© Tambako The Jaguar [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Grund zur Hoffnung und schlechte Nachrichten für Grossraubtiere

  • Roman Vonwil
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Für den WWF Schweiz gibt es bei der Entwicklung der Grossraubtiere in der Schweiz durchaus Grund zur Hoffnung. In einer Jahresbilanz für das Jahr 2014 zeigt er, dass trotz stetem Aufwärtstrend der Bestände die Risszahlen nicht anstiegen. Trotzdem gibt es schlechte Nachrichten: Die Diskussionen um einheimische Grossraubtiere werden immer vergifteter.

160 Luchse, 25 Wölfe, 2 Bären lebten laut dem WWF Schweiz im Jahr 2014 in der Schweiz. Dies sind immer noch überschaubare Bestände, es ist jedoch ein anhaltender Aufwärtstrend für alle drei Grossraubtierarten zu erkennen.

Insbesondere die Anzahl Wölfe nahm wie bereits in den Vorjahren leicht zu, und der Wolf breitet sich auch immer in neue Gebiete aus. Während im Jahr 2012 noch etwa 17 Wölfe in der Schweiz lebten, waren es im letzten Jahr bereits etwa 25. Gleichzeitig entstand auch die Möglichkeit zur Bildung eines zweiten Rudels. 2014 wurde im Wallis eine neue Wölfin, F14, nachgewiesen, was ein Zeichen für das Entstehen eines weiteren Rudels nebst demjenigen im bündnerischen Calandagebiet sein könnte.

Trotz der Bestandeszunahme des Wolfs sieht die Schadensbilanz mit 186 durch den Wolf verursachte Nutztierrisse ähnlich aus wie in den Vorjahren. Grund für diese Stagnation ist in erster Linie der Herdenschutz, dessen Finanzierung 2014 durch den Bund rechtlich abgesichert wurde. Die Erfahrungen mit dem Calanda-Rudel zeigen, dass der Herdenschutz in der Praxis funktioniert und ein Zusammenleben mit Wölfen sehr wohl möglich ist. So hat beispielsweise die Alp Ramuz, eine Schafalp mitten im Territorium des Wolfsrudels am Calanda, dank tadellos umgesetztem Herdenschutz nicht mehr Verluste zu beklagen gehabt, als dies auch in einem Alpsommer ohne Grossraubtierpräsenz der Fall gewesen wäre. Es ist zu erwarten, dass die Anzahl geschützter Herden in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen wird.

Ungeachtet des Erfolgs des Herdenschutzes wurde im Jahr 2014 die Lockerung des Wolfsschutzes intensiv und teilweise polemisch diskutiert. Zwei neue parlamentarische Vorstösse wollten dem Wolf an den Kragen. Die Behandlung der von den Umweltverbänden als einzige gangbare Möglichkeit angesehene Motion Engler wurde vom Parlament verschoben. Stattdessen überraschte das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard mit einem überstürzten Vorschlag für eine Jagdgesetzrevision, die den Abschuss von Wolfsjungen erleichtern würde. Die Umweltverbände werden vor Ablauf der Anhörungsfrist am 16. März 2015 ihre Kommentare einreichen.

Nebst dem Wolf zeigt auch der Luchsbestand eine anhaltende positive Entwicklung. Seit ihrer Wiederansiedlung vor über 40 Jahren hat die Anzahl Luchse fortwährend zugenommen, und es haben sich in der Schweiz wichtige Vorkommen etabliert. Dennoch sind die Bestände im grenzübergreifenden Alpen- und Juraraum gefährdet. Denn die drei Luchspopulationen (Jura, Nordwestalpen und Nordostschweiz) sind weiterhin voneinander isoliert und brauchen dringend mehr Vernetzung durch Wildtierkorridore, um die drohenden Folgen einer Inzucht abzuwenden. Auch fallen Luchse immer wieder Verkehrsunfällen zum Opfer, so geschehen zu Beginn dieses Jahres, als der Luchs Talo unweit von Genf eine tödliche Kollision mit einem Auto erlitt. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig Wildtierkorridore sind, die solche Verkehrsunfälle vermeiden können.

Die Schweiz wurde letztes Jahr zudem von zwei Bären besucht. Das zwei Jahre junge Bärenmännchen M25 kam über Monate hinweg immer wieder. Der zweite, weiterhin unbekannte Bär, wurde nur einmal auf Schweizer Staatsgebiet nachgewiesen. Viele Alpentäler sind jedoch noch schlecht auf die Präsenz von Bären vorbereitet. Während das Val Müstair sich vorbildlich vorbereitet, stehen das Bergell, das Oberengadin und das Tessin noch am Anfang. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit, bärentaugliche Abfallkonzepte für die betroffenen Gemeinden, die Sicherung von Bienenständen und die konsequente Umsetzung des Herdenschutzes sind für ein Zusammenleben mit dem Bär unumgänglich. Dass der Bär willkommen ist, zeigten die über 22’000 Unterschriften für die Bärenpetition „Viva M25“ des WWF Schweiz, die im Juni 2014 dem der Bündner Regierung überreicht wurde.

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