© Jaap Joris [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Ist eine 2. Röhre am Gotthard wirklich nötig?

  • Amanda Buol
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Die Abstimmung für die zweite Gotthard-Röhre rückt immer näher. Nötig ist sie jedoch nicht, sagen die Gegner. Aus diesem Grund sind sich die Natur- und Umweltorganisationen einig und empfehlen ein klares Nein.  

Die Abstimmung für die zweite Gotthard-Röhre rückt immer näher. Am 28. Februar entscheidet das Volk über einen weiteren Tunnel durch den Gotthard hindurch. Ist er aber überhaupt nötig?

Die Befürworter argumentieren mit der Verkehrssicherheit, die durch den Bau einer zweiten Röhre und somit richtungsgetrennten Spuren entstehen würden. Auch die Wirtschaft werde durch den rollenden Transitverkehr gefördert. Ausserdem werde die zweite Röhre benötigt, wenn der bereits bestehende Tunnel saniert werde. Und man darf die Tessiner nicht vergessen, die so besseren Kontakt zu der nördlichen Schweiz pflegen können.

Die Gegner befürchten, dass der geplante einspurige Verkehr durch die beiden Röhren bald zweispurig sein werde. Dadurch verdoppelt sich die Zahl der Lastwagen in kurzer Zeit und somit die immer schlechter werdende Luft und die Zunahme des Lärms. Auch weisen sie auf die entstehenden Kapazitäten des Schienenverkehrs dank dem neuen Gotthard-Basistunnel hin. Die hohen Kosten für den Bau der zweiten Röhre ist ein weiteres Gegenargument und könnten vermieden werden.

Die Vorlage beruhe auf falschen Annahmen, wie die Gegner schreiben. Die Bundesbehörden gaben nämlich bekannt, dass der alte Gotthard-Tunnel mit kleine Unterhaltsarbeiten für weitere 20 Jahren problemlos befahren werden kann. Die Sanierung werde also als Vorwand benutzt um die Strassenkapazität am Gotthard verdoppeln zu können.

Laut Alpenschutzartikel darf die Kapazität des Transitverkehrs in der Alpenregion nicht erhöht werden. Dies wäre durch die einspurige Befahrung beider Tunnel gewährleistet. Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative und Co-Präsident des Vereins «Nein zur 2. Gotthardröhre», meint dazu: «Niemand glaubt ernsthaft, dass nur zwei von vier Spuren genutzt werden, wenn sie einmal gebaut sind.»

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Wie wahrscheinlich ist es, dass jeweils nur eine Spur benutzt wird?

Umfrage Gotthard 2. Röhre

Umfrage zum News-Artikel vom 20. Januar 2016

 

Der Preis einer weiteren Röhre am Gotthard ist enorm. Rund drei Milliarden Franken soll für den Bau aufgewendet werden. Die Kosten für eine Sanierung ohne zusätzliche Röhre wären wesentlich tiefer. Und die sonst schon knappen Finanzen wären in anderen Bereichen besser investiert. Beispielsweise in Stadtregionen, wo das Verkehrsaufkommen ähnlich der Gotthard-Region sei. Ausserdem wurden bereits Milliarden von Franken in die NEAT investiert um ebendiesen alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

Das Argument einer erhöhten Verkehrssicherheit durch eine zweite Röhre ziehe so nicht. Denn eine versenkbare Mittelleitplanke kann bereits die Sicherheit im bestehenden Tunnel erhöhen und das zu einem sehr geringen Preis, lautet eine der Gotthardfakten der Alpen-Initiative.

Damit das Tessin näher an die Nordschweiz rücken kann, müssten die Einwohner mit einem hohen Preis bezahlen. Die bereits hohe Luftverschmutzung würde weiter zunehmen. Mit der Zunahme der Luftbelastung nähmen auch die Lungenerkrankungen zu. Zusätzlich wird die Lebensqualität der Bewohner entlang der Gotthard-Strecke durch Lärmbelastung eingeschränkt.

Lässt sich eine zweite Röhre und das somit höhere Verkehrsaufkommen überhaupt mit den Zielen der Klimakonferenz in Paris letzten Dezember 2015 vereinbaren? Wohl eher nicht. Thomas Vellacott, CEO von WWF Schweiz, betont, dass die Verdoppelung des Lastwagenverkehrs am Gotthard für die Schweiz ein schwerer Rückschlag wäre auf dem Weg zur Erreichung ihrer eigenen Klimaziele.

Über 50 Organisationen bestehend aus Natur- und Umweltorganisationen sind für ein klares Nein und setzen alles daran, dass die Stimmbevölkerung am 28. Februar 2016 eine 2. Röhre ablehnen wird.

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