© Christine Dobler Gross
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Hilfe, Wanzen!!

  • Christine Dobler Gross
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Wanzen haben einen schlechten Ruf….. Zum einen wissen die Leute um die Bettwanzen, welche bekanntlich stechen, zum andern nennt man Wanzen auch Stinkkäfer, man sagt ihnen nach, dass sie stinken. Treten sie dann noch in Massen auf, wie z.B. die häufige Feuerwanze, dann ist der Schrecken und die Angst gross, dass diese Tiere in die Häuser eindringen und dort über Lebensmittel und nachts über schlafende Bewohner herfallen würden.

Feuerwanzen an Malvensamen © Christine Dobler Gross
Feuerwanzen an Malvensamen © Christine Dobler Gross (zum Vergrössern bitte anklicken)

Fast nichts von alledem ist wahr – Feuerwanzen sind vollkommen harmlos, halten sich gerne an der wärmenden Sonne in Gruppen auf und saugen mit Vorliebe an Malvensamen.
Bettwanzen kommen selten vor, man kann sie allenfalls mal unwissentlich im Rollkoffer importieren und in die eigene Wohnung einschleppen, z.B. wenn man im Ausland in einfachen Unterkünften übernachtet hat.
Die sogenannten Stinkwanzen stinken nur dann, wenn sie sich wehren gegen übermässigen Druck oder andere Bedrohungen.

Eigentlich wollen sich Wanzen auch gar nicht in unseren Häusern niederlassen, aber im Herbst, wenn es kühl wird, suchen sie gerne Ritzen, Erdhöhlen, Felsenspalten und andere Verstecke auf und geraten auf ihrer Suche nach einem Überwinterungsplatz auch einmal in die Häuser. Es ist leicht, sie nach draussen zu befördern, sie krabbeln bereitwillig auf einen Karton und lassen sich draussen abschütteln.

 

Die Kohlwanze saugt wie die allermeisten Wanzen an Pflanzensäften © Christine Dobler Gross
Die Kohlwanze saugt wie die allermeisten Wanzen an Pflanzensäften © Christine Dobler Gross (zum Vergrössern bitte anklicken)

Falls es bei Dir im Haus eine wahrlich angsteinflössende Invasion von Wanzen geben sollte, schau im Buch Stadtfauna nach, um welche Wanze es sich handelt, und lese über sie. In diesem Buch sind 600 in unsern Städten vorkommende Tiere beschrieben, in kleinen, bebilderten Portraits.

Notfalls kannst Du bei der Schädlingspräventionsstelle der Stadt Zürich Auskunft bekommen, was zu tun wäre.

 

Streifenwanzen © Christine Dobler Gross
Streifenwanzen © Christine Dobler Gross

Die Streifenwanzen findest du vor allem an Doldenblumensamen, hier paaren sie sich auf der Pastinake. 3000 Wanzenarten kommen in Europa vor bei weltweit 40`000 Arten. Es gibt bestimmt noch x-Tausende unentdeckte Arten. Diese Insekten sind bei näherer Betrachtung nicht nur hübsch, vielfältig und bunt, sondern auch extrem anpassungsfähig und für uns Menschen fast ausnahmslos harmlos. Die meisten Wanzen, viele davon wahre Juwele, leben in tropischen Gebieten.

Wanzeneier © Christine Dobler Gross
Wanzeneier © Christine Dobler Gross

Die Wanzen legen ihre meist rundlichen, unterschiedlich gefärbten Eierchen gerne an Blattunterseiten, hier am Muskatellersalbei.

frisch geschlüpfte Wanzenlarven der Grünen Stinkwanze Palomena Prasina © Chris Cockayne
frisch geschlüpfte Wanzenlarven der Grünen Stinkwanze Palomena Prasina © Chris Cockayne

Aus diesen Eiern sind die Wanzenlarven erst gerade geschlüpft. Dann bleiben sie gerne noch lange zusammen mit ihren Geschwistern bei der Eiablage. Dieses Bild stammt von Chris Cockayne aus einem kleinen, zauberhaft gestalteten Garten in Kyburg mit einer sehr gelungenen und vielfältigen Mischung von Kultur- und Wildstauden.

© Christine Dobler Gross
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Dieses Gelege in einem Blatt des Hohlzahns stammt von der Grünen Reiswanze Nezara viridula, einer ursprünglich aus Ostafrika eingeschleppten Art.

