Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren. | © Christian Willersinn, Agroscope
Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren. | © Christian Willersinn, Agroscope

Die Hälfte der Kartoffelernte landet im Abfall

  • Judith Schärer
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Auf dem Weg von der Scholle bis zum Teller geht mehr als die Hälfte der Kartoffelernte verloren. Das zeigt eine neue Studie von Agroscope und der ETH Zürich. Optimierungen bei den Produzenten und im Handel sowie Verhaltensänderungen bei den Konsumenten könnten die Situation mildern.

Die Verluste bei Schweizer Kartoffeln sind sehr hoch: Vom Feld bis zu den Haushalten gehen bei konventionell erzeugten Speisekartoffeln 53 Prozent verloren, bei biologisch produzierten gar 55 Prozent. Bei Verarbeitungskartoffeln liegen die Zahlen tiefer: 41 Prozent der Bio-Knollen sind Ausschuss, bei den konventionell produzierten sind es 46 Prozent. Der höhere Anteil bei konventionell erzeugten Verarbeitungskartoffeln hängt mit deren Überproduktion zusammen, was bei Bio-Qualität kaum je vorkommt, wie Agroscope erklärt.

Für die Schweizer Studie untersuchten Agroscope- und ETH-Forschende die Verluste, die bei den Produzenten, den Gross- und Detailhändlern, den Verarbeitern und bei der Konsumentenschaft entstehen. Die Forschenden erhoben die Mengen sowohl für Speise- als auch für Verarbeitungskartoffeln, welche zu Pommes Frites und Chips verwertet werden. Dazu verglichen sie die Verluste, die bei biologisch und konventionell erzeugten Kartoffeln beider Kategorien entstehen. Bis zu einem Viertel der Ernte von Speisekartoffeln bleibt bereits bei den Produzentinnen und Produzenten auf der Strecke. Weitere 12 bis 24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Lediglich ein bis drei Prozent fallen im Detailhandel unter den Tisch und noch einmal 15 Prozent in den Haushalten.

Verluste minimieren durch neue Sorten und anderes Verhalten

Um den Ausschuss bei Kartoffeln zu vermindern, schlägt Christian Willersinn, Erstautor der Studie deshalb vor allem Massnahmen auf Produzentenseite vor; etwa geeignete Kultivierungsmethoden wie Fruchtfolge, um Schädlingsbefall zu minimieren, Pflanzenschutz gegen Drahtwürmer und neue Züchtungen von robusteren Knollen. «Diese Massnahmen können die Qualität verbessern, sodass weniger Ausschuss entsteht», ist er überzeugt. „Aber auch die Konsumentenschaft sollte ihre Vorlieben und ihr Kauf- und Essverhalten überdenken.“ Obwohl Privathaushalte einen vergleichsweise geringen Anteil an der Kartoffelvergeudung haben, ist ihr Beitrag laut Willersinn der schwerwiegendste: Bei Privaten landet ein Grossteil der nicht verwendeten Kartoffeln in einem Kehrichtsack oder im Kompost. Produzenten, Händler und Verarbeiter hingegen speisen den Ausschuss zu einem überwiegenden Anteil immerhin in die Tierfütterung oder zu kleineren Teilen in Biogasanlagen ein.

Retten Sie Kartoffeln vor dem Abfalleimer!

Durch kleine Tricks können Sie mithelfen, den unnötigen Verlust von Kartoffeln zu minimieren.

  • Durch überlegten Kauf und richtige Lagerung kann schon vieles erreicht werden.
  • Wenn man schrumpelige Kartoffeln über Nacht in Wasser einlegt, dann schmecken sie am nächsten Tag wieder deutlich frischer und sind gut schälbar.
  • Sind Kartoffeln dann doch einmal ungeniessbar geworden, lassen sie sich auf verschiedene Arten doch noch nutzen. Sehen Sie sich dazu einmal diese kreativen Ideen an.

Für viele Kartoffel-Menüs spielt das Aussehen der Knolle sowieso keine Rolle, da sie verkocht werden und der Geschmack trotzdem tadellos ist. Wenn Sie also viele übriggebliebene Kartoffeln lagern, probieren Sie doch diese feine Herbstsuppe mit Kartoffeln, Kürbis und Pilzen aus. Zur Resteverwertung lassen sich auch bequem grosse Mengen herstellen und einfrieren.

99_Kartoffel-Pilz-Suppe

Dieses und eine Vielfalt an weiteren leckeren Rezepten finden Sie auf www.kartoffel.ch.

2 Kommentare

  • A. Sander

    15 % fallen in den Haushalten an. ? Bei uns entspricht das in etwa dem Anteil Kartoffelschalen. Jepp, warum empfehlen uns nicht die Autoren, dass für Kartoffelpüree die Knolle nicht mehr zu schälen ist?

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  • M. Fischer

    Ja ne, der Konsument ist schuld. Wieder mal. Selbstverständlich gibt es dazu keine Studie die das belegen würde, dafür aber 1000 andere die klar belegen, das jede Erdknolle ab dem ersten Waschen anfängt zu faulen.

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