Müssen wir uns ob der vermehrten Hitzewellen um unsere Rolle als Wasserschloss Europas fürchten? | © Tim J Keegan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Müssen wir uns ob der vermehrten Hitzewellen um unsere Rolle als Wasserschloss Europas fürchten? | © Tim J Keegan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Hält das Wasserschloss Europas den Hitzewellen stand?

  • Mélanie Guillebeau
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Die Hitzewelle, die diesen Juni über uns hinwegrollte, versprühte mit ihren hochsommerlichen Temperaturen Ferienstimmung. Doch solch ein Hitzeereignis hinterlässt Spuren in unserer Umwelt: Die Wasserpegel sinken, während die Waldbrandgefahr zunimmt. Das Bundesamt für Umwelt rechnet in Zukunft vermehrt mit solchen Hitzewellen – doch mit welchen Folgen?

Im Monat Juni sind während mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen die Temperaturen auf über 30 °Celsius angestiegen – kurzum eine Hitzewelle ist über die Schweiz hinweggerollt. In den vorangehenden 30 Jahren wurden in Zürich und Basel im Durchschnitt jedes zehnte Jahr Hitzewellen registriert, in Lugano nur alle fünf Jahre. Gemäss Berechnungen von MeteoSchweiz werden Hitzewellen zwischen 2010 und 2039 drei Mal häufiger auftreten. Mitte des 21. Jahrhunderts wird man sie in Lugano und Basel zu den alljährlichen Phänomenen zählen müssen; in Zürich werden sie wahrscheinlich alle zwei Jahre beobachtet werden.

Lang anhaltende Hitzeperioden bringen nicht nur uns ins Schwitzen, sondern auch unsere Wiesen, Wälder, Wasservorräte und Tiere. In einem ausführlichen Dossier beschreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Folgen der Hitzewelle für das Wasserschloss Europas und bespricht im Rahmen des vom Bund initiierten Projekts „Hydrologische Grundlagen zum Klimawandel“ (Hydro-CH2018) die Ausmasse zukünftiger Ereignisse angesichts des fortwährenden Klimawandels. Die zentrale Frage ist dabei, ob wir unserer Rolle als Wasserschloss Europas auch in Zukunft gerecht werden.

Wasserpegel sinkt, Temperaturpegel steigt

Auch grosse Flüsse wie der Hochrhein, die Aare oder die Limmat blieben von der letzten Juni-Hitzewelle nicht verschont: Sie verzeichnen einen für diese Jahreszeit unterdurschnittlichen Abfluss. Besonders stark betroffen von verringerten Abflussmengen sind jedoch die kleinen und mittelgrossen Flüsse des Mittellands.

Ist dies ein sehr kleines Fliessgewässer? Falls ja, kann der Kanton zukünftig den anliegenden Gewässerraum, eine wichtige Pufferzone, streichen. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Vegetation entlang eines Flusses spendet Schatten und kann einen Fluss bei starker Sonneinstrahlung vor schneller, starker Erwärmung schützen. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Hitze bedeutet Stress

In erwärmten Fliessgewässern entsteht folgende Situation: Es ist weniger Sauerstoff im Wasser gelöst und zugleich wird mehr Sauerstoff aufgrund erhöhter biologischer Aktivität verbraucht – Auslöser ist in beiden Fällen die warme Wassertemperatur. Es ist also nicht verwunderlich, dass Niedrigwassersituationen in Kombination mit erhöhten Wassertemperaturen enorme Stressfaktoren für aquatische Lebewesen darstellen.

| © Curtis Fry [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Fische, wie zum Beispiel die Bachforelle, sind anfälliger auf Parasiten, wenn die Temperaturen im Fluss ansteigen. | © Curtis Fry [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

In Fischen schlägt sich der Hitzestress unter anderem in einem erhöhten Krankheitsrisiko nieder: Zum Beispiel sind Bachforellen anfälliger auf den Parasit und Auslöser der proliferativen Nierenkrankheit (PKD), eine Infektionskrankheit, die zum einen das Nierengewebe anschwellen lässt. Übersteigt die Wassertemperatur während rund zwei Wochen 15 °Celsius, kann dies bei einer infizierten Bachforelle der Auslöser für einen tödlichen Krankheitsverlauf sein – im schlimmsten Fall erliegen grosse Teile einer gesamten Forellenpopulation den Krankheitssymptomen.

Vernetzung zentral

Während Hitzeperioden ist für viele Wasserbewohner die Flucht in kältere Gewässerabschnitte die letzte Rettung. Ist die Vernetzung aufgrund von Wanderhindernissen oder niedrigen Restwassermengen nicht gewährleistet, kann dies verheerend sein. Und so zeigt sich erneut, dass die vertikale Vernetzung von Fliessgewässern ökologisch gesehen enorm wichtig ist. Mit dem Klimawandel und der vorhergesagten Häufung von heissen und trockenen Sommern wird sich das Problem geringer Wasserpegel und steigender Wassertemperaturen zukünftig weiter zuspitzen (Hydro-CH2018).

Das Wasserschloss im Licht des Klimawandels

Momentan unterhält die Schweiz grosse Wasserreservoire in Form von Gletschern und ist damit europaweit von grosser Bedeutung für die Wasserversorgung – daher rührt auch der Zweitname der Schweiz: das Wasserschloss Europas. Doch es ist Fakt, dass der Klimawandel voranschreitet, auch in der Schweiz. Laut den Modellrechnungen von MeteoSchweiz wird man hierzulande in der Folge häufigere, intensivere und längere Hitzeperioden überdauern müssen. Kann das Wasserschloss Europas diesen vermehrten Hitzewellen standhalten?

Gemäss den Ergebnissen des Hydro-CH2018-Projekts werden sich bis 2035 die Abflussmengen aufsummiert über das Jahr kaum ändern. Jedoch wird es zu starken saisonalen Schwankungen, insbesondere zwischen den Winter- und Sommermonaten, kommen. Abgesehen von den zeitlichen Verschiebungen im Abfluss, muss auch mit regionalen Änderungen gerechnet werden. Es ist zu erwarten, dass der Abfluss in der Nordschweiz zu, im Tessin jedoch abnimmt. Dementsprechend wird im Bericht betont, dass es in ferner Zukunft ebenfalls bei uns zu „lokalen und auch regionalen Engpässen kommen [wird], welche wasserwirtschaftliche Anpassungsmassnahmen erfordern.“

Die Verfasser des Berichts sind der Einschätzung, dass die Schweiz in „absehbarer Zeit“ ihrem Namen als Wasserschloss Europas weiterhin gerecht werden wird. Es wird gar vermutet, dass unsere Rolle als Wasserschloss Europas in einem zukünftigen, vom Klimawandel geprägten Europa noch zentraler wird. Umso wichtiger ist es, dass wir uns dieser enormen Bedeutung bewusst werden und sparsam mit der Ressource Wasser umgehen.

Weitere Informationen finden Sie im Dossiers „Hitzewelle und Trockenheit in der Schweiz“ des Bundesamtes für Umwelt (online verfügbar auf bafu.admin.ch) sowie in den Ergebnissen des Projekts „Hydrologische Grundlagen zum Klimawandel“ (Hydro-CH2018). 

2 Kommentare

  • Rolf Snyder

    Ein ganzer Abschnitt ist doppelt im Text aufgeführt.

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    • Mélanie Guillebeau

      Vielen Dank für den Hinweis. Leider ist dafür ein anderer Teil des Textes abhandengekommen.


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