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Jahr 2100: Eiche top, Fichte Flop

  • Nora Kieselbach
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Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Marc Hanewinkel von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL erwartet, dass sich bis ins Jahr 2100 der wirtschaftliche Wert der europäischen Waldflächen aufgrund des Klimawandels um schätzungsweise 14 bis 50 Prozent vermindern wird. Mögliche Einbussen dürften mehrere hundert Milliarden Euro betragen, falls keine wirksamen Gegenmassnahmen ergriffen würden, informiert die WSL. Der Hauptgrund hierfür: die bis dato wirtschaftlich wichtigste Baumart Fichte wird immer mehr von der trockenheitstoleranteren Eiche verdrängt werden.

Selbst bei einem gemässigten Klimaszenario werden die erwarteten Veränderungen von Temperatur und Niederschlag die Verbreitung der meisten Baumarten stark beeinflussen. An Kälte und mässig feuchte Böden angepasste Baumarten wie die Fichte, die heute einen grossen Teil des wirtschaftlichen Werts der Wälder in Europa ausmacht, werden ihre grossflächige Verbreitung langfristig verkleinern, wobei sie sich vor allem nach Nordeuropa und in die höheren Lagen der Alpen zurückziehen und somit einen Grossteil ihrer aktuellen Verbreitung in Zentral-, Ost- und Westeuropa verlieren werden. Anderseits werden langsam wachsende, an Trockenheit angepasste Eichenarten (z.B. die Kork- und die Steineiche) vom Klimawandel profitieren und sich stark in Richtung Norden ausbreiten. Selbst bei einem gemässigten Klimaszenario dürften mediterrane Eichenarten künftig auf mehr als 32 Prozent aller waldfähigen Standorte Europas (ohne Russland) geeignete Wachstumsbedingungen vorfinden (momentaner Wert: 11 Prozent).

Europa droht aufgrund des Klimawandels jedoch nicht nur ein geringerer wirtschaftlicher Wert seiner Wälder, da die bis ins Jahr 2100 vorherrschenden mediterranen Eichenwälder der Holzindustrie kleinere Erträge einbringen; die langsam wachsenden Eichenwälder vermögen einen weiter fortschreitenden Temperaturanstieg auch weniger stark zu mindern, als die heutigen, produktiveren Fichtenwälder, da sie weniger Kohlenstoff binden können. Die Forscher empfehlen daher dringend, die aktuelle Waldbewirtschaftung dem fortschreitenden Klimawandel anzupassen. Doch auch ein vermehrter Anbau oder die Einführung aussereuropäischer Baumarten wie der Douglasie, der im Mittelmeerraum heimischen Atlas-Zeder sowie verschiedener Kiefern- und Eukalyptusarten muss in Betracht gezogen werden – auch in der Schweiz (naturschutz.ch berichtete).

Denn auch im Schweizerischen Mittelland und in den Voralpen ist damit zu rechnen, dass die Buche sowie Eichenarten aus Mittel- und Südeuropa die Fichte als produktive Holzart verdrängen werden. Diese wird zusammen mit der Weisstanne nur noch in den Hochlagen der Alpen eine grössere wirtschaftliche Bedeutung haben. Der Baumartenwechsel dürfte die Holzindustrie beeinträchtigen, die seit Jahrzehnten stark von der Fichte und der Weisstanne abhängig ist. Die Waldeigentümer in der Schweiz müssen damit rechnen, Einkommenseinbussen zu erleiden, sofern keine wirksamen Massnahmen gegen die Verdrängung der Fichte ergriffen werden.

Weitere Informationen

Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Bild: Simon Koopmann [CC-BY-SA-2.0-de] via Wikimedia Commons

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