© Fabio Bontadina / swild.ch
© Fabio Bontadina / swild.ch

Igel werden aus der Stadt gedrängt    

  • Mélanie Guillebeau
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Traurige Neuigkeiten für den Stadtigel: Gemäss erster Resultate des laufenden Forschungsprojekts von stadtwildtiere.ch hat die Zahl der Igel in den Wohnquartieren des Mittellands seit 1992 stark abgenommen.

„Igel gesucht“

Seit Sommer 2016 heisst es vonseiten der Stadt Zürich „Igel gesucht“: Mit diesem Aufruf motiviert die Stadt die Bevölkerung der urbanen Wohngebiete, Igelbeobachtungen auf der Meldeplattform stadtwildtiere.ch zu erfassen. Zusätzlich haben Freiwillige Spurentunnel in Privatgärten und Grünflächen verteilt. Diese sind rund ein Meter lang und bestehen aus Karton. Im Tunnel befindet sich ein Farb- und Papierstreifen, die den Besuch eines neugierigen Igels auf Papier festhalten. Mittlerweile konnten die ersten Resultate dieser Aktion zusammengestellt werden.

Spurentunnel wurden Farb- und Papierstreifen ausgerüstet und in Gärten verteilt. | © Cornelia Hürzeler / stadtwildtiere.ch
Spurentunnel wurden mit Farb- und Papierstreifen ausgerüstet und in Gärten platziert. | © Cornelia Hürzeler / stadtwildtiere.ch
Ein Spurenblatt aus einem der Spurentunnel: Es ist mit Igelspuren versehen. | © stadtwildtiere.ch
Ein Spurenblatt aus einem der Spurentunnel: Es ist mit Pfotenspuren eines Igels versehen. | © stadtwildtiere.ch

Erste Resultate zeigen lückenhafte Verbreitung

In der Zeit zwischen Mai und Oktober 2016 wurden für Zürich 351 Igelbeobachtungen auf der Plattform gemeldet. Zudem hinterliessen Igel in jedem Vierten der 460 aufgestellten Spurentunnel ihre Tapser. Dabei sticht ins Auge, dass die Verbreitung der Igel mosaikartig ausfällt: Es befinden sich grosse Lücken zwischen einzelnen Verbreitungsgebieten. So zum Beispiel grenzt Schwammendingen – ein igelreiches Gebiet – an die Milchbuck-Region, die kaum mehr Igel beheimatet. Im Jahr 1992 weitete sich die Verbreitung des Igels auf deutlich mehr Stadtteile aus, wie zum Beispiel Altstetten oder den Zürichberg. In diesen Gebieten wurden 2016 kaum Beobachtungen gemeldet.

Igelverbreitungskarte für die Stadt Zürich auf 500 x 500 Meter (Quadrate): 2016 (schwarze Punkte) mit zusätzlichen Nachweisen von 1992, die im 2016 nicht belegt werden konnten (rote Punkte). | © stadtwildtiere.ch
Die Igel-Verbreitungskarte für die Stadt Zürich: Ein Quadrat ist 500 x 500 Meter gross. Schwarze Punkte stellen Nachweise im 2016 dar. Zusätzliche Nachweise von 1992, die im 2016 nicht belegt werden konnten, sind durch rote Punkte gekennzeichnet. | © stadtwildtiere.ch

Möglicherweise sind die Ausbreitung des Dachses – ein Nahrungskonkurrent und zugleich Feind des Igels – und die Abnahme naturnah gestalteter Gärten Gründe für die geringen Beobachtungen. Vielleicht liegt es aber vor allem daran, dass die Stadt immer mehr verbaut wurde – und in der Folge die Verbreitungswege und Lebensräume des Igels. Mit dem Folgeprojekt „Aktion StadtIgel“ möchte StadtWildTiere die genauen Ursachen für den Rückgang klären.

30 Prozent weniger Igel in Grossbritannien

Auch in Grossbritannien ist die Zahl der stacheligen Säuger in den letzten 15 Jahren drastisch – schätzungsweise um 30 Prozent – gesunken. In den ländlichen Gebieten vermutet man, dass der Bestand aufgrund der intensivierten Landwirtschaft und vermehrten Opfern im Strassenverkehr abgenommen hat. Die Fragmentierung der Lebensräume (z. B. durch Strassen, Mauern, Betonabsätze in Gärten und Zuggeleise) ist eine weitere Erklärung für den Rückgang in Stadt- und Landgebieten. Schliesslich legen Igel nachts bis zu 1.5 Kilometer auf der Suche nach Nahrung und Paarungspartnern zurück und sind daher auf grössere, erschlossene Gebiete angewiesen.

Beobachtung melden:
Wenn Sie Igel oder auch andere Wildtiere im Siedlungsgebiet antreffen, können Sie diese auf der Meldeplattform stadtwildtiere.ch des Vereins StadtNatur melden.

3 Kommentare

  • B. Poupon

    In diesem Frühjahr hat ein Igel seine Spuren sprich Fresslöcher in unserem Gras hinterlassen. Seit einiger Zeit habe ich ihn leider nicht mehr gesehen resp. gehört und auch keine Spuren mehr gefunden. Mein naturnaher Garten plus verschiedene Asthaufen und Rückzugsmöglichkeiten nützen eben nicht, wenn ringsum alles „versteinert“ und „Unkraut“ und Unterholzpflanzen vertilgt werden. Es hat auch neu verschiedene Roboterrasenmäher. Was fühlt wohl ein Mensch, wenn er einen verschnetzelten Igel in seinem Mäher hat ?

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  • Christine Dobler Gross

    Um aus meinem Wohnquartier zu sprechen: mich wundert es nicht, werden es auch in durchgrünten Stadtteilen immer weniger. Vielleicht zum Teil der Dachs, aber sicher nicht nur. Es gab einige Neubauten auf Flächen, die vorher auch wilde Ecken und Strukturen enthielten. Die sind jetzt weg. Zudem sorgen die Facility-Gärtner für immer mehr „Ordnung“ in allen Gärten und Grünflächen um die Liegenschaften, das heisst es wird geputzt, weggeräumt, mit Fadenmähern unters Gebüsch usw.- sofern es überhaupt noch Gebüsch hat, was ja nur Arbeit gibt. Schliesslich achtet kaum jemand auf die Durchlässigkeit der Gärten – können die Igel zirkulieren? Wer denkt schon an so was…….Herr und Frau Schweizer sind ja derart beschäftigt mit Beruf und Freizeitgestaltung, dass solches ja schon fast lächerlich anmutet, solche Fragen aufzuwerfen. Der Naturschutz generell liegt im Argen und ist nicht im Fokus der Bevölkerung, die Mehrheit meint immer noch, es gehe ihr gut, und im Kantonsrat wird wacker weiter Geld gestrichen……

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  • Ike Undine

    Als ich letztes Jahr zur morgens zur Arbeit ging, fand ich 4 tote Igelkinder.. Ich gehe davon aus, daß die vergiftet wurden.. seitdem habe ich bei uns nie mehr einen Igel gesehen, sonst kam er immer, wenn es ein dunkelte unten auf die Wiese.. es ist so traurig, denn die Igel sind nützlich und zudem noch total putzig..

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