© raincarnation40 [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
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Ist neu angeordneter Wolfsabschuss rechtmässig?

  • Judith Schärer
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Nach der Anordnung zum Abschuss eines Wolfes im Gebiet Vallon de Rechy und Val d’Anniviers Mitte August folgt nun ein weiterer Schlag gegen den Wolf. Auch ein Tier, das im Turtmanntal umherstreift, soll geschossen werden dürfen. Umweltorganisationen hinterfragen die Rechtmässigkeit des Entscheides.

Bereits Mitte August ordnete Staatsrat Jacques Melly den Abschuss eines Wolfes an (siehe früheren Artikel). Nun wurde erneut eine solche Anordnung erlassen, wie der Kanton Wallis berichtet. Das Tier habe zwischen dem 25. Juni und 25. August 2015 auf den Alpen im Turtmanntal und der Augstbord-Region 44 Schaffe gerissen. Der Bewilligungsentscheid stützt sich auf das Jagdgesetz und die Jagdverordnung des Bundes. Gemäss der seit 15. Juli 2015 rechtskräftigen Revision der Jagdverordnung (JSV) darf ein einzelner Wolf abgeschossen werden, wenn er in seinem Streifgebiet mindestens 15 Schafe getötet hat, nachdem im Vorjahr bereits Schäden zu verzeichnen waren, wobei Schäden nur berücksichtigt werden dürfen, sofern zumutbare Schutzmassnahmen ergriffen worden sind.

Schutzmassnahmen erfüllt

Die für den Herdenschutz zuständige Dienststelle für Landwirtschaft kam in ihren Berichten vom 12., 21. und 26. August 2015 zum Schluss, dass die zumutbaren Massnahmen auf den schützbaren Alpen getroffen worden sind. Daher erachtete der Vorsteher des Departements für Verkehr, Bau und Umwelt die Voraussetzungen für den Abschuss des Wolfes gemäss den gesetzlichen Bestimmungen als erfüllt und ordnete diesen folglich auch an. Die Abschussbewilligung gilt für 60 Tage, und solange es auf den betroffenen Alpen noch Schafe hat (was gegenwärtig in Bürchen-Törbel und Oberems-Turtmanntal noch der Fall ist).

Rechtmässiger Entscheid?

Der WWF Schweiz und Pro Natura hinterfragen die Rechtmässigkeit dieses Entscheids. Dieses Jahr wurden erst nach Auftreten der ersten Risse auf einigen der betroffenen Alpen Sofortmassnahmen umgesetzt, welche aber in den meisten Fällen keinen funktionierendem Herdenschutz sicherstellen. Ausserdem sind nach wie vor mindestens zwei Wölfe, ein Männchen und ein Weibchen, in der Gegend präsent: Die Möglichkeit, dass sich in der Augstbordregion das zweite Wolfsrudel der Schweiz gebildet hat, ist hoch. Damit ist nicht der Kanton Wallis, sondern das BAFU für das Erteilen einer Abschussbewilligung zuständig.

„Dass schon wieder eine Abschussbewilligung für einen Wolf erteilt wurde, obwohl es im Wallis seit 20 Jahren Wölfe hat und in dieser Gegend seit 15 Jahren immer wieder Tiere auftauchen, ist schwer verständlich“, sagt Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtier-Experte beim WWF Schweiz. „Es genügt einfach nicht, einen Wolf nach dem anderen abzuschiessen und damit immer wieder eine Rudelbildung zu verhindern.“

Der WWF und Pro Natura werden die Wiederherstellung der aufschiebende Wirkung verlangen, damit die Unterlagen der Abschussverfügung geprüft werden können, bevor der Wolf tot ist. Wie die Gruppe Wolf Schweiz verlauten liess, wird auch sie sich mit allen Kräften gegen die Bewilligung zum Abschuss einsetzen, welche aus ihrer Sicht klar rechtswidrig ist.

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