, wenn dabei aber die Artenvielfalt verringert wird, überwiegen die Nachteile. Eine hohe Artenvielfalt entlang der gesamten Nahrungskette zu erhalten, ist langfristig gesehen daher preiswerter und sinnvoller, als sie zu zerstören.

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