Airbus SWISS Flugzeug

Guten Flug – aber auf Kosten der Umwelt

  • Nora Kieselbach
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Grossbritannien, Frankreich und Deutschland erheben auf Flugtickets eine Steuer – anders als die Schweiz. Dies führt besonders in Basel zu einer grotesken Situation: Im gleichen Flughafen Basel-Mulhouse zahlen „aus der Schweiz“ abfliegende Passagiere keinen Rappen Steuern, während „aus Frankreich“ abfliegende Passagiere eine Ticketsteuer zahlen. Dies schreibt Urs P. Gasche via Infosperber.

Die Schweiz profitiert daher auf Kosten der Umwelt von einem unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Dies bestreitet jedoch UVEK-Pressesprecherin Annetta Bundi: Weil das Ausland die Ticketsteuer (nur) bei dort abfliegenden Passagieren erhebt, ergäbe sich für die Schweizer Fluggesellschaften kein Vorteil. Falls dem so wäre, müsste man – umgekehrt – folgern, dass das Erheben einer Ticketsteuer keine Wettbewerbsnachteile zur Folge hat. Also könnte die Schweiz sogar eine sehr hohe Ticketsteuer einführen, ohne dass der Schweiz Nachteile und dem Ausland Vorteile erwachsen.

Doch das Departement Leuthard macht keinerlei Anstalten, um dem Parlament eine vergleichbare Abgabe für alle abfliegenden Passagiere wie in Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien vorzuschlagen. Und auch bereits zu Moritz Leuenberger’s Zeiten als Verkehrsminister stand in der Schweiz eine Ticket-Abgabe nicht zur Diskussion: „Die Schweiz vertritt den Standpunkt, dass eine derartige Regelung nur wirkungsvoll sein kann, wenn sie weltweit eingeführt wird.“ Eine Position, die an diejenige der Fluglobby gemahnt, die genau weiss, dass eine weltweit einheitliche Kerosin- oder Ticketsteuer erst am St. Nimmerleinstag beschlossen wird. Oder noch deutlicher: Eine globale Lösung hat lediglich den Vorteil, dass sie nie zustande kommt!

Reisen in der Luft tragen pro Passagier- und Frachtkilometer noch stärker zum Klimawandel bei als der Strassenverkehr. Trotzdem wird auf dem Flugbenzin (Kerosin) kein Rappen Steuern – auch keine Mehrwertsteuer – erhoben; Schweizer Flughäfen profitieren zusätzlich von zinsgünstigen Krediten und die Kosten der Flugsicherung weden weitgehend vom Bund übernommen. Damit jedoch nicht genug: Die Subventionierung des Luftverkehr beginnt bereits bei der Produktion der Flugzeuge. Die Entwicklung und Herstellung des Airbus A380 wurde mit über fünf Milliarden Euro subventioniert. Die EU stritten sich mit den USA nur darüber, ob die Boeing-Maschinen noch höhere Subventionen erhalten haben.

Das alles sind enorme Anreize, um das Wachstum des Flugverkehrs zu fördern. Müsste der Flugverkehr alle direkte und indirekten Kosten selber zahlen, wären die Fracht- und Passagierpreise schätzungsweise dreimal teurer. Spargeln aus Mexiko wären nicht mehr günstiger als Spargeln aus der Schweiz oder aus Süddeutschland. In einem Bund Spargeln aus Mexiko steckt die Energie von umgerechnet fünf Litern Erdöl – im Bund Spargeln aus der Schweiz nur gerade die von 0,3 Litern.

Die gigantische Subventionierung des (Luft-)Verkehrs gehört daher zu den grössten Sünden der Marktwirtschaft und macht aus der wirtschaftlichen Globalisierung eine gefährliche Misswirtschaft…

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Bild: Patrick Wirth (Wikimedia Commons)

1 Kommentar

  • Bettina

    Und was kann man tun? Gibt es irgend ein Initiativ-Kommittee der sich für eine Ticketsteuer (oder ähnliches) einsetzt? Würde mich gerne engagieren.

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