© Nico Kaiser [CC-BY-SA-3.0], via Flickr
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Industriestaaten noch nicht fit für Nachhaltigkeitsziele

  • Judith Schärer
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Am 25. September 2015 kommen führende Politiker aller UN-Mitgliedsstaaten in New York zu einem Klima-Gipfel zusammen. Am Ende sollen neue globale Ziele als Leitlinien für die Politik der kommenden 15 Jahre verabschiedet werden. Im Vorfeld präsentiert nun ein Bericht die Fitness der Staaten in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele.

Die meisten Industrienationen sind weit davon entfernt, als Vorbilder für eine nachhaltige Entwicklung zu dienen und bei vielen Indikatoren besteht die Gefahr, diese Ziele komplett zu verfehlen. Dies teilt die Bertelsmann Stiftung mit, welche die weltweit erste Bestandsaufnahme zu diesem Thema durchführte. Die größten Defizite weisen dabei die Industriestaaten in ihrem wenig nachhaltigen Produktions- und Konsumverhalten auf. Außerdem verschärfen ihre Wirtschaftssysteme vielfach den Trend zur sozialen Ungleichheit.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Vergleichsuntersuchung aller 34 OECD-Staaten durch die Bertelsmann Stiftung, welche sich auf die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals-SDG) stützt, die bis 2030 gelten sollen. Die Ziele enthalten Aspekte wie Armut, Gesundheit, Bildung, Energie, Gleichberechtigung, Wirtschaft, Konsum oder Artenvielfalt. Dabei handelt es sich um die weltweit erste systematische Untersuchung zum gegenwärtigen Status jedes dieser Länder und im Vergleich der Länder zueinander. Die Momentaufnahme identifiziert zudem sowohl Staaten, die bei einzelnen Nachhaltigkeitszielen Vorbildcharakter haben und wo noch erhebliche Defizite bestehen.

Die Schweiz steht in der Verantwortung

Der Bericht zeigt auf, dass insbesondere Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und die Schweiz als bereit für die SDGs betrachtet werden können. Diese Länder, die fünf stärksten, sind demnach gut aufgestellt, um weitere Verbesserungen im Bereich nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Wie die Länderprofile zeigen, weisen aber selbst diese Staaten bei bestimmten Zielen noch erhebliche Defizite auf. So schneidet die Schweiz sehr schlecht ab in Bezug auf die Feinstaubbelastung und die kommunale Abfallproduktion. Auch in weiteren Punkten besteht laut dem Bericht grosses Potential, die Performanz der Schweiz noch zu verbessern.

„Wir als reiche Länder können uns mit unserer wachsenden sozialen Ungleichheit und Ressourcenverschwendung nicht mehr länger als die Lehrmeister der Welt darstellen. Wir können den Schwellenländern schwerlich vorgeben, wie sie sich entwickeln sollen. Stattdessen können wir in der Analyse erkennen, wo auch wir unsere Hausaufgaben machen müssen. Und zudem zeigt sie uns, wo die Industriestaaten bereits jetzt Gefahr laufen, die neuen Nachhaltigkeitsziele zu verfehlen.“

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

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