Hausrotschwanz mit Insekt im Schnabel

Hausrotschwanz als Fokusart für Pestizide

  • Benjamin Kämpfen
  • -

Hausrotschwanz mit Insekt im SchnabelDen rötlichen Schwanzfedern verdankt er seinen Namen – der Hausrotschwanz. Dieser insektenfressende Vogel ist in der ganzen Schweiz zuhause, besonders wohl fühlt er sich auch in den Rebbergen. Doch Reben werden oft mit Pflanzenschutzmitteln vor Schaderregern geschützt. Insekten – die Beute des Hausrotschwanzes – kommen zwangsläufig mit solchen Pflanzenschutzmitteln in Kontakt. Frisst ein Hausrotschwanz solche Insekten, kann er bei gewissen Pflanzenschutzmitteln krank werden oder sogar sterben.

Ein Vielfrass unter den Vögeln

Doch weshalb ist diese Art besonders betroffen? Die Antwort liegt in der Nahrungsmenge, die er vertilgt. Der kleine, federleichte Hausrotschwanz ist nämlich ein regelrechter Vielfrass: Er nimmt eine höhere Menge an Insekten und Spinnen pro Körpergewicht auf als grössere Vögel. Dadurch ist er die erste Vogelart in einem Rebberg, die gesundheitliche Probleme kriegen würde.

Agroscope-Forschende haben ihn deshalb zur so genannten „Fokus-Art“ der Rebberge gekürt. So können die Experten für jedes Pflanzenschutzmittel im Rebbau auf das Risiko für den Hausrotschwanz fokussieren. Gilt dieses Risiko als akzeptabel, sind auch die andern insektenfressenden Vögel mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der sicheren Seite. Auf diesem Weg sollen die Umwelt geschont und gleichzeitig die Schaderreger im Rebbau unter Kontrolle gebracht werden.

Ökotoxikologische Pflanzenschutzmittel-Prüfung

Moderne Pflanzenschutzmittel müssen folgenden Spagat schaffen: landwirtschaftliche Kulturen vor Schaderregern optimal schützen und zugleich diejenigen Lebewesen schonen, die nicht das Ziel der Pflanzenschutzmassnahmen sind. Um dies zu erreichen, führt die Agroscope-Forschungsgruppe Ökotoxikologie Risikoabschätzungen für solche Lebewesen durch, unter anderem auch für Vögel.

Die Risikobeurteilung verläuft analog zur EU und ist in mehrere Phasen gegliedert: In einer ersten Phase werden einfache Modelle benutzt, in denen im wahrsten Sinne des Wortes «mit dem Schlimmsten gerechnet wird» (worst case). Wenn dabei ein Risiko für Vögel nicht ausgeschlossen werden kann, muss man kompliziertere, aber genauere Modelle benutzen. Die Risikobeurteilung kann jetzt neu für genau diejenigen Vogelarten gemacht werden, die während des Pflanzenschutzmitteleinsatzes tatsächlich in der behandelten Kultur leben und kontaminierte Nahrung fressen könnten, wie etwa für den Hausrotschwanz. Die Fachleute nennen diese Vögel «Fokus-Arten». Jede landwirtschaftliche Kultur hat ihre eigenen Fokus-Arten. Zudem können dieselben Kulturen im Ausland andere Fokus-Arten beherbergen. Deshalb sind die Verhältnisse in der Schweiz gesondert zu erforschen.

Mitteilung von Agroscope

Beitrag kommentieren