© Alex Labhardt
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Intensive Landwirtschaft als Stressfaktor für Schleiereulen

  • Kathrin Ruprecht
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Die Schleiereule sucht die Nähe des Menschen. Gleichzeitig leidet sie unter der intensiven Landwirtschaft und reagiert empfindlich auf Störung. Das belegen Forschende der Vogelwarte Sempach und der Universität Lausanne, nachdem sie bei jungen Schleiereulen die Konzentration von Stresshormonen gemessen haben.

Manchen Vögeln behagt ein Leben in unmittelbarer Nähe des Menschen gar nicht. Sie brüten nur an Orten, wohin sich kaum jemand verirrt. Andere Vogelarten hingegen sind uns und unseren Aktivitäten gegenüber weniger empfindlich und profitieren sogar von uns. Zu ihnen gehört die Schleiereule, die in Scheunen und Kirchtürmen brütet und uns mit ihrem nächtlichen Kreischen schon mal gehörig erschrecken kann, schreibt die Vogelwarte. Sie gilt als „Kulturfolgerin“, sucht also die Nähe zum Menschen ohne aber domestiziert zu sein.

Forschende der Vogelwarte Sempach und der Universität Lausanne haben jetzt herausgefunden, dass junge Schleiereulen, die in Nistkästen in Scheunen aufwachsen, sensibel auf Störungen reagieren. Je höher die menschliche Aktivität in Kastennähe war, desto stärker war auch die Ausschüttung von Stresshormonen. Gleichzeitig waren die jungen Schleiereulen leichter und damit in schlechterer körperlicher Verfassung.

Ebenfalls einen Einfluss hat die Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung an Orten, wo Schleiereulen Mäuse für ihre Jungen jagen. In intensiv bewirtschafteten Gebieten war die Konzentration der Stresshormone im Blut erhöht. Zudem waren die Nestlinge in einer schlechteren körperlichen Verfassung, sodass weniger von ihnen bis zum Ausfliegen überlebten, als in weniger intensiv genutzten Gebieten.

Aus den Resultaten lassen sich Empfehlungen für die Förderung der Schleiereule ableiten. Die Vogelwarte empfiehlt, Nistkästen dort aufzuhängen, wo möglichst wenig menschliche Störung stattfindet. Und die Autorin der Studie, Bettina Almasi ergänzt: „Am besten sind Orte, wo der Weg für die Schleiereulen zur nächsten Hecke nicht weit ist. Dort gibt es immer genügend Mäuse für die Jungen“.

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