© Christoph Sammer, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
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Harte Zeiten für Winzer                              

  • Cécile Villiger
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Der Befall mit dem Falschen Rebenmehltau sorgte punktuell für beträchtliche Ernteverluste und macht das Jahr 2016 zu einem schwierigen Jahr. Für die Produktion von Trauben hoher Qualität ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unverzichtbar. Solche Behandlungen werden aber von der Gesellschaft immer schlechter akzeptiert, da Rückstände nachgewiesen werden können. In der Forschung sucht man nach Alternativen, meldet Agroscope.

Sehr ausgiebige Niederschläge bis in den Juli haben lokal die Entwicklung des Falschen Rebenmehltaus stark gefördert. Frühe und starke Infektionen der Gescheine in der ersten Junihälfte hatten die vollständige Austrocknung vieler Trauben zur Folge. Die Regenfälle von Mitte Juli führten anschliessend zu weiteren Infektionen von Trauben, was die Ernte weiter schmälerte. Ein so ausgeprägter Befall mit dem Falschen Mehltau war seit 1996 nie mehr festgestellt worden. Der Krankheitsdruck führte in bestimmten Parzellen zu beträchtlichen Ernteausfällen – trotz Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Wie lässt sich diese paradoxe Beobachtung erklären?

Der Falsche Rebenmehltau kann sich bei feuchten Bedingungen epidemisch ausbreiten und explosionsartig entwickeln. Wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist, lässt sich der Erreger nicht mehr durch ein Fungizid vollständig beseitigen. Selbst ohne Regen sind Sekundärinfektionen möglich, allein über den Tau oder über die Verdunstung durch die Blätter. Deshalb ist es wichtig, früh zu reagieren und die Reben präventiv zu behandeln, bevor sich der Falsche Mehltau etabliert hat.

Die Konsumentinnen und Konsumenten sehen Pflanzenschutzmittel in erster Linie als Gefahr für Gesundheit und Umwelt. Immer wieder werden bei Analysen in Lebensmitteln und Weinen Rückstände solcher Produkte nachgewiesen. Fast immer handelt es sich um Spuren, die deutlich unter den vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) festgelegten Toleranzwerten liegen. Ein Toleranzwert ist aber ein Maximalwert. Er wird aufgrund toxikologischer Daten festgelegt, stützt sich auf die Gute landwirtschaftliche Praxis und soll die gesundheitliche Unbedenklichkeit gewährleisten. Mit extrem empfindlichen Analysemethoden können selbst winzige Spuren bestimmter Moleküle nachgewiesen werden, von denen unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit vermutet werden. Die in der Schweiz angewendeten Normen gelten auch in der ganzen Europäischen Union. Die Anforderungen und Erwartungen der Gesellschaft ändern sich jedoch. Die Forschung nimmt diese Anliegen der Gesellschaft auf. Sie prüft die Weinbaupraktiken kontinuierlich und sorgfältig, um geeignete Alternativen zu finden.

Die biologische Produktion verzichtet auf synthetische Produkte und schützt die Reben hauptsächlich mit Kupfer, Schwefel und ergänzend mit weiteren Produkten natürlichen Ursprungs. Diese Kontaktmittel haben im Allgemeinen eine kürzere Wirkungsdauer und werden leicht durch Regenfälle ausgewaschen. Deshalb müssen die Behandlungen regelmässig wiederholt werden. Kupfer, das im Weinbau seit dem Ende des 19. Jahrhunderts angewendet wird, ist jedoch ein Schwermetall, das sich im Boden anreichert. Der Einsatz von Kupfer führt zu einer gemischten Gesamtbilanz, insbesondere weil mehr Behandlungen erforderlich sind. Aus diesem Grund suchen seit fast 30 Jahren zahlreiche Institute in der Schweiz und in ganz Europa intensiv nach Alternativen. Bisher wurde jedoch kein natürliches Produkt mit ausreichender Wirksamkeit gefunden.

 

1 Kommentar

  • Villiger Thomas

    Diese ausgewogene Beurteilung lasse ich gelten. Bei uns in der Nordschweiz ist der biologische Pflanzenschutz im Weinbau nicht a priori besser als der integrierte.

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