Kalb

Handymast Schuld an Kälberblindheit?

  • Manuela Just
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Über Jahre haben Veterinärmediziner der Universität Zürich systematisch blinde Kälber auf dem Rütklihof in Reutlingen bei Winterthur untersucht. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde dort eine Mobilfunkanlage mit Antennenmast errichtet. In den Folgejahren kamen über fünfzig Kälber mit grauem Star (nukleärer Katarakt) auf die Welt. Das ist wesentlich mehr als im schweizerischen Durchschnitt. Nachdem die Antenne 2006 abgebrochen wurde, sind keine auffälligen Erkrankungen mehr festgestellt worden. Die Ergebnisse der Fallstudie wurden in der aktuellen Ausgabe des Schweizer Archivs für Tierheilkunde veröffentlicht.

Gemäss dem Dachverband Elektrosomog Schweiz und Liechtenstein lassen die Forschungsergebnisse darauf schliessen, dass alle in der Schweiz üblichen Ursachen für Kälberblindheit wie Infektionen oder Vergiftungen ausgeschlossen werden können. Da der Mobilfunkanbieter seinen Mast nicht wie geplant mehrmals sondern nur einmal für längere Zeit ein- und danach ausgeschaltet hat, können die Wissenschaftler keinen absolut eindeutigen Beweis für die Antennenstrahlung als Ursache für das vermehrte Auftreten der Augenveränderungen erbringen. Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Ein- bzw. Abschalten der Mobilfunkantenne sowie Beobachtungen auf andere Höfen sprechen klar für einen Zusammenhang, so der Dachverband.

Einer der Studienautoren, Berhard Spiess, ist gemäss NZZ vom 23. Februar 2012 zurückhaltender. Ob die Strahlung wirklich die Ursache für die Linsentrübung ist, muss mittels einer kontrollierten Studie untersucht werden. Erst danach kann eine fundierte Aussage getroffen werden. Die Studie ist für nächstes Jahr geplant. Die Skepsis von Spiess ist gemäss NZZ u.a. auf „Studien aus der Vor-Handy-Zeit, die bei Kälbern ähnlich hohe Katarakt-Raten gefunden haben“ zurückzuführen.

Weitere Informationen

www.funkstrahlung.ch
www.nzz.ch 

Bild: Dave Young from Taranaki, New Zealand (Wikimedia Commons)

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