Luchs mit einer gerissenen Gämse. ©KORA
Luchs mit einer gerissenen Gämse. ©KORA

Jagd und Luchs haben limitierenden Einfluss auf Gämsbestände

  • Ennia Bosshard
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Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Jagd und der Luchs zwei wichtige Einflussfaktoren sind, welche die Gämsbestände limitieren können. Im Schnitt hatte die Jagd einen grösseren Einfluss auf die Gämsbestände als der Luchs. Ebenso wichtig waren jedoch die Wetterbedingungen, die Lebensraumqualität und die Anwesenheit des Rothirschs.

Die Abschusszahlen der Gämsenjagd, welche oft als Richtwert für die Bestandsentwicklung herangezogen werden, nehmen in der Schweiz seit den 1990er Jahren ab. Die Jagdverbände machen sich Sorgen um die Zukunft der Gämsbestände und fordern eine Regulation des Luchses. Um die Populationsdynamik der Gämsen besser zu erforschen, untersuchte die Stiftung KORA den langfristigen Einfluss von Luchsprädation, Jagd und anderen Faktoren auf die Gämsbestände. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht fasst KORA die Resultate des 2015 gestarteten Projektes zusammen.

Für die Studie wurden zehn Luchse im Berner Oberland mit GPS Senderhalsbändern versehen um den Einfluss des Luchses auf die Gämse zu untersuchen. 41% der gefundenen Beutetiere dieser Luchse waren Gämsen, 36% Rehe und 21% mittelgrosse Säugetiere. Nutztiere wurden kaum gerissen (weniger als 1%). Bei den Gämsen waren es vor allem Kitze, Jährlinge und alte Gämsen, nur ein Drittel der erbeuteten Tiere waren erwachsene Tiere. Die Resultate des Projektes zeigen, dass die Überlebenschancen von Kitzen im Studiengebiet nicht gross von anderen Gebieten ohne Luchs abwichen. Wahrscheinlich hätte ein erheblicher Teil der erbeuteten Jungtiere im Studiengebiet auch ohne Luchs nicht überlebt, zum Beispiel aufgrund eines besonders harten Winters. Der Luchs hat also einen teilweise kompensatorischen Einfluss.

Anders sieht es bei der Jagd aus. Obwohl die JägerInnen in den untersuchten Gebieten ähnlich viele Gämsen erlegten wie der Luchs, so unterschied sich der Einfluss der Jagd auf die Sterblichkeit der Gämsen doch erheblich. Denn die JägerInnen erlegten vor allem erwachsene Gämsen (≥ 2 Jahre), deren Überlebenschancen natürlicherweise hoch sind – im Gegensatz zu den Überlebenschancen der Kitze, Jährlinge und alten Gämsen, die der Luchs hauptsächlich jagt. Der Einfluss der Jagd wirkt für die Gämsbestände also stärker additiv zu anderen Todesursachen als die Luchsprädation.

Auch die retrospektiven Analysen der Gämsbestände im Berner Oberland (1960 – 1994) zeigen, dass die Jagd und der Luchs einen limitierenden Einfluss auf die Bestände haben. Doch auch grosse Schneemengen, die Lebensraumqualität und das Auftreten des Rothirschs sind wichtige Faktoren, welche die Gämsbestände beeinflussen.

Link zum vollständigen KORA Bericht

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