© Smudge 9000 [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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IPCC: Klimawandel droht mit irreversiblen und gefährlichen Folgen

  • Roman Vonwil
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Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem ist offensichtlich und wird immer stärker. Folgen davon können heute auf allen Kontinenten beobachtet werden. Falls keine Massnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden, wird die Wahrscheinlichkeit von starken und irreversiblen Folgen für Menschen und Ökosysteme steigen. Nichtsdestotrotz existieren Möglichkeiten, sich dem Klimawandel anzupassen und durch das Umsetzen strenger Klimaschutzmassnahmen seine Folgen auf ein handhabbares Mass zu reduzieren. So kann eine nachhaltigere Zukunft realisiert werden.

Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der neue Synthesebericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC). Der Synthesebericht fasst die Ergebnisse des fünften Sachstandsbericht des IPCC zusammen, der von über 800 Wissenschaftler_innen verfasst wurde und als die bisher umfassendste Beurteilung des Klimawandels gilt.

„Wir haben die Mittel um den Klimawandel einzugrenzen“, sagte R.K. Pachauri, Vorsitzender des IPCC. „Es gibt viele Lösungen, die eine weitere wirtschaftliche und soziale Entwicklung zulassen. Alles, was wir brauchen, ist der Wille zur Veränderung, der angespornt wird durch das Wissen und das Verstehen der Wissenschaft des Klimawandels.“

Der Synthesereport bestätigt, dass der Klimawandel weltweit wahrgenommen wird und die Warnungen des Klimasystems eindeutig sind. „Unsere Beurteilung kommt zum Schluss, dass die Atmosphäre und die Ozeane sich erwärmt haben, die Menge an Schnee und Eis abgenommen hat, der Meeresspiegel gestiegen ist, und die CO2-Konzentration zugenommen hat –  in einem Ausmass, das ohne vergleichbare Beispiele in den letzten 800’000 Jahren ist“, sagt Thomas Stocker, Ko-Vorsitzender der IPCC Arbeitsgruppe 1. Der Synthesebericht bringt stärker als die vorherigen Berichte zum Ausdruck, dass der Ausstoss von Treibhausgasen und weitere menschliche Aktivitäten die Hauptursachen der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung sind.

Je stärker menschliche Aktivitäten das Klima beeinflussen, desto höher seien die Risiken. Wie der Bericht festhält, wird der andauernde Ausstoss von Treibhausgasen eine weitere Erwärmung und langfristige Änderungen im Klimasystem verursachen, und damit die Wahrscheinlichkeit von weitreichenden und tiefgehenden Folgen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und Umwelt zunehmen. Diese Risiken stellen vor allem für Menschen in den Entwicklungsländern und in verletzlichen Gemeinschaften eine Bedrohung dar, da sie nur über begrenzte Möglichkeiten verfügen, dem Klimawandel zu begegnen. Deshalb sei das Begrenzen der Folgen des Klimawandels auch eine Frage der Gerechtigkeit und Fairness und ist ausserdem nötig um eine nachhaltige Entwicklung und ein Ende der Armut zu verwirklichen. „Viele Menschen, die am verletzlichsten sind gegnüber dem Klimawandel, tragen kaum zu den Treibhausgas-Emissionen bei“, sagt Pachauri. „Der Klimawandel kann nicht angegangen werden, wenn einzelne Akteure ihre eigenen Interessen getrennt voneinander angehen; es kann nur durch gemeinsame Antworten und eine internationale Zusammenarbeit etwas erreicht werden.“

Anpassungen können laut Vicente Barros, dem Ko-Vorsitzenden der IPCC Arbeitsgruppe 2, eine Schlüsselrolle spielen bei der Verminderung der Risiken. Anpassungen können in die laufende Entwicklung eingebettet werden und helfen, sich auf Risiken vorzubereiten, die durch bereits ausgestossene Treibhausgase entstehen. Der Synthesebericht kommt aber zum Schluss, dass Anpassungen alleine nicht genügen. Eine einschneidende Reduktion der Treibhausgasemissionen sei der Kern einer Verminderung der Risiken. Eine Verringerung der Emissionen reduziert nicht nur das Tempo und das Ausmass der Erwärmung sondern verlängert auch die Zeitspanne, die bleibt, um Anpassungsmassnahmen zu ergreifen. Doch je länger wir warten, desto grösser seien die Kosten für die Anpassungen und die Emissionsreduktionen, meint Youba Sokona, Ko-Vorsitzender der IPCC Arbeitsgruppe 3. Eine angemessene Reduktion der Treibhausgasemissionen würde zur Zeit nur 0,06% des globalen Wachstums kosten. „Verglichen mit den bevorstehenden Risiken irreversibler Folgen des Klimawandels sind die Risiken der Reduktion leicht zu handhaben“, sagt Sokona.

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