© Christine Dobler Gross
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Sie durchläuft eine Entwicklung von insgesamt sechs, in der Farbe stark variierenden Larvenstadien bis zum ausgewachsenen Tier.

© Christine Dobler Gross
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Stadium 6 ist besonders farbenfroh. Und trägt sie nicht eine Fuchskopfmaske?

Ausgewachsene Reiswanzen © Christine Dobler Gross
Ausgewachsene Reiswanzen © Christine Dobler Gross

Die gute Tarnung lässt diese Wanzen schwer erkennen. Sinds drei oder vier??Die einheimische Grüne Stinkwanze sieht dieser Art sehr ähnlich.

Langflüglige Schwertschrecke Conocephalus fuscus © Christine Dobler Gross
Langflüglige Schwertschrecke Conocephalus fuscus © Christine Dobler Gross

Auf der Suche nach Wanzen in unserm Garten traf ich auf diese Heuschrecke – dieses Weibchen ist soeben dabei, Eier in den hohlen Pflanzenstängel abzulegen. Wer alles wegräumt im Garten, vernichtet auch die Nachkommen dieser wunderschönen, zierlichen Schrecke, die als gefährdet gilt. Überhaupt warte ich noch immer auf ernstgemeinte und verbindliche Massnahmen, welche eine naturfördernde Gartenbepflanzung und, mindestens ebenso wichtig, eine naturschonende Gartenpflege verlangen. Dieses Thema wird immer wichtiger, zumal nicht nur im privaten Bereich wertvollere Grünflächen durch wertlose, sogenannt „pflegeleichte“, ersetzt werden. Durch den Unterhalt wird dann immer effizienter, mit immer absurderen Pflegemassnahmen und –Maschinen, der Natur noch endgültig der Garaus gemacht.

Blaue Holzbiene in ihrem Geburtsort© Christine Dobler Gross
Blaue Holzbiene in ihrem Geburtsort© Christine Dobler Gross (zum Vergrössern bitte anklicken)

Ah ja, unsere Blauen Holzbienen: Die Jungen sind in den beiden Nestern geschlüpft, die beiden Alten in Nestnähe ihrer Bestimmung entsprechend nach ihrer Vermehrung gestorben, flugunfähig durch Altersschwäche, Verletzungen durch Vögel uam. und dann wohl verhungert. Zeitweise flogen vier Individuen im Garten herum, fantastisch! Und jetzt sehe ich in den beiden Nestern je eine hocken. Sie werden wohl darin überwintern. Ich bin gespannt, wie das im Frühling weitergehen wird!

Einsehbares Nisthilfenelement © Christine Dobler Gross
Einsehbares Nisthilfenelement © Christine Dobler Gross (zum Vergrössern bitte anklicken)

Auch in den künstlichen Nisthilfen wird die nächste Generation der Wildbienen überwintern, die meisten im Larvenstadium. Hier hat eine Blattschneiderbiene aus vorwiegend weichen Rosenblättern, zum Teil auch aus Rosenblütenblättern, Röhrchen geformt und aneinandergereiht. Ein wahres Kunstwerk! In jedes hat sie Pollen gebracht und ein Ei gelegt, auf dass die schlüpfende Larve zu fressen hat, um sich dann zu verpuppen und 2018, wenn ihre Zeit gekommen ist, als fertige Wildbiene zu schlüpfen.

5 Kommentare

  • Andrieas Diethelm

    Danke für das brilliante Plädoyer für eine unterschätzte Gattung und für die prachtvollen Bilder.

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  • Cécile Hochstrasser

    Es freut mich von Ihnen zu lesen. Sehr interessant! Ich bin eine
    Hobby-Bio-login im Simmental auf 900 m Höhe. Ich gehe nicht raus ohne mein iPhone um all die interessante und zum Teil rar gewordene Insekten zu fotografieren. Leider haben unsere Behörden und Landwirte keine Zeit und Interesse die Artenvielfalt in unserer Gegend zu schützen…es bringt keine „Einnahmen“…aber wenn es zu spät ist, wird es allen teuer kosten!

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  • Maurus

    Ein Superbeitrag. Danke Christine

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  • Anita

    Vielen herzlichen Dank! Ich bin so erleichtert und froh, gib es noch Menschen wie Sie die den Wert der Natur erkennen, schützen und pflegen!

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  • gabriela

    danke für den interessanten beitrag!

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