Import-Güggeli: Gequält und ausgenutzt

  • Dominique Haiden
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In der am 31. August ausgestrahlten „ARD-exclusiv“- Dokumentation „Das System Wiesenhof“ werden massive Tierschutz- und Hygienevorwürfe gegen die deutsche Wiesenhof Gruppe erhoben. Wie Recherchen des Schweizer Tierschutz STS ergaben, beliefert Wiesenhof auch den Schweizer Geflügelmarkt. Zu den Abnehmern gehören beispielsweise Aldi, Coop, Denner und Migros. Die Schweiz importiert jährlich über 45 Millionen Kilogramm Geflügelfleisch, vornehmlich aus Brasilien und der EU. Der STS geht davon aus, dass das Gros der ausländischen Herkünfte hiesige Standards nicht einhält. Er fordert die Konsumenten auf, auf Importgeflügel zu verzichten und stattdessen auf Schweizer Geflügelfleisch zu setzen.

Die Hühner- und Trutenmast boomt weltweit. Innert dreissig Jahren hat sie sich verfünffacht. Dies, weil gegenüber dem Konsum von Geflügelfleisch keinerlei religiöse Tabus herrschen und die Erzeugung wie bei keiner anderen Tierart extrem rationalisiert und technisiert wurde. Musste man früher ein Huhn drei Monate bis zur Schlachtreife mästen, schaffen dies moderne Hochzuchtrassen in 40 Tagen. Zudem hat die Zucht dafür gesorgt, dass diese vor allem das gewünschte Brust- und Schenkelfleisch liefern. Musste man noch um 1950 für Geflügelfleisch am tiefsten ins Portemonnaie greifen, ist es heute das billigste Fleisch.

Importgüggeli sind billig, die Gewinnmarge für die Importeure interessant. Darüber lässt sich leicht verdrängen, dass mit diesen Tieren zumeist weit herzloser und schonungsloser umgegangen wird als mit Sachen. Auch dass die Billigimporte einheimische, bäuerliche und tierfreundliche Geflügelhalter immer stärker und unfair konkurrenzieren, scheint die Importeure kaum zu kümmern. Deshalb sind die Konsumentinnen und Konsumenten gefordert. Der STS ruft sie zum Verzicht auf importiertes Geflügelfleisch auf, das nicht den Schweizer Anforderungen entspricht. Stattdessen sollen die Konsumierenden sowohl im Laden wie auch im Restaurant auf Schweizer Geflügel, am besten aus Freilandhaltung, bestehen. Im kommenden Jahr wird der STS eine landesweite Informationskampagne zum Thema starten.

Weitere Informationen (Schweizer Tierschutz STS)

 

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