Jagdverordnung: Tierschutz zu wenig beachtet

  • Dominique Haiden
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wolf geheul mondViele Tier- und Naturschutzorganisationen sind enttäuscht über die revidierte Jagdverordnung (naturschutz.ch berichtete). Der Schweizer Tierschutz STS kritisiert, dass die Anliegen des Tierschutzes, trotz mehrfacher Gespräche mit dem Bundesrat und dem BAFU, nicht berücksichtigt wurden und fordert Nachbesserungen. Auch die Gruppe Wolf Schweiz GWS setzt sich mit zwei Stellungnahmen zur Jagdverordnung und der Agrarpolitik 2014-2017 dafür ein, dass der Schutz der Grossraubtiere in der Schweiz nicht gelockert und die Voraussetzungen für den Herdenschutz verbessert werden.

Mit seinem Entwurf für eine „Revision der eidgenössischen Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Tiere“ (JSV) hat es der Bundesrat verpasst, ein fortschrittliches und tierschutzkonformes Jagdgesetz zu schaffen. Obwohl der Schweizer Tierschutz STS mehrfach Gespräche mit dem Bundesrat und dem Bundesamt für Umwelt geführt hat, blieben die Anliegen des Tierschutzes in der Vorlage weitgehend unberücksichtigt.

Der Bundesrat hat es versäumt, einen Tierschutzartikel in die JSV aufzunehmen. Statt schonendere Jagdformen zu fördern, will er die tierquälerische Baujagd weiterhin erlauben. Ausserdem sind bestimmte Tierarten weiterhin ganzjährig zur Jagd freigeben. Die Bejagung selbst während der Fortpflanzungszeiten ist aber mit tierschützerischen Prinzipien nicht vereinbar. Laut Bundesrat soll es auch legal bleiben, Tiere zu züchten, um sie zur Bejagung auszusetzen. Eine künstliche Aufstockung von Beständen, nur um die Tiere anschliessend bejagen zu können, ist aus tierschützerischer Sicht vollkommen absurd.

Am meisten Grund zur Skepsis an der revidierten Jagdverordnung liefert aber die neue Bestimmung, die es den Kantonen erlauben soll, streng geschützte Tiere, wie z.B. den Wolf, abschiessen zu können. Mit dieser Regelung werden kantonale Finanzinteressen über den Schutz bedrohter Tierarten gestellt. Eine derartige Güterabwägung ist komplett verfehlt und wird von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung nicht geteilt. Diese versteht die Jagd nicht als Einnahmequelle der Kantone, sondern als Regulierung und Schutzmassnahme für die Wildtiere selber.

Die Gruppe Wolf Schweiz hat sich schon im Vorfeld mit einer von 25’000 Personen unterzeichneten Petition (naturschutz.ch berichtete) dafür eingesetzt, dass der Schutz des Wolfes in der Schweiz nicht gelockert werden darf. Die GWS spricht sich jetzt in einer Stellungnahme erneut entschieden gegen die in der Revision der Jagdverordnung vorgesehene „Regulation“ des Wolfes aus. In einer weiteren Stellungnahme zur Agrarpolitik 2014-2017 fordert die GWS ausserdem, dass die Sömmerungsbeträge in Zukunft nur noch an Umtriebsweiden und ständige Behirtungen bezahlt werden, nicht mehr an Standweiden mit freiem Weidegang. Damit soll die Schafalpung ökologisiert und die Voraussetzungen für den Herdenschutz verbessert werden.

Bleibt zu hoffen, dass diese Forderungen beim Bundesrat Gehör finden und dem Tierschutz auf der Jagd endlich der gebührenden Stellenwert zukommt.

Weitere Informationen (Schweizer Tierschutz STS)

Stellungnahmen Gruppe Wolf Schweiz GWS

2 Kommentare

  • Antonietta

    Jahr für Jahr ballern Jäger in Deutschland über 5 Millionen Wildtiere tot. Für das einzelne Tier ist dies meist mit furchtbaren Qualen verbunden, die im Grunde gegen das Tierschutzgesetz verstoßen – von dem die Jäger bezeichnender Weise ausgenommen sind – und die durch nichts zu rechtfertigen sind. Denn die Jagd ist aus ökologischer und biologischer Sicht nicht notwendig, ganz im Gegenteil:
    Jagd schädigt mehrfach das ökologische Gleichgewicht.

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  • Sonja Wilson

    Von welcher Regulation reden die? Wegen den paar Wölfen kann ja wohl absolut nicht von einer Regulation gesprochen werden!!

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