Wilderer stellen jedes Jahr rund um das Mittelmeer tausende von illegalen Netzen auf, um damit Zugvögel wie diesen Pirol zu fangen. | © RSPB/BirdLife
Wilderer stellen jedes Jahr rund um das Mittelmeer tausende von illegalen Netzen auf, um damit Zugvögel wie diesen Pirol zu fangen. | © RSPB/BirdLife

Jährlich werden 25 Millionen Vögel illegal getötet

  • Judith Schärer
  • 5

Im Mittelmeerraum werden jedes Jahr 25 Millionen Vögel illegal getötet. Die gewilderten Vögel werden verspiesen, gehandelt oder als Sporttrophäe geschossen. 

Sie werden abgeschossen oder mit Netzen oder Leimruten gefangen: Rund 25 Millionen Zugvögel werden jedes Jahr in den Ländern rund um das Mittelmeer illegal getötet. Das zeigt der erste umfassende Bericht zu diesem Thema, der nun von BirdLife International veröffentlicht worden ist.

Rotkehlchen, das an einer Leimrute qualvoll verendet. | © RSPB/BirdLife
Rotkehlchen, das an einer Leimrute qualvoll verendet.        © RSPB/BirdLife

Gefährliche Heimat für Vögel

Am gefährlichsten leben die Zugvögel in Ägypten: Allein in diesem Land werden pro Jahr rund 5,7 Millionen Vögel getötet. An der unrühmlichen zweiten Stelle steht unser Nachbarland Italien und dies, obwohl dort die strengen EU-Vogelschutzgesetze gelten würden. Der BirdLife-Report listet aber nicht nur die absolute Zahl getöteter Vögel pro Land auf, sondern er zeigt auch auf, wie viele Vögel pro Einwohner sowie pro Quadratkilometer gejagt werden. Bezogen auf die Einwohner ist Zypern der absolute „Spitzenreiter“, bei den Vögeln pro Quadratkilometer liegt hingegen Malta ganz vorne.

Die Gründe für die Wilderei sind vielfältig. Die meisten der Vögel werden als Nahrungsquelle genutzt. Viele müssen aber auch einfach ihr Leben lassen, weil die illegale Jagd als „Sport“ oder „Hobby“ ausgeführt wird. An dritter Stelle steht der Handel mit Ziervögeln.

Welche Vogelarten sind betroffen?

Am meisten von der illegalen Jagd betroffen sind gemäss der BirdLife-Studie Buchfinken (2,9, Millionen pro Jahr), Mönchsgrasmücken (1,8 Mio.), Wachteln (1,6 Mio.) und Singdrosseln (1,2 Mio.). Bei den Tauben fallen jährlich rund 700’000 Vögel zum Opfer, bei den Greifvögeln 100’000 und bei den Wasservögeln 1 Million. Nicht verwunderlich also, dass die Wilderei auch auf die europaweiten Bestände einen Einfluss hat. Rund 40 Zugvogelarten, die in Europa einst weit verbreitet waren, nahmen in den letzten Jahrzehnten ab. Meistens sind vermutlich die Lebensraumveränderungen im Brutgebiet der Hauptgrund – die illegale Jagd kann aber ein Mitgrund für diese negative Bilanz sein. Ein Beispiel ist die Turteltaube: Ihr europäischer Bestand sank in den letzten 15 Jahren um 30 Prozent – in einigen Ländern sogar um 90 Prozent. Trotzdem werden noch immer über eine Million Turteltauben pro Jahr abgeschossen. Besonders kritisch ist die Jagd insbesondere bei langlebigen Arten wie den Greifvögeln und bei europaweit gefährdeten Arten.

Kampf gegen Wilderei

Die BirdLife-Partner sind seit Jahrzehnten aktiv im Kampf gegen die Wilderer, so etwa in Malta, Zypern, Italien und Frankreich. Diese Arbeit ist jedoch oft schwierig und zermürbend. Zum einen setzt in der Gesellschaft der betroffenen Länder erst allmählich ein Umdenken ein, zum anderen werden die illegalen Machenschaften von der Polizei oft nicht konsequent genug geahndet. Auch berichten BirdLife-Aktivisten Maltas und Zyperns immer wieder von tätlichen Angriffen von Seiten der Wilderer.

Auch in der Schweiz ein Thema

Auch von Schweizer Seite wird die Arbeit der BirdLife-Partner in den Mittelmeerländern regelmässig finanziell unterstützt, wie SVS/BirdLife Schweiz erklärt. Gleichzeitig kämpft er gegen die Wilderer im eigenen Land. So werden auch in der Schweiz seit mindestens zehn Jahren Wanderfalken vergiftet, was für deren kleine Bestände verheerend ist (siehe auch Berichte vom Februar 2015 und März 2015). Weiter hat der SVS/BirdLife Schweiz erreicht, dass das Bundesgericht den Kantonen die Abschüsse geschützter Arten ohne ausreichende Begründung verbot.

5 Kommentare

  • Ferdi Projer

    http://www.komitee.de diese Web-Seite zeigt weitere Infos.
    Solche Organisationen unterstützen oder mitmachen, statt in Ländern Ferien machen die mit der Natur so umgehen.

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  • Sonja Portenier

    Kann denn von politischer Seite nichts dagegen unternommen werden? Es kann doch nicht sein das in Nordeuropa alles daran gesetzt wird um gefährdeten Arten zu helfen, neue Lebensräume zu schaffen etc. um sie dann in südlichen Ländern wieder zu vernichten.
    Über Facebook lese ich immer wieder von den Erfolgen vom „Komitee gegen den Vogelmord e.V.“ aus Bonn, sie haben es schon oft geschafft die örtliche Polizei dieser Länder zu etwas mehr Einsatzfreudigkeit zu bewegen, immer wieder können sie über kleine Erfolge berichten. Tut sich denn da auch aus Schweizer Seite etwas?

    Es macht mich so wütend!

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    • Judith Schärer

      Die Vorstellung, dass die Anstrengungen zum Schutz von gefährdeten Arten so einfach wieder zunichte gemacht werden, ist tatsächlich traurig und etwas deprimierend… Es wird aber aktiv etwas unternommen, um dem entgegenzuwirken. Die BirdLife-Partner in den verschiedenen Ländern sind sehr aktiv gegen die illegale Jagd, besonders in Zypern, Malta und Frankreich. Genauere Infos findet man auf deren Webseiten. Der SVS/BirdLife Schweiz unterstützt die Aktivitäten regelmässig finanziell. Man kann also durchaus etwas tun und sich gegen diese Massentötung engagieren!

  • roswitha hächler

    Das ist einfach unsäglich und muss endlich gestoppt werden!
    Wie wärs, diese Länder touristisch total zu boykottieren ?

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    • Judith Schärer

      Ja, die Zahl ist wirklich unglaublich! Vielleicht wäre es tatsächlich eine Möglichkeit, die Feriendestination ganz bewusst zu wählen und somit ein Zeichen zu setzen. Oder wenn man nicht auf den Lieblings-Ferienort verzichten möchte, könnte man die Schutzprojekte vor Ort zu unterstützen, damit etwas dagegen unternommen werden kann.


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