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Hoffnungsschimmer für Luzerner Kiebitze

  • Silvan Kaufmann
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090827_kiebitz1_k34 junge Kiebitze wurden 2009 im luzernischen Wauwilermoos flügge, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Dieser Erfolg beruht auf einer Kombination von zwei Schutzmassnahmen: Im Kerngebiet der Brutkolonie im Ackerland wurde auf landwirtschaftliche Nutzung verzichtet, und das Gebiet wurde grossräumig eingezäunt, um Füchse und andere Räuber von den Nestern fernzuhalten. Der Bruterfolg zeigt, dass man bei der Förderung des Kiebitzes auf dem richtigen Weg ist. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach wird sich aber weiterhin Jahre engagieren müssen, bis der Bestand des attraktiven Watvogel gesichert ist.

„Die vielen jungen Kiebitze sind der Lohn unserer Arbeit“, freut sich Luc Schifferli von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Der Ornithologe betreut im luzernischen Wauwilermoos ein Projekt zur Rettung des bedrohten Watvogels. Nur noch knapp hundert Brutpaare des Kiebitzes gibt es in der ganzen Schweiz. Die Art ist stark gefährdet. Die grösste Kolonie lebt im Wauwilermoos. 27 Paare zählten die Sempacher Forscher diesen Frühling. Aus 25 Gelegen wurden insgesamt 34 Küken flügge, das sind 1,26 Junge pro Paar. Um den lokalen Bestand langfristig stabil zu halten, braucht es 0,7 Junge pro Paar. Jetzt wurde dieser Wert erstmals seit Jahren übertroffen, so dass der kleine Bestand wieder etwas wachsen kann. 

Möglich wurde dieser Bruterfolg des Kiebitz durch eine Kombination von zwei Schutzmassnahmen. Einerseits wurden zwei Äcker, die seit der Ernte im Vorjahr brach lagen, von der Bewirtschaftung ausgenommen, so dass die Kiebitze von Landwirtschaftsmaschinen unbehelligt brüten konnten. Zu verdanken ist dies dem grossen Verständnis der Landwirte Hans Huber und Ferdi Bisang aus Kottwil, auf deren Parzellen 17 Kiebitzpaare brüteten. Andererseits wurde das ganze Brutgebiet mit Elektrozäunen grossräumig abgesperrt, um Füchse, Katzen und andere Räuber von den Nestern fernzuhalten. Da Kiebitze am Boden brüten, sind sie Feinden besonders ausgesetzt.

Am Boden brütende Vogelarten gehören zu den grössten Sorgenkindern im Vogelschutz. Ihre Förderung ist sehr aufwändig und schwierig, da die Bruten vielen Gefahren ausgesetzt sind. Die jetzt erfolgreich eingesetzten Schutzmassnahmen wurden wissenschaftlich geprüft.Um den Nesträubern auf die Schliche zu kommen, wurden Fotofallen eingesetzt. Als nächtliche Besucher konnten Füchse und einzelne Hauskatzen nachgewiesen werden, tagsüber waren es Rabenkrähen. Ohne Nesterschutz schlüpfen nur ein Drittel der Gelege, im Schutze von Elektrozäunen gibt es dagegen praktisch keine Verluste durch Nesträuber. Frisch geschlüpfte junge Kiebitze sind schon in den ersten Lebenstagen zu Fuss unterwegs und verlassen zum Teil den eingezäunten Bereich. Intensive Beobachtungen der Jungen lieferten den Hinweis, wie grossflächig das Gebiet eingezäunt werden muss, damit die jungen Kiebitze auch auf ihren Erkundungen der Umgebung geschützt bleiben.

Damit die Kiebitznester auf den Äckern nicht durch Landmaschinen zerstört werden, wurden seit 2005 alle Kiebitzgelege markiert. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ging in dieser Zeit kein Kiebitzgelege bei landwirtschaftlichen Feldarbeiten verloren. Wenn allerdings die Bodenbearbeitung während der Bebrütungszeit erfolgte, wurden verhältnismässig viele Gelege aufgegeben. Daher ist es nötig geworden, die vom Kiebitz als Neststandorte benützten Äcker bis nach Abschluss der Brutzeit brach liegen zu lassen. Dank dem Entgegenkommen der Landwirte konnten die Kiebitze 2009 ungestört und erfolgreich brüten.

Vogelwarte Sempach

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