Immer mehr Tierversuche in der Schweiz

  • Dominique Haiden
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tierversucheDie am 5. Juli 2011 vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) veröffentlichte Tierversuchsstatistik zeigt für das Jahr 2010 eine massive Zunahme von Tierversuchen. Die Zunahme beträgt gegenüber dem Vorjahr 7.9%, gegenüber dem Jahr 2000 gar 35%. Tierversuche haben insbesondere an Universitäten und in Spitälern (+7%) und in nicht ausgewiesenen Instituten (+70%) zugenommen. In der Industrie wurden auch letztes Jahr wieder weniger Tiere eingesetzt (-6%). Insgesamt wurden 2010 in der Schweiz 761 675 Tiere für Tierversuche verbraucht.

Auch im Jahre 2010 (-8%) setzte sich der Trend der letzten Jahre fort, dass immer weniger Tierversuche für die angewandte medizinische Forschung (z.B. Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln) durchgeführt wurden. Demgegenüber nahmen auch im vergangenen Jahr (+4%) Tierversuche für die Grundlagenforschung zu. In der Grundlagenforschung, die im Gegensatz zur angewandten medizinischen Forschung keinen relevanten medizinischen Nutzen für Menschen bringt, nahmen somit Tierversuche seit dem Jahr 2000 um 64% zu.

2010 wurden an Universitäten, der ETH und in Spitälern 6163 Tierversuche für die Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln durchgeführt. Demgegenüber stehen 253 872 (+8%) für die Grundlagenforschung. 984 der insgesamt 275 256 an Universitäten, der ETH und Spitälern durchgeführten Tierversuche waren vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Insgesamt nehmen in der Schweiz die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Tierversuche weiterhin jährlich ab (2010 total 18%).

Die AG STG kritisiert im Weiteren, dass im vergangenen Jahr Tierversuche für Bildung und Ausbildung (+12%), und ebenfalls für diverse Giftigkeitsprüfungen, massiv zugenommen haben. Erstmals seit Jahren wurden in der Schweiz auch wieder Tierversuche für Kosmetik durchgeführt. Dazu Andreas Item, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner AG STG: „Für die Ausbildung sowie für Toxikologietests gibt es klar überlegene tierversuchsfreie Forschungsmodelle, die in den führenden Eliteuniversitäten in den USA und in England längst Einzug gehalten haben. Will die Schweiz den Anschluss an die führenden Forschungsnationen nicht verlieren, dann besteht hier grosser Handlungsbedarf.“ Weiter sagt Andreas Item: „Auch wenn es nicht sehr viele sind: Dass sogar wieder Tierversuche für Kosmetik bewilligt wurden, zeigt einmal mehr, dass freiwilliger Verzicht – wie er oft propagiert wird – nur eine Luftblase ist. Wir brauchen endlich griffige und klare Gesetze.“

Eine Verdoppelung (+57 000) fand bei Tierversuchen für die intensivierte Zucht und Mast von so genannten Nutztieren statt. Diese wurden für Leistungsoptimierungen im Nutzen von Effizient und Kosteneinsparungen durchgeführt. Auch stammen immer weniger der Versuchstiere aus kontrollierten und anerkannten schweizerischen Zuchtanstalten (-30%). Demgegenüber haben Versuchstiere aus ausländischen Zuchtanstalten (+35%) sowie aus anderer bzw. unbekannter Herkunft (+38%) massiv zugenommen.

Weitere Informationen

Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner AG STG

Tierversuchsstatistik des Bundesamt für Veterinärwesen (BVet)

2 Kommentare

  • Benedikt Schmidt

    Wir untersuchen bei Fröschen eine Pilzkrankheit, welche für den Naturschutz ein grosses Problem darstellen könnte. Die Forschung hat zwar „keinen relevanten medizinischen Nutzen für Menschen“, ist aber für den Naturschutz durchaus relevant. Die Pilzproben nehmen wir, indem wir mit einem Watterstäbchen dem Frosch mehrfach über den Bauch streichen. Danach wird der Frosch wieder freigelassen. Diese simple und harmlose Prozedur gilt in der Schweiz als Tierversuch. Anders gesagt: Man muss die Statistik genau anschauen, denn das BVET schreibt beispielsweise auch, dass die Anzahl stark belastender Tierversuche um 14% abgenommen hat.

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