Zur Abwehr gegen Zecken verwenden Vögel Zigarettenstummel als Nistmaterial - diese besitzen aufgrund des Nikotins eine antiparasitische Wirkung. | © Bard Anton Zajac [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Zur Abwehr gegen Zecken verwenden Vögel Zigarettenstummel als Nistmaterial - diese besitzen aufgrund des Nikotins eine antiparasitische Wirkung. | © Bard Anton Zajac [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

In Zigarettenstummeln gebettet – zum Schutz vor Zecken

  • Mélanie Guillebeau
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Nikotin besitzt eine antiparasitische Wirkung. Dieser machen sich gemäss einer mexikanischen Studie Hausgimpel zunutze und bauen Zigarettenstummel in ihr Nest ein, um ihre Jungtiere vor Ungeziefer, wie Zecken, zu schützen. Anfänglich scheint sich dies für Vögel positiv auszuwirken, jedoch könnte sich diese Entscheidung später rächen.

Zecken mögen kein Nikotin

Zecken sind nicht nur für uns Menschen lästig und potenziell gefährlich aufgrund ihrer Rolle als Überträger von Krankheitserregern, sondern auch für Vögel. Vor allem Nestlinge sind gefährdet, wenn sie den bluthungrigen Plagegeistern ausgesetzt sind. Wie es scheint, sind die gefiederten Eltern dahintergekommen, dass Zecken dem Nest fernbleiben, wenn Zigarettenstummel als Nistmaterial verwendet werden. Wie die Newsplattform New Scientist berichtet, wird nämlich vermehrt beobachtet, dass sich zum Beispiel Hausgimpel oder Haussperlinge in Kippen betten.

Hausgimpel haben Zigaretten für sich entdeckt, jedoch nicht als Laster sondern zur Abwehr von Parasiten. | © Rick from Alabama [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Hausgimpel (Carpodacus mexicanus) haben Zigaretten für sich entdeckt, jedoch nicht als unnötiges Laster, sondern zur Abwehr von Parasiten. | © Rick from Alabama [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Wissenschaftler der Universität in Mexiko haben untersucht, ob die verwendeten Zigarettenstummel lediglich umständehalber als Nest-Ersatzmaterial verwendet werden – denn sie bieten eine gute Wärmeisolation – oder tatsächlich mit der Absicht das Nest „parasitensicherer“ zu machen. Als Versuchsart diente der Hausgimpel, ein bekannter „Kippen-Verwerter“ in Mexiko und seit längerem Bestand vergleichbarer Forschungsarbeiten.

In einem Versuch haben die Wissenschaftler die Nester der Vögel nach dem Schlüpfen der Brut von sämtlichem Ungeziefer befreit und die Auskleidung des Nests entfernt. Nun unterteilten sie die Nester in drei Gruppen: Der ersten Gruppe wurden lebende Zecken in die Nester gelegt, der Zweiten tote Zecken und die Dritte blieb von Zecken verschont. Und siehe da, in parasitenverseuchten Gruppen haben die Zecken die Vogeleltern dazu veranlasst, deutlich mehr Zigarettenstummel in ihrem Nest zu verbauen – dieses Verhalten war noch stärker ausgeprägt, wenn es sich um lebende Zecken handelte (erste Gruppe).

Die Kehrseite der Medaille

Nun kann man sich denken: Toll, die Vögel säubern die Strasse von Zigarettenkippen und haben erst noch einen messbaren Nutzen davon. Doch die Medaille besitzt leider eine Kehrseite. Denn wie vorangehende Untersuchungen offenbarten, wirken sich die Zigaretten sowohl auf Zecken als auch Vögel negativ aus. Die Stummel können in ferner Zukunft genetische Schäden verursachen und stören die Zellteilung. Dem werden sich die Vögel wohl kaum bewusst sein. Und so kommt es, dass die Vögel zwar einfallsreich und mit guten Absichten handeln, um das Zeckenproblem einzudämmen – auf lange Sicht führen sie ihren Nestlingen aber Schaden zu.

Weitere Informationen finden Sie in der vollständigen Studie „An experimental demonstration that house finches add cigarette butts in response to ectoparasites“ von Suárez-Rodríguez und Constantino Macías Garcia, veröffentlicht im Journal of Avian Biology.

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