Vom Dreistachligen Stichling hat man im Bodensee zwei unterschiedliche Ökotypen gefunden. | © JaySo83, [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Vom Dreistachligen Stichling hat man im Bodensee zwei unterschiedliche Ökotypen gefunden. | © JaySo83, [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Im Bodensee wird neue Artenbildung beobachtet

  • Amanda Buol
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Dank genetischen Analysen können bereits frühe Stadien der Artbildung erkennt werden. Eine Studie des Wasserforschungsinstitut Eawag und der Universität Bern zeigt die rasante Entwicklung des Dreistachligen Stichlings im und um den Bodensee.

Dem Dreistachligen Stichling scheinen Umwelteinflüsse wie Seeüberdüngung, Uferverbauung oder Kanalisierung nicht zu Schaden. Seit etwa 150 Jahren breitet sich der robuste Kleinfisch im ganzen Mittelland der Schweiz rasant aus, so die Eawag. Eine umfangreiche, genetische Untersuchung gibt nun Hinweise auf das Erfolgsrezept: Sie können sich offenbar rasch an neue Lebensräume anpassen.

Die Entwicklung der Stichlinge von einer Art zu mehreren Arten sei so rasch, dass sie als Modelle in der Evolutionsbiologie dienen. So wurden im Bodensee unterschiedliche Formen des Stichlings gefunden, welche einerseits typisch für den See und andererseits typisch für die Seezuflüsse seien.

Unerwartet war jedoch für die Forscher die Auseinanderentwicklung der Fische, obwohl sie sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort paaren. Für gewöhnlich trennen sich die Arten, wenn sie sich an unterschiedliche Lebensräume anpassen oder sich räumlich voneinander isoliert haben.

Die Untersuchung wurde dank des technischen Fortschritts der DNA-Sequenzierung möglich. Auf rund 20 Chromosomen wurden 40 Regionen identifiziert, die sich zwischen dem „Seestichling“ und dem „Bachstichling“ unterscheiden. Jedoch kann offiziell nicht von neuen Arten gesprochen werden. Die Forscher benutzen für das frühe Stadium der Artbildung lieber den Begriff Ökotyp. Es sei aber ungewiss, betonen sie, dass sich die beiden Ökotypen jemals zu vollständig voneinander isolierten Arten entwickeln. Gerade junge Arten und Ökotypen reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen.

Die genetischen Unterschiede seien nicht nur an der DNA erkennbar, sondern auch an den Merkmalen der beiden Stichlings-Typen, schreibt die Eawag. Die im See lebende Gruppe bildet längere Stacheln und breitere Knochenplatten zum besseren Schutz vor Raubfischen und fischfressenden Vögeln.

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