© Uwe Häntsch [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Hochwasserschutzprojekt im Reusstal gefährdet viele Fischarten

  • Kathrin Ruprecht
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Dem Kanton Luzern bietet sich eine Jahrhundert-Chance. Mit dem geplanten Hochwasserschutzprojekt im Reusstal kann eine dynamische Flusslandschaft geschaffen werden. Die Umweltverbände fordern den Kanton auf, die Möglichkeit zu nutzen und sich mit aller Kraft für ein vorbildliches Hochwasserschutzprojekt mit bedeutenden Revitalisierungen einzusetzen.

Die Reuss wurde auf ihrem Weg durch die Kantone Luzern, Zug, Zürich und Aargau auf weiten Strecken zwischen Mauern gedrängt und begradigt. Trotz dieser Hochwasserschutzmassnahmen kam es 2005 zu Überschwemmungen.

Der Kanton Luzern legt nun ein Projekt vor, welches die Hochwassersicherheit im Reusstal verbessern soll. Bedenklich hat der Kanton dabei zu wenig an bedrohte Wasserbewohner wie die Äsche gedacht, berichtet die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva zusammen mit Pro Natura und WWF. Denn: Entsteht das Projekt wie geplant, wird der Reuss beim Reusszopf und im Abschnitt Schiltwald jährlich etwa 12’000 Kubikmeter Kies und Sand entnommen. Das sind 75 Prozent der gesamten Kies- und Sandmengen in diesem Abschnitt! „Eine Katastrophe für viele Fischarten“, weiss Stefan Kunz, Geschäftsführer von Aqua Viva. „Fehlt es an Kies und Sand, finden Fische wie die Äsche keine geeigneten Lebensbedingungen vor und sterben früher oder später aus“.

Ist der Kies weg, sind es die Fische auch bald. Dabei ist die Luzerner Reuss eine Äschenregion von nationaler Bedeutung. Auch die stark gefährdete Seeforelle wandert zur Laichzeit vom Vierwaldstättersee die Reuss abwärts und später wieder in den See zurück.

Die Flusslandschaft im Projektperimeter – auch ein Auengebiet, verschiedene Flachmoore und Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung gehören dazu – ist also trotz starken Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten noch heute von sehr grosser Bedeutung.

Dem Kanton Luzern bietet sich hier und jetzt die Jahrhundert-Chance: Mit dem geplanten Hochwasserschutzprojekt kann eine dynamische Flusslandschaft entstehen, welche nicht nur den Äschen besseren Lebensraum bietet, sondern noch attraktiver für Spaziergänger und Naturfreunde wird. „Die geplanten Aufweitungen des Flussbetts, besonders in den Abschnitten Schiltwald, Perler Schachen, Studeschachen und Honauer Schachen, sind erfreulich“ sagt Stefan Kunz. „Über die gravierenden Mängel des Projekts können wir aber nicht hinwegsehen“.

Neben der massiven Kiesentnahme ist das Projekt zu wenig mit den Kantonen Zug, Aargau und Zürich abgestimmt. Auch im Bereich der Fischwanderung orten die Umweltverbände Aqua Viva, Pro Natura und WWF grosse Lücken. „Die Umsetzung des Projektes muss zwingend einhergehen mit der Sicherstellung einer durchgehenden Durchwanderbarkeit für Fische. Die heute nicht oder nur teilweise funktionierenden Fischwanderhilfen bei den Wasserkraftwerken Mühleplatz, Rathausen und Perlen sind im Rahmen des Projektes zu sanieren“ macht Stefan Kunz klar.

Wenn der Kanton die fehlenden Massnahmen einarbeitet und die Mängel korrigiert, kann ein für die Schweiz vorbildliches Hochwasserschutzprojekt mit bedeutenden Revitalisierungen geschaffen werden – davon sind die Umweltverbände überzeugt. Sie fordern den Kanton Luzern deshalb auf, sich mit aller Kraft für die Realisierung der vorgesehenen Naturflächen einzusetzen und die wichtige Arbeit konsequent und koordiniert fortzusetzen. Damit an der Reuss ein für die Schweiz vorbildliches Hochwasserschutzprojekt mit bedeutenden Revitalisierungen und Neuschaffung von Wasserlebensräumen entsteht.

3 Kommentare

  • Peter Voser

    Mit grossem Aufwand versuchen unterliegende Kantone den verheerenden Mangel an Kies in Fliessgewässern ein wenig zu korrigieren. Wenn nun ein Oberlieger den Geschiebetrieb massiv verschlechtert, ist das unhaltbar. Nicht nur die Hälfte der Fischarten in Fliessgewässern sind auf Kies angewiesen, auch zahlreiche Kleintiere brauchen ihn. Dass Umweltorganisationen hier einhacken, verdient grosse Unterstützung.

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  • Graf Roman

    Ich bin etwas erstaunt, dass die NGO’s in diesem Fall einzig die negativen Seiten hervorheben; Angesichts dessen, dass dieses Projekt, auch von den Landwirten aufs heftigste bekämpft wird, können solch einseitige Pressemitteilungen den Todesstoss für das Reussprojekt bedeuten, welches gesamthaft betrachtet mehr Gewinn für die Natur im Kanton Luzern bringen würde, als die meisten anderen Projekte, die hier in den letzten Jahrzehnten verwirklicht wurden. So was nenn ich eine miserable Strategie. Kein Wunder, dass man nicht weiter kommt.

    mfg

    Roman Graf

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    • Kurt Schneeberger

      @Roman Graf; Wess Lied singen Sie, Herr Graf? Wieso wissen Sie alles besser als die besagten Organisationen, welche sich mit Sicherheit eingehend und mit ausgewiesenenFachleuten mit diesem Projekt und mit dessen Auswikungen auf die Natur auseinander gesetzt haben?
      „Kein Wunder kommen wir nicht weiter“, nämlich deshalb, weil es von vermeintlichen Fachleuten wie Sie nur so wimmelt.


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