mit MM Aqua viva 7.12.16
Das bestehende Wehr des Kraftwerks Tuurau. Das Projekt sieht ein knapp 3 Meter höheres Wehr vor. | © Aqua Viva

Auen sind durch Neubau des Kraftwerks in Gefahr

  • Cécile Villiger
  • 1

Die Umwelt- und Fischereiorganisationen sind sich einig: Der „Neubau Kraftwerk Tuurau“ an der Thur bei Bischofszell TG ist nicht tragbar. Die weitere Beeinträchtigung von zwei Auengebieten von nationaler Bedeutung ist nicht zu verantworten und wiederspricht dem gesetzlich verankerten Auenschutz, welcher eine Wiederherstellung der dynamischen Auenfunktionen fordert.

Auen sind die Regenwälder der Schweiz. In keinem anderen Lebensraum können wir so viele Arten beobachten – 84 Prozent aller einheimischen Tiere und Pflanzen kommen in Auen vor. Und doch gehören Auenlandschaften zu den gefährdetsten Lebensräumen der Schweiz. 90 Prozent sind in den letzten 200 Jahren verschwunden. Ein Neubauprojekt, welches Auen von nationaler Bedeutung beeinträchtigt, ist rechtlich nicht zulässig und muss darum genau unter die Lupe genommen werden.
Die Umwelt- und Fischereiorganisationen Aqua Viva, Fischereiverband Thurgau, Fischereiverein Thur I, Fischereiverein Thur II, Pro Natura, Schweizerischer Fischerei-Verband und WWF haben beim Projekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“ grosse Unstimmigkeiten entdeckt und Einsprache erhoben.

Das Auengebiet von nationaler Bedeutung ‚Ghöggerhütte‘ würde durch den Höherstau von bis zu 2.8 Metern sowie Dammbauten mit bis zu 7 Meter tiefen Stahlspundwänden mitten im Auengebiet beeinträchtigt. Im nationalen Auengebiet ‚Unteres Ghögg‘ soll der Wasserabfluss massiv reduziert werden. Der Einstau und die Verringerung des Abflusses verhindern die für Auen typischen Prozesse der Dynamik und der stetigen Umgestaltung. „Es kann nicht sein, dass für 0.05 Prozent der Schweizer Wasserkraft-Stromproduktion zwei national geschützte Auen weiter beeinträchtigt werden. Das widerspricht geltendem Gesetz“ betont Benjamin Leimgruber von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva. Das Projekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“ ist mit dem Schutzziel der ungeschmälerten Erhaltung der Auengebiete nicht zu vereinbaren.

Aber nicht nur die Auengebiete leiden unter dem Einstau. Fliessgewässer gehören generell zu den am stärksten beeinträchtigten Lebensräumen der Schweiz. Die Thur ist im Projektgebiet die Heimat der gefährdeten Äsche, welche auf freifliessende Strecken und eine lockere Kiessohle angewiesen ist. Christoph Maurer vom Thurgauer Fischereiverband: „Es ist Zeit, Verantwortung für unsere Flüsse und Bäche und deren Bewohner zu übernehmen. Für die in der Thur heimischen Arten, wie beispielsweise die gefährdete Äsche, sollte das Gewässer aufgewertet werden, anstatt weitere Beeinträchtigungen zuzulassen.“ So könnte bei Bischofszell ein Auenparadies für Tiere und Pflanzen, aber auch für den Menschen geschaffen werden.

1 Kommentar


Beitrag kommentieren